[Rezi] „Die Maschinen“ von Ann Leckie

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Der Autor

Über Ann Leckie kann ich überhaupt nichts sagen, bisher war sie mir völlig unbekannt.

Das Buch

Ein dickes Paperback mit einer Androidin vorne drauf.

Und so beginnt es:

„Vorbemerkung des Übersetzers
Sehr geehrte Leser dieses Buches!
Sind Sie der Ansicht, dass ich Sie mit dieser Anrede korrekt angesprochen habe? Oder fühlen Sie sich ausgeschlossen, weil Sie weiblichen Geschlechts sind und finden, dass ich mich nur an die Leser, sondern auch an die Leserinnen dieses Buches hätte wenden sollen? Diese Frage wird im Zuge des Gender-Mainstreaming und der Bemühungen zur Gleichstellung seit Jahren zum Teil leidenschaftlich debattiert.“

Zusammenfassung

Kurz: Die Avatardronin eines Kampfschiffes a.D. streift durch eine verschneite Ödnis
Etwas länger: Die Protagonistin wechselt beim Erzählen immer zwischen jetzt und damals hin und her. Damals war sie noch eine/die Drone eines Kampfschiffes, heute ist sie frei und findet eine alte Vorgesetzte halbtot im Schnee liegen und rettet diese, deren biologisches Geschlecht männlich ist.

Stil:

Die konsequente Verwendung eines generischen Femininums ist zuerst nur ungewohnt und anstrengend zu lesen, dann nur noch angstrengend. Irgendwann gewöhnt man sich vermutlich daran. Ich konnte es nicht.

Figuren:

Das ist noch das interessanteste, wenn auch verwirrendste. Man ist nämlich nie wirklich sicher, ob die jeweilige Figur nun männlich oder weiblich ist. Generisches grammatikalisches Geschlecht hin oder her, wenn man nicht weiss, von wem und wovon grade die Rede ist, dann ist es einfach nur zäh und mühsam.

Sprache:

Über die Sprache lässt sich nicht viel sagen, weil ich dauernd über „Leutnantin“ und „die dort, die mit dem Bart“ oder so ähnlich gestolpert bin.

Fazit:

Es sollte wohl ein Experiment sein. Möglicherweise ist es auch gelungen. Ich kann nichts dazu sagen ausser, dass es die ersten 105 Seiten einfach nur sterbenslangweilig ist. Die Preise, die dieses Buch gewonnen hat kann ich mir nur dadurch erklären, dass es da jemand gewagt hat, gegen den Mainstream anzugehen. Dafür gibt es auch den zweiten Stern. Zu mehr kann ich mich nicht aufraffen. Immerhin habe ich dem Buch mehr als die üblichen 10 % gegeben um mich zu packen. Es hat es auch nach 20 % nicht geschafft. Sorry Frau Leckie, nicht mein Fall. Möglich aber auch, dass es in der Deutschen Übersetzung erst so schlimm wurde. Im Original mag es noch angehen, aber auf Deutsch ist dieses Buch nicht lesbar, auch wenn ich den Hut vor der Leistung des Übersetzers ziehe. Das eine hat mit dem anderen in diesem Fall nichts zu tun.
Von mir 2 von 5 Sternen und leider keine Kaufempfehlung.

Die Maschinen
Heyne / 2015 / 544
Ann Leckie
ISBN: 978-3-4533-1636-2

[Rezi] „Die Zeitverschwörung 1 – Imperator“ von Stephen Baxter

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

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Der Autor

Stephen Baxter hat, soweit ich das bisher in Erfahrung bringen konnte, viele wissenschaftlich dominierte Science-Fiction Romane geschrieben. Manchmal mit anderen Autoren zusammen, manchmal – so wie hier – auch alleine. Letztere gefallen mir besser. Die Schreibe von Herrn Baxter ist flüssig und die wissenschaftliche Informationsdichte überschaubar. Genug, dass ein bisschen was hängen bleibt, aber auch nicht so viel, dass man das Buch gelangweilt und an tröge Schulstunden erinnert zur Seite legt.

Das Buch

Da ich dieses Mal ein E-Book bekommen habe kann ich zu einer Papier-Variante nicht viel sagen. Das E-Book ist auf jeden Fall klar gegliedert und man kommt über den Index in jedes Kapitel. Es gibt keine 3D-Animationen und auch keine nervigen „Helfer“ in einer der Ecken die mir durch das Buch helfen wollen. Es ist schliesslich einfach ein Buch, halt nicht auf Papier gedruckt.

Und so beginnt es:

„Es war ein schwerer Tag, an dem Bricas Kind, Cunovics Neffe, sich ins Leben quälte, ein schwerer, langer Tag der Geburt und des Todes. Und es war der Tag, wie Cunovic später glaubte, an dem die eisigen Finger des Webers an den Fäden des Zeitteppichs zu zupfen begannen.“

Zusammenfassung

Kurz: Eine Prophezeiung begleitet viele Generationen einer Familie.
Etwas länger: Nectovelins Mutter schreit unter Geburtsschmerzen eine sechzehn-zeilige Prophetie in lateinischer Sprache. Das wäre weiter nicht verwunderlich, könnte sie Latein. Als stolze Brigantin vor der grossen Invastion der Insel ist sie dieser Sprache aber nicht mächtig. Diese Prophezeiung zieht sich durch das Leben vieler Menschen die ihrer Familie entstammen. Manche lassen sich davon bestimmen, andere versuchen das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden.

Stil:

Stephen Baxter schreibt flüssig und „geschmeidig“. Soll heissen: Man liesst den Text und ohne dass man es merkt, lernt man noch was dabei. Z.B. dass der Wall, den Hadrian errichten liess nichts mit dem Vorgartenmäuerchen zu tun hatte, das heute die engste Stelle Schottlands ziert. Oder über die Entstehung des Christentums, aus der Sicht von Römern und Eroberten Völkern.
Der Text kommt nie Oberlehrerhaft daher, aber auch nicht seicht. Man ist dabei, wie ein Imperium sich seinem Zenith nähert und ihn teilweise überschreitet. Man „erlebt“ Geschichte und spürt das auch. Legt man das Buch zur Seite nachdem man es beendet hat, muss man sich erst wieder im Hier und Jetzt zurechtfinden. Jedenfalls ein bisschen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft. Vom totalen Ekelpaket über den Sklaven der freigekauft wurde und sich nur langsam einem normalen Leben nähert bis zu den Imperatoren, alle kommen sie völlig authentisch rüber. Man kauft ihnen ihre Freude, ihr Leid und ihre Zweifel, aber auch ihre Überzeugungen ab. Das was sie antreibt, könnte auch die Triebfeder für unser eigenes Handeln sein, insofern sind sie absolut realistisch und nicht bloss eindimensional.

Sprache:

Die Dialoge sind kurz, aber nicht zu knapp. Beschrieben wird einiges, da sehr viel Geschichte thematisiert wird. Aber das fällt nicht negativ auf. Handlung gibt es genug und die und auch die Stimmung der Charaktere wird durch die Sprache sehr klar rübergebracht. Ansonsten ist die Sprache unauffällig. Wenn jemand im Buch davon spricht, dass eine der Figuren „einfaches Latein“ spräche, dann kann ich mir darunter nur wenig vorstellen. Ausser vielleicht wenn man eine „gewählte und an Vokabeln reiche und reichhaltige Sprache“ dem „Gesabbel von einem Proll“ gegenüberstellen würde. Möglich, dass sowas damit gemeint ist.

Fazit:

Von mir 5 von 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung. Und die Hoffnung, dass Band 2 – 4 in ähnlicher Weise weitergehen und nicht so enden wie die Zeit-Odyssee, die Baxter mit Arthur C. Clarke zusammen geschrieben hatte und deren Schluss auf den letzten Zeilen ermordet wurde. Aber das ist eine andere Rezi die erst noch geschrieben werden muss.

Die Zeitverschwörung 1 – Imperator
Heyne / 2015 / 576
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-7645-3129-4

[Rezi] „Redshirts“ von John Scalzi

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Heyne direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Das Cover zeigt, was der Titel verspricht: Ein Redshirt der UU.

Und so beginnt es:

„Fähnrich Tom Davis hockte auf einem großen Felsblock und blickte quer durch die weitläufige Höhle zu Captain Lucius Abernathy, Wissenschaftsoffizier Q’eeng und Chefingenieur Paul West, die auf einem zweiten, noch größeren Felsblock saßen, und dachte: Das ist echt scheiße.

Zusammenfassung

Kurz: Ein Fähnrich auf dem Flagschiff merkt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist und geht dem nach.
Etwas länger: Andrew Dahl wird auf das Flagschiff der UU, der Universalen Union, versetzt. Und zuerst deutet er das als grossen Gewinn für seine Karriere. Aber dann merkt er, dass unter bestimmten Voraussetzungen bei Aussenmissionen verdächtig häufig und auf seltsame Weise Crewmitglieder ums Leben kommen. Er geht der Sache nach.

Stil:

Wenn einem nicht bereits (wie mir) gespoilert wurde, worum es in dem Buch geht, dann verwirren die Dialoge auf den ersten paar Seiten schon sehr. Man denkt sich: „Eigentlich kann der Salzi doch schreiben, was fabriziert er denn hier für eine Sch schlechte Dialoge. Erst als Andrew Dahl, der Protagonist, dahinter zu kommen scheint was hier los ist, bessert sich das, werden die Dialoge flüssiger und das Lesen geht auch leichter von der Hand.

Dass das Buch weitergeht, nachdem es zuende ist, aber doch nicht, mag für den einen oder anderen verwirrend sein. Ich fand den Schluss äusserst gelungen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft und „echt“. Man möge die leichte ironische Anspielung verzeihen, wenn man es gelesen hat, wird man es verstehen. Einzig der Protagonist kam mir manchmal etwas zu … entspannt vor. Mir fällt kein besseres Wort dafür ein. Fast so, als ob er wüsste was als nächstes geschieht.

Sprache:

Typisch für John Scalzi ist die Sprache: Locker, leicht zu lesen. Die Dialoge sind flüssig und man fliegt eigentlich nie aus dem Fluss wegen irgendwelcher unpassender Wörter oder seltsamen Konstruktionen.

Fazit:

Eines der wenigen Sci-Fi Bücher, abgesehen von eineinigen von Andreas Eschbach, das mich nachdenklich zurückliess und mir die Wahl des nächsten Buches sehr schwer machte. Bis kurz vor Schluss dachte ich: „Jaja, nette Geschichte und gut geschrieben.“ Aber da steckt meiner Meinung nach viel mehr drin. Z.B. wird einem Autoren gezeigt, wie wehleidig die Aussage „Ach ich kann nicht schreiben, ich habe eine Schreibblockade.“ häufig rüberkommt. Und zwar einfach darum, weil es in den allermeisten Fällen eine Ausrede ist. Eine Ausrede dafür, dass das Problem meist woanders als bei der angeblich blockierten Kreativität liegt.

Weiter sind die philosophischen Momente, wenn sie auch letztlich dem „Autor“ als Schreibblockadenausrede dienen, äusserst interessant. Wenn man Philosophie auf populärwissenschaftlichem Niveau steht.

Alles in allem kann ich sagen: Wer Scalzi mag und den einen oder anderen Insider aus Star Trek kennt, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.

5 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Redshirts

Redshirts
Heyne / 2012 / 432
John Scalzi
ISBN: 978-3-45352-995-3

[SFCh-Rezi] „Spektrum“ von Sergej Lukianenko

Die Station:

Merkur – „Junge“ Sci-Fi

Und so beginnt es:

»Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren.
Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Privatdedektiv sucht nach einem verschollenen Mädchen und stösst dabei auf deren sieben.
Etwas länger: Martin Dugin hat sich auf das Auffinden von vermissten Personen spezialisiert. „Vermisst“ bedeutet hierbei, dass ihnen keine Geschichte einfällt, die den „Schliessern“ gefällt.

Meine Meinung

Die Idee Geschichten als Bezahlung für die Passage durch Tore, die interstellare Reisen ermöglichen ist vielleicht nicht total originell. Ähnliches mag es schon gegeben haben. Dass aber Martin Dugin, ein „Läufer“ (einer der wie mühelos Geschichten aus dem Ärmel schüttel die den Schliessern gefallen), auf der Suche nach einem Mädchen gleich deren sieben findet und zum Schluss vor eine ungeheuer schwere Entscheidung gestellt wird, weil er neben all den sieben Versionen des einen Mädchens, eine Art „Stein der Weisen“ im Quadrat, findet.
Viel Sci-Fi, keine Raumschiffe und -schlachten, interessante Aliens, manchmal provokante Anspielungen, all das und noch mehr bekommt man in diesem Buch, das ich mir wie einige andere meiner Challenge-Bücher als Hörbuch reingezogen habe.
Die Geschichte ist spannend und nicht vorhersehbar. Die Figuren sind plastisch und haben zu Beginn der Geschichte mehr als genug Potential, das während der Geschichte gut, aber nicht vollständig, ausgeschöpft wird. Und die Sprache wirkt, wie soll ich sagen, zu Beginn etwas gestelzt. Das legt sich aber mit der Zeit, und da es bei dem Buch ja auch um Geschichten geht, verträgt es einen etwas ungewöhnlichen Umgang mit der Sprache sehr gut.
Zum Buch kann ich soviel nicht sagen, aber ich mag David Nathan als Sprecher.

Fazit

Kauf- und Hörempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Spektrum
Heyne / 2007 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Das Kantaki Universum – Diamant“ von Andreas Brandhorst

Die Station:

Venus – Soft Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Sol-System
17. September 2075
Mutter Rrirk stakte in den Pilotendom, den Raum, der das Zentrum der
hyperdimensionalen Struktur ihres Schiffes bildete. Flüsternde und
raunende Stimmen begleiteten sie, kamen sowohl von den vielen
Segmenten des Schiffes, durch die Bindungskräfte existenzieller
Harmonie zusammengehalten, als auch aus dem Transraum und seinen
zahllosen Fäden, die sich zwischen allem Existierendem spannten.«

Zusammenfassung

Kurz: Das Schicksal zweier Menschen hängt zusammen und von ihm hängt das Schicksal des Universums ab.
Etwas länger: Lidia DiKastro will Xeno-Archäologie studieren und Rungard Avar Valdorian, der Magnatensohn und künftiger Führer einer der beiden grossen Wirtschaftsmächte im von Menschen besiedelten Raum verliebt sich in sie.

Meine Meinung

Zuerst könnte man tatsächlich meinen, es gehe um die Beziehung dieser beiden enorm gegensätzlichen Menschen. Denn Lidia entdeckt, dass sie über „die Gabe“ verfügt. Sie lässt sich zur Kantaki-Pilotin ausbilden und so trennen sich die Wege der zwei Liebenden. Allerdings sind ihre Schicksale derart miteinander verknüpft, wie es noch nicht mal der nichts dem Zufall überlassende Valdorian ahnt. Er denkt, er zieht sämtliche Fäden. Er ist aber auch sonst ziemlich egozentrisch.
Ganz anders Lidia. Sie ist eine Träumerin. Sie möchte das Universum sehen. All die Wunder die es birgt. Deswegen wird sie Kantaki-Pilotin, weil die Kantaki, eines der ganz alten Völker, gewissermassen „ausserhalb“ der Zeit leben.
Glücklicherweise verzichtet Andreas Brandhorst darauf, sich zu sehr in technischen Details zu verlieren. Er beschreibt die Geschichte, den Wandel den zwei Personen durchleben. Wobei sich beide nicht wirklich „ändern“, ihre charakterlichen Grundzüge treten aber während dieses ersten von drei Bändern immer deutlicher hervor. Immerhin umfasst das Buch einen Zeitraum von etwa 120 Jahren.
Die Figuren sind zu beginn ganz normal, fast ein wenig langweilig. Sie werden jedoch wie gesagt im Laufe der Geschichte immer plastischer und glaubhafter.
Was mich am Stil etwas gestört hat war, dass Herr Brandohrst stark zu Wiederholungen zu neigen scheint. Er wiederholt sich, zwar nicht oft, aber einige Themen, Begriffe, Situationen werden von ihm immer mal wieder wiederholt. 😉
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern das Hörbuch gehört. Zu Beginn hatte ich Mühe mit Ernst Meincke, dem Sprecher, fand ihn langweilig. Aber das Buch oder die Geschichte, die Personen sind das zu Beginn auch. Mit Fortschreiten der Geschichte verschwindet auch dieser Eindruck.

Fazit

Ich bin grade dabei, „Metamorph“, den zweiten Band der Kantaki-Trilogie zu hören und werde mir auch den drittel Teil noch bei Audible besorgen. Zu Deutsch: Kaufempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 8/10
Figuren: 9/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Das Kantaki Universum – Diamant
Heyne / 2006 / 589 Seiten – Audible / 2008 / 11h 20m
Andreas Brandhorst
ISBN: 978-3-453-87901-0

[SFCh-Rezi] „Zeitschiffe“ von Stephen Baxter

Die Station:

Neptun – Mehrweltengeschichten.

Und so beginnt es:

»Am Freitagmorgen nach meiner Rückkehr aus der Zukunft erwachte ich lange nach Sonnenaufgang aus einem tiefen und traumlosen Schlaf.«

Zusammenfassung

Kurz: Fortsetzung der „Zeitmaschine“ von H.G. Wells.
Etwas länger: Der Zeitreisende auf seiner zweiten, dritten, … n-ten Reise durch die Zeit(en). Das Buch fängt da an, wo jenes von Wells aufhört. Der Zeitreisende macht sich wieder auf in die Zukunft um Weena vor ihrem Schicksal zu retten. Das misslingt ihm aber, weil er unterwegs merkt, dass er sich in einer anderen Zukunft befindet. Wie vom Blitz getroffen stoppt er die Reise vorzeitig und trifft wie beim ersten Mal auf Morlocks. Allerdings sind die anders.
Auf seinen Reisen trifft er auch auf frühere Ichs, kämpft gegen die zwangsläufigen Bösewichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Meine Meinung

Die Sprache wirkt manchmal etwas gekünstelt altbacken (es handelt sich zwar um die „Fortsetzung“ der Zeitmaschine, aber übertreiben braucht mans nicht), die Figuren – vor allem der Zeitreisende – scheinen etwas arg borniert zu sein (waren die Leute im auslaufenden 19. Jahrhundert so?) und die Handlung … Naja, es ist halt eine Zeitreise- und Mehrweltgeschichte. Das sind einfach zwei streitbare Themengebiete. Trotz all dem Spekulativen finde ich die Art und Weise, wie Stephen Baxter, bzw. der unbekannte Autor, dieses Dillema gelöst hat sehr schön.

Fazit

Wer denkt, er habe schon alles zum Thema Zeitreisen gelesen sollte sich „Zeitschiffe“ zu Gemüte führen. Durch den Einbezug von multiplen Historien lässt sich das grosse bisherige Paradoxon („Was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Grossvater töte?“) nicht nur lösen, es ist einfach nicht mehr existent. Aber spätestens wenns ans richtig Eingemachte geht merkt man, dass Zeitreisen halt eben doch nicht ohne „Probleme“ bewerkstelligt werden können.
Mein Fazit: Empfehlung zum Kauf und zum Lesen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 8/10 Punkte

Titelbild "Zeitschiffe" von Stephen Baxter

Zeitschiffe
Heyne / 2004 / 731 Seiten
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-453-21091-2

[SFCh-Rezi] „Krieg der Klone“ von John Scalzi

Die Station:

Mars – Kriege und Gewalt.

Und so beginnt es:

»An meinem fünfundsiebzigsten Geburtstag tat ich zwei Dinge. Ich besuchte das Grab meiner Frau. Dann ging ich zur Armee.«

Zusammenfassung

Kurz: „Mit 75 Jahren, da fängt das Leben an“ oder so ähnlich könnte John Perry gesungen haben, als er sich freiwillig für die Koloniale Verteidigungsarmee gemeldet hatte.
Etwas länger: John Perry hat ausser dem gelegentlichen Besuch am Grab seiner Frau nicht mehr viel zu tun. Er ist 75 und es ist an der Zeit, sich einziehen zu lassen. Unterschrieben hat er bei der KVA schon vor 10 Jahren und wollte eigentlich gemeinsam mit seiner Frau den Dienst antreten. Nun macht er es eben alleine.
Noch bevor die Ausbildung beginnt lernt er auf dem Transport zu einer Raumstation ein paar Leute kennen. Sie freunden sich an und nennen sich die „Alten Scheisser“. Eine bunt zusammengewürfelte und erstaunliche lebensfrohe und lustige Truppe. Das erste Viertel des Buches liesst sich auch mehr wie eine Satire (was es stellenweise auch sicher ist) als ein Buch mit dem Thema „(Anti)Krieg“.
Nachdem alle auf ihre neue Aufgabe als Soldaten vorbereitet wurden gehts dann richtig zur Sache und es folgen diverse Schlachten und Kampfeinsätze. Leider – aber sowas lässt sich nunmal nicht vermeiden – bleiben die „Alten Scheisser“ nicht komplett. Dafür kommen neue Freunde hinzu. Es ist zum Ende hin also ausgewogen.

Meine Meinung

Kaufen und lesen! Ja, Ähnlichkeiten mit „Starship Troopers“ sind natürlich und bedingt durch Genre und Thema des Buches gegeben. Ich meine auch gelesen zu haben, dass Scalzi sich als Fan von Heinlein bezeichnet. Also. Wer nun an so etwas seine Kritik an „Krieg der Klone“ festmacht sollte nach „Romeo und Julia“ auch keine andere romantische Literatur mehr lesen. Er würde nur enttäuscht werden.
Was jedoch mich und scheinbar auch andere etwas irritiert hat war die Tatsache, dass eine Organisation wie die KVA, die technologisch sehr weit ist sich immernoch auf eine Riesenarmee aus Kanonenfutter stützt anstatt ausgefeilte Technik alleine in den Kampf zu schicken. Aber neben dem Genuss, den einem dieses Buch beschert, ist das ein locker zu vernachlässigender Kritikpunkt.
Ich weiss, ich lobe schon wieder ein Buch über den Klee, aber was soll ich machen, ich hatte bisher einfach „Glück“ mit meinen Büchern. Und ich hoffe sehr, dass sich daran nichts ändert.
Zur Sprache: Sie ist sehr flapsig und das Buch entsprechend locker zu lesen.
Die Figuren: Allesamt glaubhaft. Ich habe keine Zweidimensionalitäten gefunden.
Die Handlung: Man kann sich darüber streiten. Ich tue es nicht. Mir gefällts. Ein paar Klischees gibts halt, aber was solls.

Fazit

Ein sehr gelungenes Buch, das, obwohl es kritisch mit dem Thema Krieg umgeht nie den Eindruck eines erhobenen Zeigefingers erweckt. Ein Umstand, der mir persönlich sehr gefällt, denn Moral-Apostel mag ich nicht wenn ich Unterhaltung erwarte. Eine Message darf und soll nichts desto trotz da sein – was sie in vorliegendem Fall auch ist – aber ich will nicht „belehrt“ werden.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Geht nicht anders 😉

Krieg der Klone
Heyne / 2007 / 432 Seiten
John Scalzi
ISBN: 978-3-453-52267-1

[SFCh-Rezi] „Eine Handvoll Venus“ von Frederik Pohl, Cyril M. Kornbluth

Die Station:

Pluto – Randerscheinungen der Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Als ich mich an jenem Morgen anzog, ging ich im Geiste die lange Liste von Statistiken, Ausflüchten und Übertreibungen durch, die man in meinem Bericht erwartete. Meine Abteilung – Produktion – hatte sich mit einer Serie von Krankheitsfällen und Kündigungen herumschlagen müssen, und die Arbeit lässt sich nicht erledigen, wenn keine Leute da sind. Für die Direktion allerdings würde das kaum als Entschuldigung gelten.«

Zusammenfassung

Kurz: Mitch arbeitet in einer der grössten Werbeagenturen, welche im 21. Jahrhundert die Welt beherrschen, wird Abteilungsleiter für das Venusprojekt und lernt auf einmal die Welt aus den Augen eines „Verbrauchers“ zu sehen.
Etwas länger: Im 21. Jahrhundert wird die Welt von Werbeagenturen „regiert“. Natürlich ohne, dass die Verbraucher das wirklich bewusst wahrnehmen. Werbung ist allgegenwärtig und eines der schlimmsten Verbrechen sind Handelsvergehen im Allgemeinen und Vertragsbruch im Speziellen.
Nachdem Mitch Courtenay zum Projektleiter für eine der gigantischsten Lügenkampagnen der Werbegeschichte befördert wird gerät er unversehens in einen Strudel aus Macht, Verrat, Intrigen und Ränkespielen. Sowohl in privater als auch in geschäftlicher Hinsicht. Kurz nachdem er in die „Starklasse“ aufsteigt beginnt auch schon sein Fall in die untersten Tiefen der „Verbraucherschicht“, also den 15/16 der Menschheit die es auszubeuten gilt. Zuerst weigert er sich standhaft und sucht verzweifelt nach einem Ausweg, zurück in die Bequemlichkeit der Oberschicht. Bis er …

Meine Meinung

Dafür, dass der Roman schon beinhane 60 Jahre (im Original) auf dem Buckel hat ist er – etwas pessimistisch betrachtet – nicht so weit von der Realität heute entfernt wie man meinen könnte. Es ist eine Satire auf das Konsumverhalten in den USA von damals, was jedoch nicht heisst, dass er an Aktualität verloren hätte. Im Gegenteil.
Kleiner Wermuthstropfen ist die Hauptfigur, deren Wandlung für mich nicht ganz nachvollziehbar ist. Zuerst fast nicht und dann sehr plötzlich. Trotzdem und vor allem wegen der Geschichte selber ist das Buch lesenswert. Die Handlung ist nämlich nicht vorhersehbar, jedenfalls bin ich mehr als ein Mal in die Irre geführt worden, allerdings ohne der inneren Logik der Geschichte Gewalt antun zu müssen.

Fazit

Witzig und leicht zu lesen und dank seines Umfangs eine gute Lektüre für unterwegs. Empfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 7/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 7/10 Punkte

Eine Handvoll Venus
Heyne / 1982 / 240 Seiten
Frederik Pohl, Cyril M. Kornbluth
ISBN: 978-3-453-30794-0

[Rezi] „Sternenspiel“ und „Sternenschatten“ von Sergej Lukianenko

Die Bücher:

Sternenspiel – ISBN 3-453-52411-8
Sternenschatten – ISBN 3-453-52553-5

Zusammenfassung

Kurz: Mensch rettet Erde vor Zerstörung
Etwas länger: Pjotr Chrumov, ein kosmischer „Furhmann“ (so werden die Menschen von den Starken Rassen des „Konklave“ genannt) schon beinahe Anti-Alkoholiker gerät durch intrigante Machenschaften in die Position des Retters der Erde.
Die Starken Rassen drohen die Erde zu zerstören und dies wird Pjotr von einem „Zähler“, einem Reptilienartigen Wesen mitgeteilt. Dieser will unbedingt zur Erde und mit Pjotrs Grossvater sprechen, einem 72-jährigen Zyniker und Alien-Hasser. Die Zähler wissen schon länger, dass etwas im argen liegt. Aber nicht nur die Zähler sind mit dem Status Quo unzufrieden …

Meine Meinung

Abgesehen von sehr viel russischer Sozialkritik und diversen Zitaten aus anderen Quellen findet sich sehr gut verpackt in eine wunderbare Geschichte, die nicht so ausgeht wie erwartet, die Entwicklung eines Menschen der vom „Fuhrmann“ zum Helden wird und schliesslich Frieden mit seinem „Schicksal“ und seiner „Bestimmung“ schliesst.
Absolute Empfehlung für alle Fans von tiefgründiger Sci-Fi. Sehr wenig Effekte. Keine Riesenknaller. Dafür gut verpackte Sozialkritik und Anregungen zu Themen wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit …

[Rezi] „Der Zorn der Trolle“ von Christoph Hardebusch

Das Buch:

Der Zorn der Trolle – Christian Hardebusch – ISBN 3-453-52421-7

Zusammenfassung

Kurz: Troll will dauerhaften Frieden und sucht wiedermal die Hilfe der Menschen
Etwas länger: Kerr, nunmehr seit zwanzig Jahren Anführer der Trolle schaut in die Zukunft und fragt sich, was passiert, wenn er nicht mehr da ist und den Frieden zwischen den „gewöhnlichen“ Trollen und Andas Kindern sichern kann. Er fasst einen gewagten Plan: Er will den Dunkelgeist heilen.
Man lernt neue Menschen und Trolle kennen und trifft alte Bekannte wieder, die teilweise zu Höchstform auflaufen. Auch sind z.B. Stens und Sargans Kinder erwachsen und spielen eine wesentliche Rolle.

Meine Meinung

Die Figuren wirken auf mich richtig plastisch, auch die „Teiltwists“, von denen alle mehr oder weniger zum Endresultat beitragen wirken glaubhaft und leider in einem Fall fast zu „knapp“. Aber lest selber, es lohnt sich.