[SFCh-Rezi] „Spektrum“ von Sergej Lukianenko

Die Station:

Merkur – „Junge“ Sci-Fi

Und so beginnt es:

»Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren.
Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Privatdedektiv sucht nach einem verschollenen Mädchen und stösst dabei auf deren sieben.
Etwas länger: Martin Dugin hat sich auf das Auffinden von vermissten Personen spezialisiert. „Vermisst“ bedeutet hierbei, dass ihnen keine Geschichte einfällt, die den „Schliessern“ gefällt.

Meine Meinung

Die Idee Geschichten als Bezahlung für die Passage durch Tore, die interstellare Reisen ermöglichen ist vielleicht nicht total originell. Ähnliches mag es schon gegeben haben. Dass aber Martin Dugin, ein „Läufer“ (einer der wie mühelos Geschichten aus dem Ärmel schüttel die den Schliessern gefallen), auf der Suche nach einem Mädchen gleich deren sieben findet und zum Schluss vor eine ungeheuer schwere Entscheidung gestellt wird, weil er neben all den sieben Versionen des einen Mädchens, eine Art „Stein der Weisen“ im Quadrat, findet.
Viel Sci-Fi, keine Raumschiffe und -schlachten, interessante Aliens, manchmal provokante Anspielungen, all das und noch mehr bekommt man in diesem Buch, das ich mir wie einige andere meiner Challenge-Bücher als Hörbuch reingezogen habe.
Die Geschichte ist spannend und nicht vorhersehbar. Die Figuren sind plastisch und haben zu Beginn der Geschichte mehr als genug Potential, das während der Geschichte gut, aber nicht vollständig, ausgeschöpft wird. Und die Sprache wirkt, wie soll ich sagen, zu Beginn etwas gestelzt. Das legt sich aber mit der Zeit, und da es bei dem Buch ja auch um Geschichten geht, verträgt es einen etwas ungewöhnlichen Umgang mit der Sprache sehr gut.
Zum Buch kann ich soviel nicht sagen, aber ich mag David Nathan als Sprecher.

Fazit

Kauf- und Hörempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Spektrum
Heyne / 2007 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Das Kantaki Universum – Diamant“ von Andreas Brandhorst

Die Station:

Venus – Soft Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Sol-System
17. September 2075
Mutter Rrirk stakte in den Pilotendom, den Raum, der das Zentrum der
hyperdimensionalen Struktur ihres Schiffes bildete. Flüsternde und
raunende Stimmen begleiteten sie, kamen sowohl von den vielen
Segmenten des Schiffes, durch die Bindungskräfte existenzieller
Harmonie zusammengehalten, als auch aus dem Transraum und seinen
zahllosen Fäden, die sich zwischen allem Existierendem spannten.«

Zusammenfassung

Kurz: Das Schicksal zweier Menschen hängt zusammen und von ihm hängt das Schicksal des Universums ab.
Etwas länger: Lidia DiKastro will Xeno-Archäologie studieren und Rungard Avar Valdorian, der Magnatensohn und künftiger Führer einer der beiden grossen Wirtschaftsmächte im von Menschen besiedelten Raum verliebt sich in sie.

Meine Meinung

Zuerst könnte man tatsächlich meinen, es gehe um die Beziehung dieser beiden enorm gegensätzlichen Menschen. Denn Lidia entdeckt, dass sie über „die Gabe“ verfügt. Sie lässt sich zur Kantaki-Pilotin ausbilden und so trennen sich die Wege der zwei Liebenden. Allerdings sind ihre Schicksale derart miteinander verknüpft, wie es noch nicht mal der nichts dem Zufall überlassende Valdorian ahnt. Er denkt, er zieht sämtliche Fäden. Er ist aber auch sonst ziemlich egozentrisch.
Ganz anders Lidia. Sie ist eine Träumerin. Sie möchte das Universum sehen. All die Wunder die es birgt. Deswegen wird sie Kantaki-Pilotin, weil die Kantaki, eines der ganz alten Völker, gewissermassen „ausserhalb“ der Zeit leben.
Glücklicherweise verzichtet Andreas Brandhorst darauf, sich zu sehr in technischen Details zu verlieren. Er beschreibt die Geschichte, den Wandel den zwei Personen durchleben. Wobei sich beide nicht wirklich „ändern“, ihre charakterlichen Grundzüge treten aber während dieses ersten von drei Bändern immer deutlicher hervor. Immerhin umfasst das Buch einen Zeitraum von etwa 120 Jahren.
Die Figuren sind zu beginn ganz normal, fast ein wenig langweilig. Sie werden jedoch wie gesagt im Laufe der Geschichte immer plastischer und glaubhafter.
Was mich am Stil etwas gestört hat war, dass Herr Brandohrst stark zu Wiederholungen zu neigen scheint. Er wiederholt sich, zwar nicht oft, aber einige Themen, Begriffe, Situationen werden von ihm immer mal wieder wiederholt. 😉
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern das Hörbuch gehört. Zu Beginn hatte ich Mühe mit Ernst Meincke, dem Sprecher, fand ihn langweilig. Aber das Buch oder die Geschichte, die Personen sind das zu Beginn auch. Mit Fortschreiten der Geschichte verschwindet auch dieser Eindruck.

Fazit

Ich bin grade dabei, „Metamorph“, den zweiten Band der Kantaki-Trilogie zu hören und werde mir auch den drittel Teil noch bei Audible besorgen. Zu Deutsch: Kaufempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 8/10
Figuren: 9/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Das Kantaki Universum – Diamant
Heyne / 2006 / 589 Seiten – Audible / 2008 / 11h 20m
Andreas Brandhorst
ISBN: 978-3-453-87901-0

[SFCh-Rezi] „Solaris“ von Stanislaw Lem

Die Station:

Sonne – Klassische Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Um neunzehn Uhr Bordzeit stieg ich, vorbei an den Leuten, die den Schacht umstanden, über die Metallsprossen ins Innere der Kapsel hinab. Drinnen war gerade genug Platz, um die Ellbogen wegzuspreizen. Sobald ich das Ende in die Leitung geschraubt hatte, die aus der Wand hervorstand, blähte sich der Raumanzug auf, und von nun an konnte ich nicht die kleinste Bewegung mehr ausführen. Ich stand — oder hing vielmehr — im Luftbett, mit der Metallhülle in eins verfugt.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Psychologe soll den Wahnsinn auf einer Station auf einem Planeten mit vermeintlich intelligentem See untersuchen,
Etwas länger: dabei trifft er seine Jugendliebe, die gar nicht seine Jugendliebe, sondern eine immer komplexer werdende Kopie, aufgebaut aus einem den Forschern bis dato unbekannten Material – und darum auch beinahe unsterblich – ist.

Meine Meinung

Es ist schwierig ehrlich über ein Buch zu schreiben, das zehn Jahre älter ist als man selber und sich dabei nicht all die lieben Menschen um einen herum zu Feinden zu machen, die dieses Buch so toll finden. Am einfachsten liesse sich das bewerkstelligen – und vermutlich auch dahingehend, dass ich mir den einen oder anderen Bekannten und/oder Freund bewharen kann – indem ich ein vielsagendes Satzzeichen für mich sprechen lasse. Nämlich das Fragezeichen. Denn genau das ist es, was mir heute morgen, als ich das Buch endlich zu Ende gelesen hatte, vor meinem geistigen Auge schwebte. Man schaut sich dieses Buch an und denkt sich: „Pha, 288 Seiten, das liesst sich ja weg wie nichts.“ Denkt man sich. Weit gefehlt. Ich sass fast zwei Wochen daran. Vereinzelt hat es mir zu hervorragendem Schlaf verholfen, und das unter gänzlichem Verzicht auf entsprechende pharamzeutische Hilfsmittel.
Dabei war noch nicht mal die für meine Ohren etwas altbacken wirkende Sprache das grösste Problem. Das kann ja im Gegenteil sogar gar reizvoll sein. Nur wenn ich manchmal über eine halbe Seite hinweg nicht weiss, wer denn jetzt spricht und ob er überhaupt noch spricht, oder schon wieder denkt, Selbstgespräche führt oder als Erzähler auftritt, dann empfinde ich das vorsichtig ausgedrückt als mühsam.
Die Figuren wirkten auf mich seltsam behäbig, unlogisch und handelten für mich oft nicht nachvollziehbar. Sie hatten „zu wenig Fleisch“ an den Knochen. Wer oder was genau ist nun diese Frau und warum hat sie gemacht was sie zum Schluss gemacht hat?
Die Sprache ist wie schon erwähnt über 50 Jahre alt, was aber kein Nachteil sein muss. Allerdings scheint mir die Kombination aus über 50 Jahre altem Polnisch und einer Übersetzung ins Deutsche irgendwann zwischen damals und jetzt in ein über 50 Jahre altes Deutsch keine gute Vorasussetzung für einen Lesegenuss im Hier und Jetzt zu sein. Zu Deutsch: Ich mag keinen deutschen Text ins Deutsche übersetzen wenn ich einen Roman lese.
Zum Schluss: Was hat bitteschön „Solaris“ mit Sci-Fi zu tun? Überall bekomme ich um die Ohren geschmissen, das Buch wäre ein Klassiker der Sci-Fi. Ich denke, die meisten die solcherlei Unsinn verzapfen haben das Buch im Besten Falle als Staubfänger im Regal stehen, mitnichten jedoch jemals lesenderweise sich zu Gemüte geführt.

Fazit

Leider keine Kaufempfehlung. Herr Lem hätte sich meiner Meinung nach lieber als Philosoph und/oder Lyriker betätigt.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 6/10
Figuren: 6/10
Handlung: 2/10
Schlusswertung: 5/10 Punkte

Solaris
List / 2006 / 288 Seiten
Stanislaw Lem
ISBN: 978-3-548-60611-8

[SFCh-Rezi] „Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust-Zyklus)“ von Frank Borsch

Die Station:

Jupiter – Space Operas

Und so beginnt es:

»Sterne glitzern, malen unbekannte Bilder in den Himmel einer fremden Welt.
Der alte Mann sitzt auf einem Felsen. Tau ist auf seinem weißen Bart gefroren, doch er friert nicht. Eine Superintelligenz kann nicht frieren.«

Zusammenfassung

Kurz: Perry Rhodan beschaut sich ein riesiges Weltraum-Artefakt und zieht die Menschheit in einen Konflikt mit technologisch weit fortgeschrittenen Aliens,
Etwas länger: aus dem er sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit durch Standfestigkeit, Direktheit, Ehrlichkeit, Mut, den Glauben an das Gute im Menschen oder allen Freunden der Menschen und noch vielem mehr, wieder herausholt.

Meine Meinung

Ich bin noch nicht bis zum Ende des Stardust-Zyklus vorgestoosen, werde das aber noch nachholen. Was sich aber für mich aus Band 2500 abgezeichnet hat ist die Art und Weise, wie die PR Autoren sich dem Thema nähern. Scheinbar immer zu einem kleinen Scherz aufgelegt. Zumindest ist das der Eindruck, den man von der Lektüre von „Projekt Saturn“ und den folgenden Heften gewinnen kann, nicht zwingend muss.
Die Sprache ist zumindest in Band 2500 ziemlich flapsig finde ich. Vielleicht kommt das aber auch nur durch den Sprecher, der wie ich finde seine Sache sehr gut macht, so rüber. Der Stil sowohl der Sprache als auch des Inhalts (man kennt in „Pistolen gebannte Sonnen„, aber nicht mehr als fünf (5) Dimensionen?) ist passend, aber nicht sehr konsistent finde ich. Wenn schon technologische Anpassungen an die heutige Zeit, dann bitte auch wissenschaftliche. Sonst erinner mich das immer an Flash Gordon und den Wunderkerzen-Antrieb.
Die Handlung ist natürlich eingebettet ins PR-Universum. Man lernt sogar – wenn nicht schon von früher bekannt – ES kennen. Überhaupt gefällt mir die Art und Weise, wie erzählt wird: Nicht zu knapp, nicht zu detailliert und langatmig. Eigentlich wie man es erwartet. Und das ist gut so, seit nunmehr über 50 Jahren. Muss also was dran sein.
Über den ganzen Startdust Zyklus kann ich noch nicht viel sagen, aber was ich bisher gehört und gesehen habe gefällt mir gut.

Fazit

Kaufen oder sich das gratis Hörbuch des Heftes 2500 bei Audible ziehen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 9/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust Zyklus
Pabel-Moewig Verlag / 2009 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Uranus – Deutschsprachige Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»»Ich weiß jetzt, wie man es machen muss, damit alle Menschen reich sind«, sagte Hiroshi. «

Zusammenfassung

Kurz: Die Idee eines armen japanischen Jungen könnte die Armut in der Welt beseitigen
Etwas länger: Beim Schaukeln kommt Hiroshi DIE Idee: Er weiss jetzt – mit rund zehn Jahren – wie man es anstellt, dass alle Menschen reich sind. Ihm ist klar, dass das Problem nicht beim Geld liegt, sondern bei der Arbeit die zu tun ist. Also will er allen Menschen die Möglichkeit geben, nur noch das zu tun, was sie wollen, anstatt das, was sie müssen. Er will sie vom „Zwang der Arbeit“ befreien.
Während der nächsten Jahre trifft man immer wieder auf Hiroshi und Charlotte, in die er sich schon als kleiner Junge verliebt. Jemand hat mal den Vergleich zu „Harry met Sally“ gezogen, der allerdings nur teilweise greift.

Meine Meinung

Was ich bisher über die Bücher von Andreas Eschbach geschrieben habe trifft auf „Herr aller Dinge“ erst recht zu: Es liesst sich fast von selbst etc. 😉
Was mir noch selten am Ende eines Buches überhaupt und am Ende eines Sci-Fi Romans speziell passiert ist war das Augenwasser, das ich nur mit Mühe zurückhalten konnte. Und ich kann nicht mal genau sagen warum. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, die ich hier aber alle nicht anführen kann. Ich werde bestimmt niemandem den Lesespass verderben.
Da ich das Hörbuch gehört und nicht das Hardcover gelesen habe gibt es noch etwas zum Sprecher zu sagen: Ich mag Sascha Rotermund. Er ist zwar nicht mein Favorit, aber es gibt trotzdem Bücher, die können bestimmte Leute nicht richtig rüberbringen. Er macht seine Sache gut und es wird einem nie langweilig beim Zuhören.
Die Figuren im Buch sind so plastisch und real beschrieben, dass ich einen der (oder den) Antihelden nach zwei Sätzen schon nicht ausstehen konnte, was sich bis zum Schluss trotz weniger „Menschlichkeitsanfälle“ nicht mehr änderte. Aber auch die Nebenfiguren, die keine wirklich wichtige Rolle spielen, dennoch nicht wegzudenken sind, sind glaubhaft und wirken nicht eindimensional oder Klischeehaft. Ich dachte bei allen: „Den könnte ich kennen, der ist doch wie …“
Die Sprache ist „angemessen“, soll heissen, dass sie zu den Personen und gegebenheiten passt. Die Hackfresse von reichem Schnösel der noch nie einen Finger krumm machen musste (ausser um den Golfschläger fest zu halten) klingt anders als Hiroshi, der im engen Tokio als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwächst.
Ich mag Bücher, die mich glauben oder zumindest ahnen lassen, dass das doch eigentlich möglich sein müsste/könnte/sollte. Zumindest wünscht man es sich bei diesem Buch, dass es so wäre. Und obwohl ich Happy-Ends fast schon zwingend voraussetze, liebe ich dieses Buch. Okay, es ist raus. Das Buch hat kein Happy-End wie es im Buche steht. Aber das hatte auch das letzte Buch, das ich von Andreas Eschbach gelesen/gehört hatte, nicht. Macht aber nichts, wenn das Ende jeweils SO stimmig ist, dass man sich anschliessend sagt: „Genau so, und nicht anders muss es enden. Alles andere hätte einfach nicht gepasst.“ Und so war es.
Nur eines noch: Es wird innerhalb des Romans schlüssig erklärt, warum alle SETI-Pakete-Rechner-und-Zurückschicker ihre CPU-Zeit sinnvoller verwenden können. 😉

Fazit

Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Kaufen!

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Keine Chance, geht nicht anders.

Herr aller Dinge
Bastei Lübbe (Lübbe Audio) / 2011 / 688 Seiten (23 Std. 46 Min.)
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-785-72429-3

[SFCh-Rezi] „Zeitschiffe“ von Stephen Baxter

Die Station:

Neptun – Mehrweltengeschichten.

Und so beginnt es:

»Am Freitagmorgen nach meiner Rückkehr aus der Zukunft erwachte ich lange nach Sonnenaufgang aus einem tiefen und traumlosen Schlaf.«

Zusammenfassung

Kurz: Fortsetzung der „Zeitmaschine“ von H.G. Wells.
Etwas länger: Der Zeitreisende auf seiner zweiten, dritten, … n-ten Reise durch die Zeit(en). Das Buch fängt da an, wo jenes von Wells aufhört. Der Zeitreisende macht sich wieder auf in die Zukunft um Weena vor ihrem Schicksal zu retten. Das misslingt ihm aber, weil er unterwegs merkt, dass er sich in einer anderen Zukunft befindet. Wie vom Blitz getroffen stoppt er die Reise vorzeitig und trifft wie beim ersten Mal auf Morlocks. Allerdings sind die anders.
Auf seinen Reisen trifft er auch auf frühere Ichs, kämpft gegen die zwangsläufigen Bösewichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Meine Meinung

Die Sprache wirkt manchmal etwas gekünstelt altbacken (es handelt sich zwar um die „Fortsetzung“ der Zeitmaschine, aber übertreiben braucht mans nicht), die Figuren – vor allem der Zeitreisende – scheinen etwas arg borniert zu sein (waren die Leute im auslaufenden 19. Jahrhundert so?) und die Handlung … Naja, es ist halt eine Zeitreise- und Mehrweltgeschichte. Das sind einfach zwei streitbare Themengebiete. Trotz all dem Spekulativen finde ich die Art und Weise, wie Stephen Baxter, bzw. der unbekannte Autor, dieses Dillema gelöst hat sehr schön.

Fazit

Wer denkt, er habe schon alles zum Thema Zeitreisen gelesen sollte sich „Zeitschiffe“ zu Gemüte führen. Durch den Einbezug von multiplen Historien lässt sich das grosse bisherige Paradoxon („Was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Grossvater töte?“) nicht nur lösen, es ist einfach nicht mehr existent. Aber spätestens wenns ans richtig Eingemachte geht merkt man, dass Zeitreisen halt eben doch nicht ohne „Probleme“ bewerkstelligt werden können.
Mein Fazit: Empfehlung zum Kauf und zum Lesen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 8/10 Punkte

Titelbild "Zeitschiffe" von Stephen Baxter

Zeitschiffe
Heyne / 2004 / 731 Seiten
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-453-21091-2

[SFCh-Rezi] „Diamond Age“ von Neal Stephenson

Die Station:

Saturn – Roboter und KI.

Und so beginnt es:

»Die Glocken von St. Markus auf dem Berg spielten ihr volles Programm, als Bud zum Mod‐Salon skatete, um seine Schädelkanone durch ein besseres Modell ersetzen zu lassen.«

Zusammenfassung

Kurz: Artifex John Percival Hackworth, ein Nanotech Ingenieur, entwickelt für die Enkelin eines Lords ein Buch, das eigentlich ein Computer und zusätzlich noch ein „Interface“ zu Schauspielern die dem Buch Interaktivität verleihen, ist ….
Etwas länger: … Dumm ist dabei nur, dass ihm die eine Kopie des Buches, die er sich schwarz für seine Tochter anfertigen lässt, gestohlen wird und den Weg in die Hände eines in Armut lebenden Mädchens namens Nell fällt. Das Buch lehrt sie lesen, Selbstverteidigung und noch vieles mehr.
Man erlebt die Entwicklung der kleinen Nell, die zu Beginn der eigentlichen Geschichte ca. vier Jahre alt ist mit und wird über anfangs verwirrende Sprünge in der Zeit nach vorne bis in ihr Erwachsenenalter geführt.
Mehrere Stränge laufen am Ende zusammen und ergänzen einander während des gesamten Buches immer mehr, bis es am Schluss zu einem schlüssigen und wenig bombastischen Ende kommt. Das ist aber nichts Schlechtes, im Gegenteil. Es passt, es stimmt.
Die Figuren kommen lebensecht rüber. Der Proll von der Strasse aus dem ersten Satz verhält sich so wie man es erwarten kann. Das kleine Mädchen, dass allmählich zur Frau heranwächst auch. Die Personen sind glaubhaft, nicht überzeichnet.
Was die Handlung angeht, so könnte man sicher an der einen oder anderen Stelle etwas kürzen. Aber wenn ich ehrlich bin hätte ich es sogar lieber gehabt, wenn an manchen Stellen etwas ausführlicher geschrieben worden wäre. Manche interessante Figur hätte man vielleicht noch feiner ausarbeiten können. Aber zweidimensionale Charaktere habe ich eigentlich keine entdecken können.

Meine Meinung

Wer z.B. „Hyperion“ von Dan Simmons liebt (und nur vergleichbare Sachen liesst), dem mag dieses Buch vielleicht nicht gefallen. Es ist eher „unspektakulär“, aber sehr kontinuierlich ansteigend was allgemeine Spannung und Entwirrung der verschiedenen Erzählstränge anbelangt.

Fazit

Ich war positiv überrascht. Mir hat es gefallen, dass wirklich eine Geschichte, ein Wandel, eine Reise erzählt wurde.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 8/10
Handlung: 9/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Diamond Age
Goldmann / 2001 / 576 Seiten
Neal Stephenson
ISBN: 978-3-442-45154-8

Selten hat mich ein Buch so …

… betroffen gemacht. Es ist „nur“ Sci-Fi. Und zuviel will ich auch noch nicht verraten, schliesslich will ich ja noch eine Rezi schreiben. Soviel sei aber gesagt: „Diamon Age“ von Neal Stephenson ist kein einfaches Sci-Fi Buch.
Zum ersten Mal seit ich einen Sci-Fi Roman lese erlebe ich ein ähnliches Gefühl wie eine der Figuren im Buch: Im muss wissen, ob eine andere Figur das Kapitel überlebt. Sie hat. Und danach musste ich erstmal tief durchatmen. Das Schicksal dieser einen Figur ging/geht mir an die Nieren. Aber Details gibts wenn ich das Buch durch habe. Das kann noch einen Moment dauern, irgendwie schaffe ich nie mehr als 30 – 40 Seiten am Stück.
Wenn sich das Buch weiterhin so hält, dann könnt ihr euch auf eine der positivieren Rezis in der SFCh auf raVenport freuen. 😉

Und WEHE es spoilert jemand, dem hetze ich Dojo und Dinosaurier im Doppelpack auf den Hals. (Insider) 😉

So, das wars für den Moment.

Unser Tag in der Buchhandlung

Jaaaaaaaaaaaaa, gestern hatten wir einen – zugegeben, nicht den ganzen – Tag in der Buchhandlung.

War schön. Ich habe es genossen mich wieder mal gut und fundiert beraten zu lassen. Und ja, ich habe auch was gekauft, denn beraten lassen und dann ab nach Hause um das Buch bei wem auch immer etwas günstiger zu kaufen finde ich frech.

Mit eines der herausragendsten Ereignisse war allerdings, dass ich den Grund für die schlechte Beurteilung von ntav zu „Limit“ von Frank Schätzing gefunden habe. Schaut euch mal die Bereichsüberschrift (oder wie auch immer das richtig heissen mag) im Regal an, in dem Limit (siehe roten Kasten) steht, etwas genauer an.

Limit ist ein KrimiLimit ist ein Krimi

Damit wäre das geklärt. Limit kann in der Sci-Fi Challenge gar keine gute Note bekommen, weil es gar keine Sci-Fi IST! 😉

Soviel dazu. Ansonsten war der Besuch in der Buchhandlung, in der übrigens ein Bekannter von mir arbeitet und mich fast nicht erkannt hätte, obwohl er sich seit dem letzten Zusammentreffen stärker verändert hat als ich – finde ich zumindest – eine durchweg angenehme Erfahrung, auch wenn er definitiv keine „Piazza“ ist, dafür gibt es zu wenig Kuchen und auch die Auswahl an Kaffeesorten ist zu gering. Aber wer will schon bei „Fox“ Bücher kaufen? 😉

[SFCh-Rezi] „Krieg der Klone“ von John Scalzi

Die Station:

Mars – Kriege und Gewalt.

Und so beginnt es:

»An meinem fünfundsiebzigsten Geburtstag tat ich zwei Dinge. Ich besuchte das Grab meiner Frau. Dann ging ich zur Armee.«

Zusammenfassung

Kurz: „Mit 75 Jahren, da fängt das Leben an“ oder so ähnlich könnte John Perry gesungen haben, als er sich freiwillig für die Koloniale Verteidigungsarmee gemeldet hatte.
Etwas länger: John Perry hat ausser dem gelegentlichen Besuch am Grab seiner Frau nicht mehr viel zu tun. Er ist 75 und es ist an der Zeit, sich einziehen zu lassen. Unterschrieben hat er bei der KVA schon vor 10 Jahren und wollte eigentlich gemeinsam mit seiner Frau den Dienst antreten. Nun macht er es eben alleine.
Noch bevor die Ausbildung beginnt lernt er auf dem Transport zu einer Raumstation ein paar Leute kennen. Sie freunden sich an und nennen sich die „Alten Scheisser“. Eine bunt zusammengewürfelte und erstaunliche lebensfrohe und lustige Truppe. Das erste Viertel des Buches liesst sich auch mehr wie eine Satire (was es stellenweise auch sicher ist) als ein Buch mit dem Thema „(Anti)Krieg“.
Nachdem alle auf ihre neue Aufgabe als Soldaten vorbereitet wurden gehts dann richtig zur Sache und es folgen diverse Schlachten und Kampfeinsätze. Leider – aber sowas lässt sich nunmal nicht vermeiden – bleiben die „Alten Scheisser“ nicht komplett. Dafür kommen neue Freunde hinzu. Es ist zum Ende hin also ausgewogen.

Meine Meinung

Kaufen und lesen! Ja, Ähnlichkeiten mit „Starship Troopers“ sind natürlich und bedingt durch Genre und Thema des Buches gegeben. Ich meine auch gelesen zu haben, dass Scalzi sich als Fan von Heinlein bezeichnet. Also. Wer nun an so etwas seine Kritik an „Krieg der Klone“ festmacht sollte nach „Romeo und Julia“ auch keine andere romantische Literatur mehr lesen. Er würde nur enttäuscht werden.
Was jedoch mich und scheinbar auch andere etwas irritiert hat war die Tatsache, dass eine Organisation wie die KVA, die technologisch sehr weit ist sich immernoch auf eine Riesenarmee aus Kanonenfutter stützt anstatt ausgefeilte Technik alleine in den Kampf zu schicken. Aber neben dem Genuss, den einem dieses Buch beschert, ist das ein locker zu vernachlässigender Kritikpunkt.
Ich weiss, ich lobe schon wieder ein Buch über den Klee, aber was soll ich machen, ich hatte bisher einfach „Glück“ mit meinen Büchern. Und ich hoffe sehr, dass sich daran nichts ändert.
Zur Sprache: Sie ist sehr flapsig und das Buch entsprechend locker zu lesen.
Die Figuren: Allesamt glaubhaft. Ich habe keine Zweidimensionalitäten gefunden.
Die Handlung: Man kann sich darüber streiten. Ich tue es nicht. Mir gefällts. Ein paar Klischees gibts halt, aber was solls.

Fazit

Ein sehr gelungenes Buch, das, obwohl es kritisch mit dem Thema Krieg umgeht nie den Eindruck eines erhobenen Zeigefingers erweckt. Ein Umstand, der mir persönlich sehr gefällt, denn Moral-Apostel mag ich nicht wenn ich Unterhaltung erwarte. Eine Message darf und soll nichts desto trotz da sein – was sie in vorliegendem Fall auch ist – aber ich will nicht „belehrt“ werden.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Geht nicht anders 😉

Krieg der Klone
Heyne / 2007 / 432 Seiten
John Scalzi
ISBN: 978-3-453-52267-1