[Rezi] „Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils – Was sagt die Schrift?“ von Martin Schweikert

Diesmal wurde mir das Buch vom Christlichen Mediendienst kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Der Autor

Den Autor dieses Buches kenne ich als besonnenen, analytisch denkenden Menschen mit geisteswissenschaftlicher Prägung. Seine immerwährende Betonung, bei der Auslegung der Bibel zuallererst ausschliesslich den Text wie er dasteht zu verwenden und sich weder auf Meinungen noch auf Erfahrung zu stützen setzt er unter anderem in diesem Buch in guter, wenn auch manchmal schwierig nachzuvollziehender Weise, um.

Das Buch

Es war ein E-Book im epub-Format. So konnte ich es auf dem Reader meines Vertrauens lesen und war nicht künstlich beschränkt oder gegängelt.

Und so beginnt es:

Paulus sagt voraus:
Denn ich weiß dieses, daß nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wachet und gedenket, daß ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen. — Apostelgeschichte 20,29-31
Er spricht hier von Angriffen, die von außen nach innen erfolgen (die „verderblichen Wölfe“, die „hereinkommen“ werden), aber auch von Angriffen von innen (die Männer, die „aus euch selbst“ aufstehen werden).
Es ist also zuverlässig mit der Gefahr zu rechnen, dass in den Gemeinden durch Gemeindeglieder falsche Lehren verbreitet werden (sie werden „verkehrte Dinge reden“). Das Charakteristische ist, dass diese Menschen andere „hinter sich her“ abziehen werden – da sie ihre falschen Lehren aus dem Wort Gottes nicht belegen können, sind die Menschen die ihnen folgen, darauf angewiesen, dass sie ihnen sagen, was richtig und was falsch ist – sie legen Dinge fest, die aus dem Wort Gottes nicht zu belegen sind.
Die verderblichsten aller falschen Lehren sind die, die das Heil betreffen. Darum ist auch die Aufforderung, wachsam zu sein, sehr ernst zu nehmen – es steht zu viel auf dem Spiel.
Der Begriff „Heil“ umfasst im Neuen Testament mehr als „Erlösung vor dem ewigen Tod“; die Diskussion in dieser Untersuchung bleibt aber auf diesen Aspekt beschränkt. „Heil“ hat denselben Sinn wie in Ausdrücken wie „Heilssicherheit“ und „Heilsgewissheit“. Gegenstand der Untersuchung ist jedoch nur die Heilssicherheit. Heilsgewissheit ist etwas Subjektives – Wer das Heil hat, kann sich dessen subjektiv bewusst sein oder auch nicht; andererseits kann jemand, der das Heil nicht hat, subjektiv empfinden er hätte es. Bei der Heilssicherheit geht es dagegen objektiv darum, ob das Heil sicher ist (unverlierbar) oder nicht (verlierbar).

Zusammenfassung

Kurz: Eine sachliche, und erschöpfend gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
Etwas länger:Der Autor geht in gründlicher Art auf die bekannteren und auch diverse nicht so bekannte Aussagen, die eine Verlierbarkeit des Heils vermuten lassen könnten, ein und analysiert sie im Licht des Kontextes der Stellen, die als Beleg für die Verlierbarkeit angeführt werden. Der wichtigste Auslegungsgrundsatz der Bibel, dass sie sich nämlich nicht selbst widerspricht, wird gegen jeden dieser Angriffe ins Feld geführt.

Da dies ein reines Sachbuch ist werde ich mich im weiteren auf Kritik- und Positiv-Punkte und ein kurzes Fazit beschränken. Erläuterungen über Sprache, Stil und „Figuren“ sind hier unpassend.

Kritik

Der Autor hat vertiefte Kenntnisse alter Sprachen und deren Grammatik- und Regelsystemen. Das merkt man. Als einer, der es damit nicht so hat mag es bisweilen schwer fallen, seine Begründungen nachvollziehen zu können. Wenn man sich jedoch die Arbeit macht und den Erläuterungen nachgeht findet man heraus, dass sich der Autor nicht einfach etwas zusammengereimt hat. Die Kritik an dieser Stelle bezieht sich also lediglich auf den Umstand, dass sich das Buch weniger an den sprachlichen Laien und somit die vermutlich breitere Masse von Christen richtet als vielmehr an wenige Altphilologen, die dann ihrerseits anhand des Buches ohne Zwweifel weniger sprachgewandten Personen in einer der schwierigst möglichen Krisen weiterhelfen können.
Was mich beim Lesen auch etwas gestört hat waren die Wiederholungen. Um jedoch nicht dauernd auf irgendwelche anderen Kapitel (was teilweise auch gemacht wird, grade bei der Bezugnahme auf grössere Themengebiete) verweisen zu müssen, bleibt vermutlich kaum eine andere Möglichkeit.

Positiv

Der Autor hat den Aufwand, auf jeden noch so kleinen Hinweis auf eine mögliche Verlierbarkeit des Heils einzugehen, an keiner Stelle gescheut. Und das war ja letztlich der Grund für dieses Buch.

Fazit

Wenn sich jemand fragt, ob das Heil, das Ewige Leben, verlierbar sein könnte, dann lege ich ihm oder ihr dieses Buch ans Herz. Ohne den Autor gefragt zu haben kann ich mir, bei ausreichend vorhandener Zeit, sehr gut vorstellen, dass er gerne Fragen zu diesem Thema beantworten wird. Es scheint durch die Zeilen hindurch, dass ihm dieses Thema ein Herzensanliegen ist. Dass er es auf einem derart hohen sprachlichen Niveau abhandelt ist einzig dem Umstand geschuldet, dass es genug Menschen gibt, die sonst viel zu leicht über das Buch herfallen würden. So ist dem jedoch ein Riegel vorgeschoben und die Vertreter der Verlierbarkeit des Heils müssen schon unglaublich tief in die Trickkiste greifen um Land zu sehen.
Ich schwanke zwischen 4 und 5 Sternen, neige wegen den sprachlichen „Hürden“ jedoch zu vier. Dennoch eine absolute Kaufempfehlung, weil die Frage in so klarer und abschliessender Weise behandelt wird.

Cover Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils

Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils – Was sagt die Schrift?
Christlicher Mediendiest / 2015 (1. Auflage) / 316
Martin Schweikert
ISBN: 978-3-9398-3378-9

[Rezi] „Was jeder vom Judentum wissen muss“ von Christina Kayales

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Gütersloher Verlagshaus, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Der Autor

Zur Autorin oder den Autoren kann ich nicht viel sagen, ausser dass sie allesamt vom Fach zu sein scheinen. Pastoren und Pastorinnen, Akademiker. Man darf davon ausgehen, dass sie eine Ahnung von der Themakik haben.

Das Buch

Es ist ein einfaches Paperback mit einer Menora auf dem Cover. Es ist schlicht gehalten und hat eine angenehme Grösse, man kann es sehr gut mit einer Hand halten und bequem lesen.

Und so beginnt es:

„Wenn dein Kind dich fragt“ – Diese Worte aus 5 Mose 6,20 zur Tradition des Fragens und Lernens passen zu meiner Freude und Dankbarkeit über dieses Buch. Die Neuauflage von: „Was jeder vom Judentum wissen muss“ ist ein sehr ermutigendes Zeichen. Das vorliegende Buch belegt, dass es Interesse am Judentum gibt und eine Auseinandersetzung mit dem Judentum gerade für Christinnen und Christen in Deutschland zu einem nicht mehr wegzudenkenden Anliegen geworden ist.

Zusammenfassung

Kurz: Geschichte, Glauben, Leben der Juden in einer kurzen Übersicht.
Etwas länger:In jeweils abgeschlossenen Teilen werden einem die Bereiche Geschichte, Glaube, Leben der Juden näher gebracht. Man erhält Informationen über die Feste und sowohl deren Ursprung als auch heutige Bedeutung. Eine Einführung in die Geschichte des Volkes Israel und der Juden erhellt vieles, was einem sonst unklar erscheinen mag.

Da dies ein reines Sachbuch ist werde ich mich im weiteren auf Kritik- und Positiv-Punkte und ein kurzes Fazit beschränken. Erläuterungen über Sprache, Stil und „Figuren“ sind hier unpassend.

Kritik

An manchen Stellen schiessen die Autoren etwas über das Ziel hinaus. Aus Abweichungen in der Berichterstattung in der Passionsgeschichte schliessen sie auf die Absichten der Verfasser. Mag sein, dass diese Schlüsse gerechtfertigt sind, jedoch werden sie nicht hinreichend begründet.
Der letzte Teil dreht sich um die Passionsgeschichte Jesu und ist natürlich sehr moderat abgefasst, es geht schliesslich um den Dialog zwischen Christen und Juden. Man hätte ihn jedoch straffen können. Beinahe hatte ich den Eindruck, man wolle den Schreibern der Evangelien eine Art frühchristlichen Antisemitismus anhängen, obschon doch gerade Paulus in den Briefen immer wieder betont, dass er Jude ist. Und nicht „nur“ Jude, sondern Pharisäer der strengeren Schule.
Die Argumentation, man könne Juden der Gegewart nicht für den „Mord an Jesus“ zur Verantwortung ziehen unterschreibe ich sofort. Jedoch kann man auch nicht pauschal DIE Christen für die Kreuzzüge oder DIE Deutschen für die Naziverbrechen verantwortlich machen. Zumindest dann nicht, wenn Einsicht und Reue und der Wunsch nach „Wiedergutmachung“ vorhanden sind und gelebt werden. Dann muss man in der Lage sein, aufeinander zu zu gehen und sich die Hand zur Versöhnung zu reichen.

Positiv

Die vielen Informationen über die vielfälftigen Hintergründe sind sehr interessant und zum Teil habe ich wirklich Erstaunliches gelernt, das ich so noch nie gesehen hatte (Stichwort „Essen entheiligen“).
Die ganzen Feste im Zusammenhang zu sehen war interessant und aufschlussreich. Was es z.B. mit dem Lulav (woher soviel ich weiss das Wort Lulatsch herkommt) auf sich hat erinnerte mich an den vierfachen Acker aus dem Gleichnis.
Man merkt dem Buch, sowohl in negativer als auch in positiver Weise an, dass es von Akademikern geschrieben wurde. Zumindest aber von Personen, die eine akademische Bildung genossen haben. Das Verzeichnis der weiterführenden Literatur ist hinreichend ausführlich. Man kann sich zu jedem Teil des Buches (Herkunft, Geschichte, Religion, Beziehung zu Nichtjuden und zu Christen) bequem mit einem ganzen Regalmeter an Büchern eindecken.
Vielleicht noch eine kurze Szene aus dem Buch, bei deren Lektüre mir die Tränen kamen. Noch jetzt fällt es mir schwer, daran zu denken ohne eine Regung zu zeigen. Da beschreibt ein amerikanischer Theologe den Besuch eines KZ. Es begleiten ihn ein paar Überlebende. Ihm graut beim Anblick der Gebäude und ihm fällt es mit einem Mal schwer, an einen liebenden Gott zu glauben. Und da hört er wie um ihn herum Überlebende dieser Masaker gemeinsam in einen Chor einstimmen. Sie beten das erste und das letzte Gebet eines Juden, das Schma Jisrael.

Fazit

Als Startpunkt um sich mit dem Judentum auseinander zu setzen ist es wunderbar geeignet. Selbst sogar der Titel passt. Es deckt die Grundlagen ab.
An einigen Stellen (Dialog mit dem Christentum und Jesus der Jude) hätte es ausführlicher auf die für mein Verständnis nicht immer schlüssige Argumentation eingehen dürfen.
Wegen der Kritikpunkte „nur“ 4 von 5 Sternen. und eine Kaufempfehlung.

Cover Was jeder vom Judentum wissen muss

Was jeder vom Judentum wissen muss
Gütersloher Verlagshaus / 2005 (11. Auflage) / 208
ISBN: 978-3-5790-6407-9

[Rezi] „Bibliothek der Träume“ von Lynn Austin

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag der Francke-Buchhandlung direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback. Vorne drauf sieht man eine junge Frau die die Heldin sein könnte und unten die Berge Kentuckys.

Und so beginnt es:

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde niemand es lesen. Die Leute würden sagen, es sei zu langweilig, zu vorhersehbar. Eine Geschichte, wie sie schon tausend Mal erzählt wurde. Aber ich war mit meinem Leben ganz und gar zufrieden – bis die hinteren Seiten aus meiner Geschichte herausgerissen wurden, bevor ich die Gelegenheit hatte, glücklich bis an mein Lebensende zu leben.“

Zusammenfassung

Kurz: Junge Frau aus einer Stadt im Flachland verschlägt es in die Berge Kentuckys, wo sie auf die Welt kommt.
Etwas länger: Alice Ripley ist Pfarrerstochter und von Beruf Bibliothekarin. Sie hatte bisher ein behütetes Leben und wird aufgrund der Weltwirtschaftskrise arbeitslos. Weil sie ein Gutmensch ist beschliesst sie, eine Büchersammlung zu organisieren und die Bücher gleich selbstzu den bedürftigen Menschen in Kentucky zu bringen. Womit sie jedoch nicht rechnet ist, dass sie länger dort bleibt als geplant. Und das hat für sie gravierende Folgen auf den weiteren Verlauf ihres Lebens.

Stil:

Es wird aus der Perspektive der Protagonistin geschrieben. Vieles bekommt man nicht mit bei dem man nicht weiss, ob das jetzt wichtig wäre. In so gut wie jedem Fall stellt es sich im Nachhinein heraus, dass es gepasst hat. Die Schreibe ist flüssig, einzig die relativ häufigen Wiederholungen der Selbstüberzeugungsversuche von Alice, dass sie ja sowieso bald wieder heimgeht, fangen irgendwann an zu nerven.

Figuren:

Alice Ripley: Sie ist eine behütet aufgewachsene, total blauäugige Büchernärrin die kein eigenes Leben hat. Sie durchlebt viel lieber die Abenteuer in den Büchern. Das geht ihrem Freund irgendwann so auf die Nerven, dass er mit ihr Schluss macht. Sie versteht überhaupt nicht wieso und man will sie auf jeder zweiten Seite an den Schultern packen und schütteln. Aber mit der Zeit setzt eine Veränderung ein. Diese ist langsam genug um glaubhaft zu sein.

Mack: Die „Bibliothekarin“ mit der Alice vereinbart die Bücher nach Acorn in Kentucky zu bringen, ist trotz ihres Namens Leslie ein Mann. Und die beiden mögen sich überhaupt nicht. Bis auf eine Kleinigkeit: Mack liebt Bücher genauso sehr wie Alice.

Miss Lillie: Eine ehemalige Sklavin, Ziehmutter von Mack und die treibende Kraft hinter der nun beginnenden Geschichte von Alice‘ Leben. Sie ist mit ihren über 100 Jahren schon sehr alt, hat aber einen klaren und scharfen Verstand und was fast noch wichtiger ist, einen natürlichen und unerschütterlichen Glauben an Gott. Im Gegensatz zur Alice, die bisher lediglich fromme Pflichten erfüllt hatte.

Auch die anderen Figuren werden sehr schön beschrieben, man kauft der Autorin die Figuren ab. Sie sind stimmig und individuell. Obwohl ich einige Zeit brauchte, bis ich sie alle auseinander halten konnte.

Sprache:

Die Sprache ist angepasst. Sie ist nicht „altertümlich“ und flüssig zu lesen. Und man spürt schön die Stimmungen der einzelnen Personen heraus.

Fazit:

Es ist klar, dass in einem christlichen Buch Gott eine Rolle spielt, eigentlich sogar eine sehr zentrale. Die Autorin begeht aber nie den Fehler, mit erhobenem Zeigefinger eine Botschaft rüberbringen zu wollen. Die Aussage des Buches ist vollkommen klar, der „christliche Anteil“ daran unterstreicht sie auf natürliche Weise.

Da ich die Autorin bisher noch nicht kenne kann ich nichts zu ihr sagen. Aber dieses Buch hat mir gefallen und wer eine spannende und soweit ich es beurteilen kann gut recherchierte Geschichte aus dem Amerika der Weltwirtschaftskrise lesen möchte ist mit diesem Buch gut beraten.

4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Bibliothek-der-Träume

Die Bibliothek der Träume
Francke-Buchhandlung / 2012 / 427
Lynn Austin
ISBN: 978-3-868-27302-1

[Rezi] „Asphalt – Ein Fall für Julia Wagner“ von Axel Hollmann

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Midnight direkt. Man kann dort auf der Seite sehr komfortabel den gewünschten Shop wählen. Oder man geht direkt zu Amazon

Das Buch

Es ist ein e-book. Aber nicht einfach eine Datei mit Text, nein nein nein. Zuerst ist da mal das Cover. Bevor es an die Veröffentlichung ging wurden wir, also die potentiellen Leser, gefragt, welches der zwei vom Verlag vorgeschlagenen uns denn besser gefiele. Jo, und das schönere von beiden wurde es dann auch. Finde ich nett, da ein bisschen mitreden zu können. Dann der erweiterte Inhalt, mit Fotos der Schauplätze usw. Finde ich eine gute Idee. Und das alles ans Ende des Buches zu packen finde ich grad nochmal sehr schön.

Und so beginnt es:

„Die Villa, in der Reinhard Behnke verschwunden war, befand sich im vornehmen Berlin-Grunewald, einem Viertel der Rechtsanwälte und Steuerberater. Ich hätte zu gern gewusst, was sich dort drinnen abspielte, allerdings waren die Fenster im Erdgeschoss vergittert und die samtenen Vorhänge sorgfältig zugezogen. ein einziges Fenster im Obergeschoss stand einen Spalt weit offen. Von dort fiel ein Lichtstrahl auf die steinerne Brüstung eines Balkons. Vor einer Weile hatte ich Gläserklirren und Gelächter gehört, jetzt aber war alles still.“

Zusammenfassung

Kurz: Ehemalige Kriminalkommissarin versucht sich als Fotoreporterin und gerät in Schwierigkeiten.
Etwas länger: Julia Wagner hat sich nicht den leichtesten Job ausgesucht. Nachdem sie ihre Karriere als Kommissarin bei der Kriminalpolizei geschmissen hatte, versucht sie Fotos zu schiessen und an eine lokale Sensationszeitung zu verkaufen. Das gelingt mal gut, mal schlecht. Im Zuge ihrer Recherchen trifft sie alte Bekannte wieder und gerät dabei zwischen die Fronten, oder Räder. Motorräder um genau zu sein. Sie legt sich dabei mit einer ganzen Motorradgang an und auch einige Personen aus ihrer Vergangenheit tauchen wieder auf. Nicht immer ist sie ihnen gegenüber wohlgesonnen.

Stil:

Man merkt, auch ohne selbst je einen solchen gelesen zu haben, sehr deutlich, dass Axel Hollmann schon den einen oder anderen Hardboiled Krimi gelesen hat. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Knappe Sätze, rasches Tempo, was halt dazu gehört um die Spannung nie ganz abfallen zu lassen.
Was mich gestört hat ist das Lektorat, da sind der lesenden Person beim Verlag ein paar Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Und es sind immer die gleichen.

Figuren:

Also, das ist nicht leicht. Persönlich möchte ich keinen der Figuren aus dem Roman kennen. Julia ist eine Zicke, ein launisches Persönchen der man irgendwie gar nichts recht machen kann. Aber sie ist stimmig. Sie ist selbständig, hat einen starken Gerechtigkeitssinn und ist hart im Nehmen. Und im Austeilen. Die anderen Figuren verblassen ein bisschen neben ihr. Aber das mag in einem Hardboiled Krimi so sein, ich kenne mich da zu wenig aus.

Sprache:

Mit einem Wort: Flapsig. Aber das passt. Sie ist eine unkonventionelle Person die ein Leben führt das alles nur nicht spiessig oder „normal“ ist. Und bestimmt nicht langweilig. Die Sprache ist manchmal auch etwas derb oder hart, aber man hat nie das Gefühl, dass die Wortwahl ein Mittel zur Effekthascherei ist. Sie passt und gehört dahin und muss so sein. PUNKT.

Fazit:

Wer auf Krimis steht, und Hardboiled dazu, dem rate ich es zu kaufen. Was man für den Preis bekommt, sucht man zwischen zwei Deckeln häufig vergebens. Oder halt eben zum zehnfachen Preis. Es ist gute und kurzweilige Unterhaltung und man lernt sogar noch ein bisschen was über die verschiedensten Jiu-Jitsu Techniken, Griffe, Würfe, Schläge, Tritte, Mentalität im Dojo etc. dazu. Der Autor übt es entweder selber aus oder er hat sehr ausführlich in diese Richtung recherchiert. Das ist keine Ironie, die Angaben sind korrekt, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu spezifisch. 😉
Ach so, das Buch: 4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung. Das Buch selber ist gut, mich haben aber die Fehler (vor allem in der zweiten Hälfte) und das Fachjapanisch ein bisschen aus dem Lesefluss herausgerissen.

Titelbild "Asphalt - Ein Fall für Julia Wagner" von Axel Hollmann

Asphalt – Ein Fall für Julia Wagner
Midnight by Ullstein / 2014 / 416
Axel Hollmann
ISBN: 978-3-95819-002-3

[BdB-Rezi] Bob, der Streuner

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Wieder eine Mischung aus Teilen einer Autobiographie und einem Sachbuch. Autobiographie ist klar warum (Mann während Drogenentzug trifft und hilft Streuner, dem er und der ihm hilft. „Bob, der Streuner“ von James Bowen. Der Bastei Lübbe Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback mit Bob, der gar nicht mehr wie ein Streuner ausschaut, vornedrauf. Es zeigt deutlich, wer aus Sicht des Autors die Hauptperson in diesem Buch ist.

Und so beginnt es:

„Das Glück liegt auf der Strasse, sagt ein Sprichwort. Man muss es nur aufheben. Aber die meisten Menschen gehen achtlos daran vorüber.“

Zusammenfassung

Kurz: Ex Junkie trifft verwahrlosten Kater. Zuerst päppelt er ihn auf, dann umgekehrt.
Etwas länger: James Bowen hat viele Probleme. Eines davon ist seine Vergangenheit. Er ist ein Ex Junkie und hält sich als Strassenmusiker über Wasser. Ich möchte richtig verstanden werden, ich denke tatsächlich, dass das ein beinharter Job sein muss. Jedoch ist er, wie er selbst sagt, selbst schuld an seiner Situation. Auch hier bitte ich, mich nicht misszuverstehen. Genau diese Einstellung macht mir James Bowen sympathisch. Ich finde es schade und wenig hilfreich wenn immer die gleichen Geschichten runtergerasselt werden. Nur man selbst, nein, trägt natürlich keine Schuld. James sieht seine Situation klar vor sich: Wenn sich nicht bald was ändert, ist es nur eine Frage kurzer Zeit, dass es mit ihm zu Ende geht.
Und da trifft er Bob. Bob war zu jenem Zeitpunkt ein kümmerliches Häufchen Elend mit einigen wenigen Fellstellen, grade noch als Katze erkennbar. Und der liegt vor James‘ Wohnungstür. Ja, er wohnt nicht auf der Strasse, immerhin hat er sowas wie ein Einkommen und nimmt am Methadon Programm teil.
James Bowen beschreibt aus seiner Sicht, wie sich die Freundschaft zwischen Bob und ihm entwickelt und wie der Kater einen immer stärkeren und positiven Einfluss auf sein Leben ausübt. Das beginnt bei der Notwendigkeit eines strikten Tagesablaufs (schon mal einen geschlechtsreifen und unkastrierten Kater in der Wohnung gehabt? ) und hört nicht mit Arztbesuchen auf, die James zeigen, dass er gebraucht wird und letztlich sogar Verantwortung übernehmen muss.

Meine Meinung:

Obwohl klar ist, dass James Bowen das Buch nicht ohne Hilfe anderer geschrieben hat (er erwähnt selber an einer Stelle den Schriftsteller, mit dem er zusammengearbeitet hat), ist mir die Schreibe manchmal etwas zu einfach. Nicht die Sprache, die ist sehr gewählt. Herr Bowen legt für einen Strassenmusiker und Ex-Junkie Umgangsformen an den Tag, da könnte sich manch ein Schlipsträger ein paar dicke Scheiben von abschneiden.
Nein, was ich meine sind z.B. häufige Wiederholungen. Der ganze Text wirkt so, als ob nichts geplant ist, James einfach draufloserzählt was ich grade einfällt und der Ghostwriter dann mitschreibt. Und dabei wäre es natürlich natürlich, dass man sich wiederholt, es stört aber trotzdem.
Vom Inhalt kann ich sagen, dass ich solche Geschichten eigentlich schön, wenn zuweilen auch etwas kitschig finde. Nichts desto Trotz ist es schön zu sehen und zu lesen, wie Menschen ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Dass sie dabei vermeintliche oder reale Hilfe von z.B. einer Katze bekommen ist Nebensache. Wichtig ist die Veränderung, die sowohl James als auch Bob, der im übrigen schon länger eine Youtube Berühmtheit ist, durchleben.
Man erlebt viele Hochs und auch einige Tiefs, denn es geht hier um reale Personen. Man schaut nicht nur zu, liesst das Buch und legt es wieder weg.

Fazit:

Für Freund von Katzen und einem guten und nicht allzukitschigen Happy End eine Kaufempfehlung. 4 Sterne.

Bob, der Streuner
Bastei Lübbe / 2013 / 252
James Bowen
ISBN: 978-3-404-60693-1

[BdB-Rezi] Isch geh Schulhof

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Eine Mischung aus Teilen einer Autobiographie, Sachbuch, Zustandsbeschreibung deutscher Schulen in der Hauptstadt und Selbstfindung eines Lehrers, der doch keiner ist. Und irgendwie halt doch. „Isch geh Schulhof“ von Philipp Möller. Der Bastei Lübbe war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback mit einem Jungen im Graffiti Comic Style der auf einem Handy rumtippt oder -spielt. Dieses sehr schön gemachte Cover vermittelt einen guten ersten Eindruck dessen, mit welchen Menschen man es während der nächsten Tage des Lesens hauptsächlich zu tun bekommen wird.

Und so beginnt es:

„Der öffentliche Nahverkehr in Berlin ist immer eine Reise wert. Mit ein bisschen Glück kann man bei einer Fahrt mit den Verkehrsmitteln der Hauptstadt filmreife Szenen erleben.“

Zusammenfassung

Kurz: Herr (oder – Achtung Insider/Spoiler – Frau) Mülla geht freiwillsch Tigergrube. Vallah, dem krasse Typ überlebt.
Etwas länger: Philipp Möller ist Assistent der Schulleitung einer Berliner Schule. Als er dann die Möglichkeit erhält, an genau dieser Schule als Assistenzlehrer anzufangen geht er davon aus, dass es ihm als quasi Insider doch irgendwie leichter fallen müsste, diesen Job zu übernehmen. Er hat sich geirrt. Ohne sich jedoch davon beirren zu lassen zieht er das ganze während zwei unsicheren (welcher Assi Lehrer hat schon einen unbefristeten Vertrag?) Jahren durch. Er mausert sich zu einer Respektsperson für die meist sehr bildungsfernen Kids und findet heraus, dass zumindest einige lernen können und davon widerum einige sogar wollen, wenn man es nur richtig angeht. Aber irgendwann platzt selbst dem nettesten Menschen der Kragen …

Meine Meinung:

Herr Möller bringt seine Weltanschauung immer wieder zum Ausdruck (er ist Atheist), was er auch darf und können soll. Was jedoch unnötig ist, ist die Verunglimpfung jener Anschauungen, die von seiner abweichen bzw. ihrerseits einen Absolutheitsanspruch erheben. Es kam mir manchmal so vor, als ob er Glaube und Religion für die Bildungsmisere verantwortlich machen wolle. Das tut er nicht, und er erwähnt auch die tatsächlichen Gründe wie z.B. Sparwut an den falschen Stellen. Jedoch blieb mir persönlich immer ein schaler Nachgeschmack wenn er wieder mal gegen Religion gewettert hat. Soviel dazu.
Das Buch wird als witzig beworben. Ich musste häufiger den Kopf ob der anscheinend katastrophalen Bildungssituation an offenbar nicht wenigen Schulen schütteln. Lächeln jedoch nur selten, von Lachen ganz zu schweigen. Das, soviel habe ich zwischenzeitlich über den tatsächlichen Einfluss eines Autoren gelernt, ist jedoch kaum Herrn Möllers Schuld.
Der Stil ist dem Thema nicht ganz unangemessen locker, bisweilen flapsig. Ich vermute dahinter den Humor des Verzweifelnden. Jedenfalls wäre es mir sicherlich so ergangen. Eine solche Situation hält man kaum länger als ein halbes Jahr nur mit „Gutmenschsein“ aus. Dazu braucht es vielmehr Humor, ein ungeheuer dickes Fell und einen Glauben daran, dass die Menschen nicht einfach schlecht sind, von dem sich viele gläubige Menschen ein Stück abschneiden können. Obwohl sich Herrn Möllers Weltanschauung überhaupt nicht mit meiner vereinbaren lässt muss und kann ich ihm für seine Leistung Anerkennung zollen. Wenn es mehr solche Lehrer gäbe (geben könnte, denn irgendwer muss sie ja auch bezahlen), sähe es an den Schulen anders aus.

Fazit:

Wer sich einen nicht immer todernsten Überblick über die Zustände an Deutschen Schulen verschaffen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Etwas zurückhaltende Kaufempfehlung und zwischen 3 und 4 von 5 Sternen. Zu 4 hin tendierend.

Isch geh Schulhof
Bastei Lübbe / 2012 / 368
Philipp Möller
ISBN: 978-3-404-60696-2

[SFCh-Rezi] „Zeitschiffe“ von Stephen Baxter

Die Station:

Neptun – Mehrweltengeschichten.

Und so beginnt es:

»Am Freitagmorgen nach meiner Rückkehr aus der Zukunft erwachte ich lange nach Sonnenaufgang aus einem tiefen und traumlosen Schlaf.«

Zusammenfassung

Kurz: Fortsetzung der „Zeitmaschine“ von H.G. Wells.
Etwas länger: Der Zeitreisende auf seiner zweiten, dritten, … n-ten Reise durch die Zeit(en). Das Buch fängt da an, wo jenes von Wells aufhört. Der Zeitreisende macht sich wieder auf in die Zukunft um Weena vor ihrem Schicksal zu retten. Das misslingt ihm aber, weil er unterwegs merkt, dass er sich in einer anderen Zukunft befindet. Wie vom Blitz getroffen stoppt er die Reise vorzeitig und trifft wie beim ersten Mal auf Morlocks. Allerdings sind die anders.
Auf seinen Reisen trifft er auch auf frühere Ichs, kämpft gegen die zwangsläufigen Bösewichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Meine Meinung

Die Sprache wirkt manchmal etwas gekünstelt altbacken (es handelt sich zwar um die „Fortsetzung“ der Zeitmaschine, aber übertreiben braucht mans nicht), die Figuren – vor allem der Zeitreisende – scheinen etwas arg borniert zu sein (waren die Leute im auslaufenden 19. Jahrhundert so?) und die Handlung … Naja, es ist halt eine Zeitreise- und Mehrweltgeschichte. Das sind einfach zwei streitbare Themengebiete. Trotz all dem Spekulativen finde ich die Art und Weise, wie Stephen Baxter, bzw. der unbekannte Autor, dieses Dillema gelöst hat sehr schön.

Fazit

Wer denkt, er habe schon alles zum Thema Zeitreisen gelesen sollte sich „Zeitschiffe“ zu Gemüte führen. Durch den Einbezug von multiplen Historien lässt sich das grosse bisherige Paradoxon („Was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Grossvater töte?“) nicht nur lösen, es ist einfach nicht mehr existent. Aber spätestens wenns ans richtig Eingemachte geht merkt man, dass Zeitreisen halt eben doch nicht ohne „Probleme“ bewerkstelligt werden können.
Mein Fazit: Empfehlung zum Kauf und zum Lesen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 8/10 Punkte

Titelbild "Zeitschiffe" von Stephen Baxter

Zeitschiffe
Heyne / 2004 / 731 Seiten
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-453-21091-2

[SFCh-Rezi] „Eine Handvoll Venus“ von Frederik Pohl, Cyril M. Kornbluth

Die Station:

Pluto – Randerscheinungen der Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Als ich mich an jenem Morgen anzog, ging ich im Geiste die lange Liste von Statistiken, Ausflüchten und Übertreibungen durch, die man in meinem Bericht erwartete. Meine Abteilung – Produktion – hatte sich mit einer Serie von Krankheitsfällen und Kündigungen herumschlagen müssen, und die Arbeit lässt sich nicht erledigen, wenn keine Leute da sind. Für die Direktion allerdings würde das kaum als Entschuldigung gelten.«

Zusammenfassung

Kurz: Mitch arbeitet in einer der grössten Werbeagenturen, welche im 21. Jahrhundert die Welt beherrschen, wird Abteilungsleiter für das Venusprojekt und lernt auf einmal die Welt aus den Augen eines „Verbrauchers“ zu sehen.
Etwas länger: Im 21. Jahrhundert wird die Welt von Werbeagenturen „regiert“. Natürlich ohne, dass die Verbraucher das wirklich bewusst wahrnehmen. Werbung ist allgegenwärtig und eines der schlimmsten Verbrechen sind Handelsvergehen im Allgemeinen und Vertragsbruch im Speziellen.
Nachdem Mitch Courtenay zum Projektleiter für eine der gigantischsten Lügenkampagnen der Werbegeschichte befördert wird gerät er unversehens in einen Strudel aus Macht, Verrat, Intrigen und Ränkespielen. Sowohl in privater als auch in geschäftlicher Hinsicht. Kurz nachdem er in die „Starklasse“ aufsteigt beginnt auch schon sein Fall in die untersten Tiefen der „Verbraucherschicht“, also den 15/16 der Menschheit die es auszubeuten gilt. Zuerst weigert er sich standhaft und sucht verzweifelt nach einem Ausweg, zurück in die Bequemlichkeit der Oberschicht. Bis er …

Meine Meinung

Dafür, dass der Roman schon beinhane 60 Jahre (im Original) auf dem Buckel hat ist er – etwas pessimistisch betrachtet – nicht so weit von der Realität heute entfernt wie man meinen könnte. Es ist eine Satire auf das Konsumverhalten in den USA von damals, was jedoch nicht heisst, dass er an Aktualität verloren hätte. Im Gegenteil.
Kleiner Wermuthstropfen ist die Hauptfigur, deren Wandlung für mich nicht ganz nachvollziehbar ist. Zuerst fast nicht und dann sehr plötzlich. Trotzdem und vor allem wegen der Geschichte selber ist das Buch lesenswert. Die Handlung ist nämlich nicht vorhersehbar, jedenfalls bin ich mehr als ein Mal in die Irre geführt worden, allerdings ohne der inneren Logik der Geschichte Gewalt antun zu müssen.

Fazit

Witzig und leicht zu lesen und dank seines Umfangs eine gute Lektüre für unterwegs. Empfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 7/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 7/10 Punkte

Eine Handvoll Venus
Heyne / 1982 / 240 Seiten
Frederik Pohl, Cyril M. Kornbluth
ISBN: 978-3-453-30794-0

[Rezi] „Otherland 1-4“ von Tad Williams

Die Bücher:

Otherland Bd.1: Stadt der goldenen Schatten ISBN 3-608-93421-9
Otherland Bd.2: Fluss aus blauem Feuer ISBN 3-608-93422-7
Otherland Bd.3: Berg aus schwarzem Glas ISBN 3-608-93423-5
Otherland Bd.4: Meer des silbernen Lichts ISBN 3-608-93424-3

Zusammenfassung

Ein todkranker Junge, eine Lehrerin, der letzte Buschmann, der älteste Mensch, ein durchgeknallter Killer, ein Mann im Rollstuhl, ein vermeintlicher Soldat, ein „Stück“ Software … Die Geschicke dieser und noch eingier anderer Personen sind alle mit dem Schicksal von Otherland verwoben.

Otherland ist eine virtuelle Welt, in der einen die Unsterblichkeit erwartet. Zumindest ist dies die Hoffnung eines sehr reichen und noch exklusiveren Kreises von mächtigen Männern. Um ihr Ziel zu erreichen gehen sie über Leichen.
Es ist nun an der wie zufällig zusammengewürfelt scheinenden Schar von Menschen dies zu verhindern.
Aber wer weiss denn schon, dass sich hinter dem unbesiegbaren Barbaren Thargor ein kleiner Junge mit einer unheilbaren, todbringenden Krankheit verbirgt? Und wer sind die anderen? Wem kann man trauen? Was ist „wirklich“?

Meine Meinung

Tad Williams schreibt – zumindest zu Beginn – alles andere als reisserisch. Ich musste mich durch die ersten 150 Seiten durchkämpfen. Aber dann plötzlich kam die erste Ahnung davon, dass die einzelnen Handlungsstränge irgendwie miteinander verwoben sein könnten. Und sie waren es. Und wie! Plötzlich stösst man auf Begebenheiten, die man doch schon kennt. Oder doch nicht?

Wenn man die Geduld aufbringt sich durch nahezu die Hälfte eines normalen Taschenbuchs zu kämpfen – um dann noch über 700 Seiten (im ersten von vier Bänden) vor sich zu haben – dem sei Otherland empfohlen. Es ist eine detaillierte Welt, eine ebenso detaillierte Geschichte mit vielschichtigen Personen, die jedoch manchmal etwas in die Länge gezogen wirkt. Nichts desto trotz ist Otherland ein Buch dessen Figuren einem mit der Zeit wirklich real erscheinen. Man leidet mit den Guten und kann die Bösen nicht ausstehen.

Man trifft jedoch nicht einfach schwarz/weiss gezeichnete platte Ueberzeichnungen von Helden und Bösewichten. Sogar der „Oberbösewicht“ kommt einem bisweilen fast ein bisschen sympathisch vor.