[BdB-Rezi] 110 – Ein Bulle hört zu

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Diesmal ist es kein Roman, sondern eher sowas wie ein autobiographisches-Sach-und-Tagebuch. Genauer gesagt geht es dabei um „110 – Ein Bulle hört zu“ von Cid Jonas Gutenrath, welches mir der Ullstein Extra Verlag zur Verfügung gestellt hat. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

… ist in meinem Fall ein schwarzes Paperback auf dem von weitem sichtbar die Notrufnummer der Deutschen Polizei prangt. Und das Gesicht des Mannes, der diese ganzen Geschichten erlebt und zu Papier gebracht hat.

Und so beginnt es:

„Was immer Sie gleich lesen oder denken werden:
Ich trage das Vereinstrikot der schwarzen Bären
und werde es verteidigen und ehren.
Ich bin ein Polizist.

Zusammenfassung

Kurz: Ein Polizist nimmt bei 110 Anrufe entgegen und berichtet darüber.
Etwas länger: El Cid Jonas Gutenrath – wie er mit vollem Namen heisst – ist Polizist. Und er hört zu. Das macht er mit Seele. Und mit einem der Situation angepassten Mass an und einer gelungenen Mischung aus norddeutscher „Kühle“ und Berliner Schnauze.

Meine Meinung:

In diesem Buch ist wirklich alles vertreten und Herr Gutenrath hat nicht zuviel versprochen wenn er sagt, dass jeder etwas für sich mitnehmen kann. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass jeder etwas für sich mitnehmen sollte.
Da ist z.B. Felix, ein behinderter junger Mann der einfach nur mitteilen wollte, dass er für seine Mutter etwas gebastelt hat. Herr Gutenrath ist so erfrischend weit davon entfernt abgestumpft zu sein, dass er sich von Felix‘ Fröhlichkeit anstecken lässt, obwohl oder vielleicht grade weil er einen schlechten Tag hinter sich hat.
Bei anderer Gelegenheit erinnert er mich daran, wo ich am 11. September war und zeigt, zu welch widerwärtigem Verhalten manche Menschen fähig sind.
Er ist bei all dem Negativen das er täglich erlebt aber weit davon entfernt abgestumpft zu sein. Wie er den Rocker, der stink wütend anruft um sich auszukotzen wieder runterholt gehört eigentlich in jedes Lehrbuch über Konfliktbewältigung.
Am besten hat mir jedoch die Aussage gefallen, womit die “wirklich harten Kerle“ unterwegs sind. Wie, das wisst ihr nicht? Dann lest es nach.

Fazit:

Unbedingte Kaufempfehlung. Und das aus gutem Grund. Herr Gutenrath hinterlässt nicht nur einen starken Eindruck, sondern macht auch den Selbigen, dass er wirklich weiss wovon er spricht. Man nimmt es ihm ab. Und ich habe den Eindruck gewonnen, nicht gegen ihn pokern zu wollen. Nicht so sehr wegen seines vermutlichen Pokerfaces, sondern weil … ach ne, das behalte ich für mich. 😉
5 von 5 Sternen. Die Geschichten lassen wirklich niemand kalt. Jedenfalls niemanden mit einem Herz aus Fleisch und Blut. Ich habe gelacht, geweint, war nachdenklich und habe „Dinge“ in dem Buch gefunden, die es Wert sind sich näher damit auseinander zu setzen.
Ach, und wer mal ein Ohr voll nehmen und wissen möchte, was für eine Quasselstrippe dieser Herr tatsächlich ist, hier gibt’s ein Interview

Titelbild "110 - Ein Bulle hört zu"

110 – Ein Bulle hört zu
Ullstein Extra Verlag / 2012 / 400 Seiten
Cid Jonas Gutenrath
ISBN: 978-3-864-93001-0

[SFCh-Rezi] „Spektrum“ von Sergej Lukianenko

Die Station:

Merkur – „Junge“ Sci-Fi

Und so beginnt es:

»Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren.
Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Privatdedektiv sucht nach einem verschollenen Mädchen und stösst dabei auf deren sieben.
Etwas länger: Martin Dugin hat sich auf das Auffinden von vermissten Personen spezialisiert. „Vermisst“ bedeutet hierbei, dass ihnen keine Geschichte einfällt, die den „Schliessern“ gefällt.

Meine Meinung

Die Idee Geschichten als Bezahlung für die Passage durch Tore, die interstellare Reisen ermöglichen ist vielleicht nicht total originell. Ähnliches mag es schon gegeben haben. Dass aber Martin Dugin, ein „Läufer“ (einer der wie mühelos Geschichten aus dem Ärmel schüttel die den Schliessern gefallen), auf der Suche nach einem Mädchen gleich deren sieben findet und zum Schluss vor eine ungeheuer schwere Entscheidung gestellt wird, weil er neben all den sieben Versionen des einen Mädchens, eine Art „Stein der Weisen“ im Quadrat, findet.
Viel Sci-Fi, keine Raumschiffe und -schlachten, interessante Aliens, manchmal provokante Anspielungen, all das und noch mehr bekommt man in diesem Buch, das ich mir wie einige andere meiner Challenge-Bücher als Hörbuch reingezogen habe.
Die Geschichte ist spannend und nicht vorhersehbar. Die Figuren sind plastisch und haben zu Beginn der Geschichte mehr als genug Potential, das während der Geschichte gut, aber nicht vollständig, ausgeschöpft wird. Und die Sprache wirkt, wie soll ich sagen, zu Beginn etwas gestelzt. Das legt sich aber mit der Zeit, und da es bei dem Buch ja auch um Geschichten geht, verträgt es einen etwas ungewöhnlichen Umgang mit der Sprache sehr gut.
Zum Buch kann ich soviel nicht sagen, aber ich mag David Nathan als Sprecher.

Fazit

Kauf- und Hörempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Spektrum
Heyne / 2007 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Das Kantaki Universum – Diamant“ von Andreas Brandhorst

Die Station:

Venus – Soft Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Sol-System
17. September 2075
Mutter Rrirk stakte in den Pilotendom, den Raum, der das Zentrum der
hyperdimensionalen Struktur ihres Schiffes bildete. Flüsternde und
raunende Stimmen begleiteten sie, kamen sowohl von den vielen
Segmenten des Schiffes, durch die Bindungskräfte existenzieller
Harmonie zusammengehalten, als auch aus dem Transraum und seinen
zahllosen Fäden, die sich zwischen allem Existierendem spannten.«

Zusammenfassung

Kurz: Das Schicksal zweier Menschen hängt zusammen und von ihm hängt das Schicksal des Universums ab.
Etwas länger: Lidia DiKastro will Xeno-Archäologie studieren und Rungard Avar Valdorian, der Magnatensohn und künftiger Führer einer der beiden grossen Wirtschaftsmächte im von Menschen besiedelten Raum verliebt sich in sie.

Meine Meinung

Zuerst könnte man tatsächlich meinen, es gehe um die Beziehung dieser beiden enorm gegensätzlichen Menschen. Denn Lidia entdeckt, dass sie über „die Gabe“ verfügt. Sie lässt sich zur Kantaki-Pilotin ausbilden und so trennen sich die Wege der zwei Liebenden. Allerdings sind ihre Schicksale derart miteinander verknüpft, wie es noch nicht mal der nichts dem Zufall überlassende Valdorian ahnt. Er denkt, er zieht sämtliche Fäden. Er ist aber auch sonst ziemlich egozentrisch.
Ganz anders Lidia. Sie ist eine Träumerin. Sie möchte das Universum sehen. All die Wunder die es birgt. Deswegen wird sie Kantaki-Pilotin, weil die Kantaki, eines der ganz alten Völker, gewissermassen „ausserhalb“ der Zeit leben.
Glücklicherweise verzichtet Andreas Brandhorst darauf, sich zu sehr in technischen Details zu verlieren. Er beschreibt die Geschichte, den Wandel den zwei Personen durchleben. Wobei sich beide nicht wirklich „ändern“, ihre charakterlichen Grundzüge treten aber während dieses ersten von drei Bändern immer deutlicher hervor. Immerhin umfasst das Buch einen Zeitraum von etwa 120 Jahren.
Die Figuren sind zu beginn ganz normal, fast ein wenig langweilig. Sie werden jedoch wie gesagt im Laufe der Geschichte immer plastischer und glaubhafter.
Was mich am Stil etwas gestört hat war, dass Herr Brandohrst stark zu Wiederholungen zu neigen scheint. Er wiederholt sich, zwar nicht oft, aber einige Themen, Begriffe, Situationen werden von ihm immer mal wieder wiederholt. 😉
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern das Hörbuch gehört. Zu Beginn hatte ich Mühe mit Ernst Meincke, dem Sprecher, fand ihn langweilig. Aber das Buch oder die Geschichte, die Personen sind das zu Beginn auch. Mit Fortschreiten der Geschichte verschwindet auch dieser Eindruck.

Fazit

Ich bin grade dabei, „Metamorph“, den zweiten Band der Kantaki-Trilogie zu hören und werde mir auch den drittel Teil noch bei Audible besorgen. Zu Deutsch: Kaufempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 8/10
Figuren: 9/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Das Kantaki Universum – Diamant
Heyne / 2006 / 589 Seiten – Audible / 2008 / 11h 20m
Andreas Brandhorst
ISBN: 978-3-453-87901-0

[SFCh-Rezi] „Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust-Zyklus)“ von Frank Borsch

Die Station:

Jupiter – Space Operas

Und so beginnt es:

»Sterne glitzern, malen unbekannte Bilder in den Himmel einer fremden Welt.
Der alte Mann sitzt auf einem Felsen. Tau ist auf seinem weißen Bart gefroren, doch er friert nicht. Eine Superintelligenz kann nicht frieren.«

Zusammenfassung

Kurz: Perry Rhodan beschaut sich ein riesiges Weltraum-Artefakt und zieht die Menschheit in einen Konflikt mit technologisch weit fortgeschrittenen Aliens,
Etwas länger: aus dem er sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit durch Standfestigkeit, Direktheit, Ehrlichkeit, Mut, den Glauben an das Gute im Menschen oder allen Freunden der Menschen und noch vielem mehr, wieder herausholt.

Meine Meinung

Ich bin noch nicht bis zum Ende des Stardust-Zyklus vorgestoosen, werde das aber noch nachholen. Was sich aber für mich aus Band 2500 abgezeichnet hat ist die Art und Weise, wie die PR Autoren sich dem Thema nähern. Scheinbar immer zu einem kleinen Scherz aufgelegt. Zumindest ist das der Eindruck, den man von der Lektüre von „Projekt Saturn“ und den folgenden Heften gewinnen kann, nicht zwingend muss.
Die Sprache ist zumindest in Band 2500 ziemlich flapsig finde ich. Vielleicht kommt das aber auch nur durch den Sprecher, der wie ich finde seine Sache sehr gut macht, so rüber. Der Stil sowohl der Sprache als auch des Inhalts (man kennt in „Pistolen gebannte Sonnen„, aber nicht mehr als fünf (5) Dimensionen?) ist passend, aber nicht sehr konsistent finde ich. Wenn schon technologische Anpassungen an die heutige Zeit, dann bitte auch wissenschaftliche. Sonst erinner mich das immer an Flash Gordon und den Wunderkerzen-Antrieb.
Die Handlung ist natürlich eingebettet ins PR-Universum. Man lernt sogar – wenn nicht schon von früher bekannt – ES kennen. Überhaupt gefällt mir die Art und Weise, wie erzählt wird: Nicht zu knapp, nicht zu detailliert und langatmig. Eigentlich wie man es erwartet. Und das ist gut so, seit nunmehr über 50 Jahren. Muss also was dran sein.
Über den ganzen Startdust Zyklus kann ich noch nicht viel sagen, aber was ich bisher gehört und gesehen habe gefällt mir gut.

Fazit

Kaufen oder sich das gratis Hörbuch des Heftes 2500 bei Audible ziehen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 9/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust Zyklus
Pabel-Moewig Verlag / 2009 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[BdB-Rezi] Ausgefressen

Ich bin durch „Zufall“ (ein Synonym für „ich weiss nicht mehr wie“) auf die Seite Blogg dein Buch gestossen. Da kann man sich für Rezensionsexemplare von Büchern bewerben und wenn dem Verlag, der die Bücher zur Verfügung stellt der eigene Blog, der ein paar wenige Bedingungen erfüllen muss, zusagt, dann, ja dann ist man bald glücklicher Besitzer seines Wunschbuches. Man muss es bloss innerhalb von 30 Tagen lesen und anschliessend eine Rezension im eigenen Blog darüber verfassen.

In meinem Fall – es war mein erstes Mal – handelte es sich um „Ausgefressen“ von Moritz Matthies, welches ich freundlicherweise vom Scherz Verlag (Fischer) zur Verfügung gestellt bekommen habe. Meinen Dank an dieser Stelle.
Zu Kaufen gibt es dieses Buch unter anderem bei Amazon

Bewerbungsgrund:
Ich lese gerne. Und ich „gewinne“ gerne bei Verlosungen etc. Und ich schreibe gerne. Es liegt also auf der Hand, dass ich früher oder später bei BdB landen musste. Mit Erdmännchen kann/konnte ich nicht wirklich viel anfangen. Mein Vater jedoch liebt sie und benutzt seine Enkelin lediglich als Vorwand, um im Zoo diese kleinen Kerlchen zu beobachten. Jedenfalls ist das meine Vermutung.

Das Buch

… ist ein ungewöhnlich gestaltetes Paperback. In den Einbandseiten findet man einerseits den Stammbaum, andererseits den Plan des Zoos. Ich war noch nie im Berliner Zoo, stelle mir das Original aber etwas grösser vor. 😉

Und so beginnt es:

„Es ist Liebe“, sage ich.
„Elsa?“ Rufus bekommt Schnappatmung. „Biologisch gesehen ist das sexuell hybrid.“
„Rufus. Kannst du nicht reden wie alle anderen Erdmännchen?“
„Gut. Du bist pervers!“

Zusammenfassung

Kurz: Erdmännchen(clan) und Privatdedektiv mit mehr Scotch als Blut in den Adern lösen Vermissten-Fall
Etwas länger: Ray ist seine Welt zu eng, und das vor allem im übertragenen Sinne. Ray ist nämlich ein Erdmännchen, oder wie er es lieber nennt: Ein Erdmann. Vor allem wenn ihn sein belesener Bruder Rufus (was man aus weggeworfenen Zeitungen so alles lernt) auf Rays nicht ganz so heimlich Angebetete Chinchilla Dame Elsa anspricht. Und dann gibt’s noch Rocky und Roxy, beide nicht sehr schlau und Rocky ist ein bisschen grob, hat aber das Herz am richtigen Fleck und mehr Mut als für einen ganzen Erdmännchen-Clan gut wäre. Die vier ‚R‘ stammen alle aus dem selben Wurf. Neben diesen vier Charakteren gibt es natürlich noch weitere im Clan. Besonders tut sich der grabwütige und traubenzuckersüchtige vierte Wurf hervor. Nämlich durch besondere Grab-Wut und, genau, seine kollektive Traubenzuckersucht.

Und dann gibt es noch Phil, den Privatdedektiv, der durch Zufall entdeckt, dass er Erdmännisch versteht. Allerdings erst ab einem bestimmten Scotch-Pegel.

Und dann sind da noch die beiden Schüsse in der Nacht, die die ganze Handlung in’s Rollen bringen.

Und natürlich kommen auch die anderen Tiere im Zoo nicht zu kurz. Mit am besten haben mir die Mafia-Affen gefallen. Ich kann mir den Silberrücken-Paten wunderbar mit Brandos Stimme vorstellen 😉 Nashörner finde ich seit dem Buch allerdings nur noch blöd und für den einen oder anderen Witz gut.

Meine Meinung:

Ein locker-flockig geschriebenes Buch, das man einfach mal so wegliesst. Eigentlich hatte ich es schon vor Tagen durch, kam nur nicht zum Rezi Schreiben 😉 Echt, das Buch ist perfekt für zwischendurch, im Zug, in der Mittagspause usw. Vorausgesetzt, man schert sich nicht darum, was die anderen von einem denken wenn man dauernd schmunzelt oder gar loslachen muss.
Die Sprache ist mancherorts vielleicht etwas „knackig“, aber wer, ausser der Person die nicht Moritz Matthies ist, weiss denn schon so genau, wie Erdmännchen ticken? 😉

Fazit:

Für alle die gerne zwischendurch mal etwas Leichtes, und dennoch nicht einfach nur Seichtes haben wollen, die gerne lachen und für die Bücher nicht nur über die schwierigen und gewichtigen Themen zu handeln haben: Unbedingte Kaufempfehlung.
4,5 von 5 Sternen. Die Geschichte etwas anspruchsvoller und es hätte für fünf Sterne gereicht.

Ausgefressen
Scherz Verlag (Fischer) / 2012 / 272 Seiten
Moritz Matthies
ISBN: 978-3-651-00026-1

[SFCh-Rezi] „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Uranus – Deutschsprachige Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»»Ich weiß jetzt, wie man es machen muss, damit alle Menschen reich sind«, sagte Hiroshi. «

Zusammenfassung

Kurz: Die Idee eines armen japanischen Jungen könnte die Armut in der Welt beseitigen
Etwas länger: Beim Schaukeln kommt Hiroshi DIE Idee: Er weiss jetzt – mit rund zehn Jahren – wie man es anstellt, dass alle Menschen reich sind. Ihm ist klar, dass das Problem nicht beim Geld liegt, sondern bei der Arbeit die zu tun ist. Also will er allen Menschen die Möglichkeit geben, nur noch das zu tun, was sie wollen, anstatt das, was sie müssen. Er will sie vom „Zwang der Arbeit“ befreien.
Während der nächsten Jahre trifft man immer wieder auf Hiroshi und Charlotte, in die er sich schon als kleiner Junge verliebt. Jemand hat mal den Vergleich zu „Harry met Sally“ gezogen, der allerdings nur teilweise greift.

Meine Meinung

Was ich bisher über die Bücher von Andreas Eschbach geschrieben habe trifft auf „Herr aller Dinge“ erst recht zu: Es liesst sich fast von selbst etc. 😉
Was mir noch selten am Ende eines Buches überhaupt und am Ende eines Sci-Fi Romans speziell passiert ist war das Augenwasser, das ich nur mit Mühe zurückhalten konnte. Und ich kann nicht mal genau sagen warum. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, die ich hier aber alle nicht anführen kann. Ich werde bestimmt niemandem den Lesespass verderben.
Da ich das Hörbuch gehört und nicht das Hardcover gelesen habe gibt es noch etwas zum Sprecher zu sagen: Ich mag Sascha Rotermund. Er ist zwar nicht mein Favorit, aber es gibt trotzdem Bücher, die können bestimmte Leute nicht richtig rüberbringen. Er macht seine Sache gut und es wird einem nie langweilig beim Zuhören.
Die Figuren im Buch sind so plastisch und real beschrieben, dass ich einen der (oder den) Antihelden nach zwei Sätzen schon nicht ausstehen konnte, was sich bis zum Schluss trotz weniger „Menschlichkeitsanfälle“ nicht mehr änderte. Aber auch die Nebenfiguren, die keine wirklich wichtige Rolle spielen, dennoch nicht wegzudenken sind, sind glaubhaft und wirken nicht eindimensional oder Klischeehaft. Ich dachte bei allen: „Den könnte ich kennen, der ist doch wie …“
Die Sprache ist „angemessen“, soll heissen, dass sie zu den Personen und gegebenheiten passt. Die Hackfresse von reichem Schnösel der noch nie einen Finger krumm machen musste (ausser um den Golfschläger fest zu halten) klingt anders als Hiroshi, der im engen Tokio als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwächst.
Ich mag Bücher, die mich glauben oder zumindest ahnen lassen, dass das doch eigentlich möglich sein müsste/könnte/sollte. Zumindest wünscht man es sich bei diesem Buch, dass es so wäre. Und obwohl ich Happy-Ends fast schon zwingend voraussetze, liebe ich dieses Buch. Okay, es ist raus. Das Buch hat kein Happy-End wie es im Buche steht. Aber das hatte auch das letzte Buch, das ich von Andreas Eschbach gelesen/gehört hatte, nicht. Macht aber nichts, wenn das Ende jeweils SO stimmig ist, dass man sich anschliessend sagt: „Genau so, und nicht anders muss es enden. Alles andere hätte einfach nicht gepasst.“ Und so war es.
Nur eines noch: Es wird innerhalb des Romans schlüssig erklärt, warum alle SETI-Pakete-Rechner-und-Zurückschicker ihre CPU-Zeit sinnvoller verwenden können. 😉

Fazit

Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Kaufen!

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Keine Chance, geht nicht anders.

Herr aller Dinge
Bastei Lübbe (Lübbe Audio) / 2011 / 688 Seiten (23 Std. 46 Min.)
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-785-72429-3

[Rezi] „Bessere! Romane! Schreiben!“ von Stephan Waldscheidt

Zusammenfassung

Kurz: Ein Schreibratgeber, der dieser Bezeichnung gerecht wird.
Etwas länger: Es handelt sich bei „Bessere! Romane! Schreiben!“ nicht um ein Lehrbuch. Die einzelnen Kapitel können vielmehr jedes für sich gelesen werden. Man kann sich somit herauspicken, was man grade braucht. Trotzdem hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass sowas wie ein roter Faden erkennbar ist. Dieser bindet einen jedoch nicht, er geleitet höchstens.

Meine Meinung

Der Ton ist von Beginn an witzig, ironisch, selbstironisch. Ich erhielt den Eindruck, dass Herr Waldscheidt das Thema des Buches sehr, sich selbst aber erfrischend wenig ernst nimmt. Das stimmt nicht, er nimmt sich schon ernst, aber nicht zu wichtig.
Es macht Spass das Buch zu lesen, sogar ohne den Anspruch unbedingt etwas lernen zu wollen.
Da mir, wie ich in letzter Zeit festgestellt habe, grade für Texte mit hoher Informationsdichte (Lehrbuch / Sachbuch etc.) Papier den Stoff leichter „vermitteln“ kann als es Bits und Bytes können, ist das E-Book für mich nicht ideal. Das tut dem Inhalt allerdings nicht den geringsten Abbruch. Die Entscheidung von Herrn Waldscheidt, diesen Stoff möglichst einfach möglichst vielen Lesern zugänglich zu machen ist sehr zu begrüssen. Ich hoffe sehr etwas davon in künftigen Romanen wieder zu erkennen.

Fazit

Für alle, die etwas über das Schreiben von Romanen (dazu-)lernen wollen ist dieses Büchlein (ca. 160 Seiten düften es etwa sein) sehr zu empfehlen. Manches habe ich als absoluter Neuling auf diesem Gebiet zwar schon gewusst oder zumindest davon gehört, aber vieles aus einem neuen Blickwinkel und nie Oberlehrerhaft. Die Tipps waren allesamt nachvollziehbar und haben mich in meinem aktuellen Projekt bereits weitergebracht. Allerdings hat die Lektüre von „Bessere! Romane! Schreiben!“ auch Fragen aufgeworfen. Was ja auch nicht schlecht ist, oder?
Empfehlung: Kaufen und Lesen. Die nicht mal € 3.- die dieses E-Book kostet sind eine lohnende Investition, und sei es nur wegen des Unterhaltungswerts. 😉

Titelbild "Bessere! Romane! Schreiben!" von Stephan Waldscheidt

Bessere! Romane! Schreiben!
Amazon (Kindle Edidtion) / 2011 / 279 KB (ca. 160 Seiten)
Stephan Waldscheidt

[SFCh-Rezi] „Diamond Age“ von Neal Stephenson

Die Station:

Saturn – Roboter und KI.

Und so beginnt es:

»Die Glocken von St. Markus auf dem Berg spielten ihr volles Programm, als Bud zum Mod‐Salon skatete, um seine Schädelkanone durch ein besseres Modell ersetzen zu lassen.«

Zusammenfassung

Kurz: Artifex John Percival Hackworth, ein Nanotech Ingenieur, entwickelt für die Enkelin eines Lords ein Buch, das eigentlich ein Computer und zusätzlich noch ein „Interface“ zu Schauspielern die dem Buch Interaktivität verleihen, ist ….
Etwas länger: … Dumm ist dabei nur, dass ihm die eine Kopie des Buches, die er sich schwarz für seine Tochter anfertigen lässt, gestohlen wird und den Weg in die Hände eines in Armut lebenden Mädchens namens Nell fällt. Das Buch lehrt sie lesen, Selbstverteidigung und noch vieles mehr.
Man erlebt die Entwicklung der kleinen Nell, die zu Beginn der eigentlichen Geschichte ca. vier Jahre alt ist mit und wird über anfangs verwirrende Sprünge in der Zeit nach vorne bis in ihr Erwachsenenalter geführt.
Mehrere Stränge laufen am Ende zusammen und ergänzen einander während des gesamten Buches immer mehr, bis es am Schluss zu einem schlüssigen und wenig bombastischen Ende kommt. Das ist aber nichts Schlechtes, im Gegenteil. Es passt, es stimmt.
Die Figuren kommen lebensecht rüber. Der Proll von der Strasse aus dem ersten Satz verhält sich so wie man es erwarten kann. Das kleine Mädchen, dass allmählich zur Frau heranwächst auch. Die Personen sind glaubhaft, nicht überzeichnet.
Was die Handlung angeht, so könnte man sicher an der einen oder anderen Stelle etwas kürzen. Aber wenn ich ehrlich bin hätte ich es sogar lieber gehabt, wenn an manchen Stellen etwas ausführlicher geschrieben worden wäre. Manche interessante Figur hätte man vielleicht noch feiner ausarbeiten können. Aber zweidimensionale Charaktere habe ich eigentlich keine entdecken können.

Meine Meinung

Wer z.B. „Hyperion“ von Dan Simmons liebt (und nur vergleichbare Sachen liesst), dem mag dieses Buch vielleicht nicht gefallen. Es ist eher „unspektakulär“, aber sehr kontinuierlich ansteigend was allgemeine Spannung und Entwirrung der verschiedenen Erzählstränge anbelangt.

Fazit

Ich war positiv überrascht. Mir hat es gefallen, dass wirklich eine Geschichte, ein Wandel, eine Reise erzählt wurde.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 8/10
Handlung: 9/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Diamond Age
Goldmann / 2001 / 576 Seiten
Neal Stephenson
ISBN: 978-3-442-45154-8

[SFCh-Rezi] „Krieg der Klone“ von John Scalzi

Die Station:

Mars – Kriege und Gewalt.

Und so beginnt es:

»An meinem fünfundsiebzigsten Geburtstag tat ich zwei Dinge. Ich besuchte das Grab meiner Frau. Dann ging ich zur Armee.«

Zusammenfassung

Kurz: „Mit 75 Jahren, da fängt das Leben an“ oder so ähnlich könnte John Perry gesungen haben, als er sich freiwillig für die Koloniale Verteidigungsarmee gemeldet hatte.
Etwas länger: John Perry hat ausser dem gelegentlichen Besuch am Grab seiner Frau nicht mehr viel zu tun. Er ist 75 und es ist an der Zeit, sich einziehen zu lassen. Unterschrieben hat er bei der KVA schon vor 10 Jahren und wollte eigentlich gemeinsam mit seiner Frau den Dienst antreten. Nun macht er es eben alleine.
Noch bevor die Ausbildung beginnt lernt er auf dem Transport zu einer Raumstation ein paar Leute kennen. Sie freunden sich an und nennen sich die „Alten Scheisser“. Eine bunt zusammengewürfelte und erstaunliche lebensfrohe und lustige Truppe. Das erste Viertel des Buches liesst sich auch mehr wie eine Satire (was es stellenweise auch sicher ist) als ein Buch mit dem Thema „(Anti)Krieg“.
Nachdem alle auf ihre neue Aufgabe als Soldaten vorbereitet wurden gehts dann richtig zur Sache und es folgen diverse Schlachten und Kampfeinsätze. Leider – aber sowas lässt sich nunmal nicht vermeiden – bleiben die „Alten Scheisser“ nicht komplett. Dafür kommen neue Freunde hinzu. Es ist zum Ende hin also ausgewogen.

Meine Meinung

Kaufen und lesen! Ja, Ähnlichkeiten mit „Starship Troopers“ sind natürlich und bedingt durch Genre und Thema des Buches gegeben. Ich meine auch gelesen zu haben, dass Scalzi sich als Fan von Heinlein bezeichnet. Also. Wer nun an so etwas seine Kritik an „Krieg der Klone“ festmacht sollte nach „Romeo und Julia“ auch keine andere romantische Literatur mehr lesen. Er würde nur enttäuscht werden.
Was jedoch mich und scheinbar auch andere etwas irritiert hat war die Tatsache, dass eine Organisation wie die KVA, die technologisch sehr weit ist sich immernoch auf eine Riesenarmee aus Kanonenfutter stützt anstatt ausgefeilte Technik alleine in den Kampf zu schicken. Aber neben dem Genuss, den einem dieses Buch beschert, ist das ein locker zu vernachlässigender Kritikpunkt.
Ich weiss, ich lobe schon wieder ein Buch über den Klee, aber was soll ich machen, ich hatte bisher einfach „Glück“ mit meinen Büchern. Und ich hoffe sehr, dass sich daran nichts ändert.
Zur Sprache: Sie ist sehr flapsig und das Buch entsprechend locker zu lesen.
Die Figuren: Allesamt glaubhaft. Ich habe keine Zweidimensionalitäten gefunden.
Die Handlung: Man kann sich darüber streiten. Ich tue es nicht. Mir gefällts. Ein paar Klischees gibts halt, aber was solls.

Fazit

Ein sehr gelungenes Buch, das, obwohl es kritisch mit dem Thema Krieg umgeht nie den Eindruck eines erhobenen Zeigefingers erweckt. Ein Umstand, der mir persönlich sehr gefällt, denn Moral-Apostel mag ich nicht wenn ich Unterhaltung erwarte. Eine Message darf und soll nichts desto trotz da sein – was sie in vorliegendem Fall auch ist – aber ich will nicht „belehrt“ werden.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Geht nicht anders 😉

Krieg der Klone
Heyne / 2007 / 432 Seiten
John Scalzi
ISBN: 978-3-453-52267-1

[SFCh-Rezi] „Der letzte seiner Art“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Erde – Erdzentrierte Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Am Samstagmorgen erwachte ich blind und halbseitig gelähmt. Ich bin schon oft blind gewesen und auch schon oft halbseitig gelähmt, aber in letzter Zeit bin ich öfter beides gleichzeitig, und das fängt allmählich an, mir Sorgen zu machen.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein frühpensionierter Cyborg-Super-Marine lebt in einer kleinen irischen Stadt zurückgezogen und friedlich, bis eines Tages jemand nach ihm sucht. Jemand, der nichts von ihm wissen dürfte …
Etwas länger: Duane Fitzgerald hat sich als junger Marine freiwillig für ein hochgeheimes militärisches Experiment gemeldet. Einen Supersoldaten wollten sie aus ihm und noch einigen anderen machen. Was ihnen auch gelang. Duanes Sinne lassen jeden Spürhund vor Neid erblassen, seine Reflexe lassen die Bewegungen einer Raubkatze wie die eines betrunkenen Nilpferds aussehen und bei einem Ringkampf mit ihm würde jeder Grizzly den Kürzeren ziehen. Die Sache hat nur einen Haken: Seine ganzen Superkräfte basieren auf geheimer und höchst experimenteller Technik und er selber wird auch nicht jünger. So hat der „Super-Stahl-Mann“ nicht nur mit den ganz gewöhnlichen Tücken des Alltags zu kämpfen, sondern auch damit, dass er keine gewöhnliche Nahrung mehr zu sich nehmen kann, jedenfalls nicht, wenn er sie bei sich behalten will.
Eines Tages fängt ein Fremder an im Ort Fragen nach ihm zu stellen und ihn zu suchen. Zuerst versucht Duane den Fremden zu meiden, was ihm dank seiner Sinne und Fähigkeiten auch gelingt. Aber dann laufen sich die beiden doch über den Weg, was für den Fremden letztlich den Tod bedeutet.

Meine Meinung

Die Bücher von Andreas Eschbach die ich bisher gelesen habe lasen sich alle fast von selbst. Sie sind so geschrieben, wie ich ein Buch auch schreiben wollte: Ohne Füllmaterial. Und es gibt keinen Deus ex machina, das Ende ist schlüssig und wenn man es genau nimmt das einzig wirklich stimmige und überhaupt mögliche Ende, falls man bei einem Sci-Fi Roman von „möglich“ als Kriterium sprechen kann, handelt es sich hierbei doch nicht um „Hard-SF“.
Man wird zu Beginn der Geschichte gleich mitten in den Alltag von Duane geworfen und gewinnt dadurch möglicherweise den Eindruck, dass dem Buch was abginge, wird doch gleich offen dargelegt, dass Duane Fitzgerald ein Cyborg ist. Da der Weg, wie der Leser in die Geschichte mit hineingenommen wird aber ein wenig offensichtlicher ist macht es auch nichts, einige Details schon vorher zu kennen. Einzig an einer Stelle war ich ein kleines bisschen „enttäuscht“, weil ich sofort gewusst habe, was diese Situation zu bedeuten hat. Von diesem kleinen Mangel abgesehen – Ja, ich finde es nunmal schade wenn ich vorher weiss, was passieren wird – ist es ein sehr leicht und flüssig zu lesendes Buch mit einer guten Geschichte und plastischen Charakteren. So weiss ich genau wie der Bruder der Frau, die Duane, seit er in Irland lebt, aus der Ferne anhimmelt, aussieht. Oder ich sehe den Gesichtsausdruck einer der Feinde von Duane im Moment, in dem er realsiert, mit wem er es hier zu tun hat.

Fazit

Falls es noch nicht rausgekommen ist hier im Klartext: Kaufen und lesen! Das Buch hat etwas mehr als 350 Seiten und liesst sich weg wie nichts.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 10/10
Handlung: 8/10 Wegen dieser einen Sache da …
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Der letzte seiner Art
Bastei Lübbe / 2005 / 352 Seiten
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-404-15305-3