[BdB-Rezi] Bob, der Streuner

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Wieder eine Mischung aus Teilen einer Autobiographie und einem Sachbuch. Autobiographie ist klar warum (Mann während Drogenentzug trifft und hilft Streuner, dem er und der ihm hilft. „Bob, der Streuner“ von James Bowen. Der Bastei Lübbe Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback mit Bob, der gar nicht mehr wie ein Streuner ausschaut, vornedrauf. Es zeigt deutlich, wer aus Sicht des Autors die Hauptperson in diesem Buch ist.

Und so beginnt es:

„Das Glück liegt auf der Strasse, sagt ein Sprichwort. Man muss es nur aufheben. Aber die meisten Menschen gehen achtlos daran vorüber.“

Zusammenfassung

Kurz: Ex Junkie trifft verwahrlosten Kater. Zuerst päppelt er ihn auf, dann umgekehrt.
Etwas länger: James Bowen hat viele Probleme. Eines davon ist seine Vergangenheit. Er ist ein Ex Junkie und hält sich als Strassenmusiker über Wasser. Ich möchte richtig verstanden werden, ich denke tatsächlich, dass das ein beinharter Job sein muss. Jedoch ist er, wie er selbst sagt, selbst schuld an seiner Situation. Auch hier bitte ich, mich nicht misszuverstehen. Genau diese Einstellung macht mir James Bowen sympathisch. Ich finde es schade und wenig hilfreich wenn immer die gleichen Geschichten runtergerasselt werden. Nur man selbst, nein, trägt natürlich keine Schuld. James sieht seine Situation klar vor sich: Wenn sich nicht bald was ändert, ist es nur eine Frage kurzer Zeit, dass es mit ihm zu Ende geht.
Und da trifft er Bob. Bob war zu jenem Zeitpunkt ein kümmerliches Häufchen Elend mit einigen wenigen Fellstellen, grade noch als Katze erkennbar. Und der liegt vor James‘ Wohnungstür. Ja, er wohnt nicht auf der Strasse, immerhin hat er sowas wie ein Einkommen und nimmt am Methadon Programm teil.
James Bowen beschreibt aus seiner Sicht, wie sich die Freundschaft zwischen Bob und ihm entwickelt und wie der Kater einen immer stärkeren und positiven Einfluss auf sein Leben ausübt. Das beginnt bei der Notwendigkeit eines strikten Tagesablaufs (schon mal einen geschlechtsreifen und unkastrierten Kater in der Wohnung gehabt? ) und hört nicht mit Arztbesuchen auf, die James zeigen, dass er gebraucht wird und letztlich sogar Verantwortung übernehmen muss.

Meine Meinung:

Obwohl klar ist, dass James Bowen das Buch nicht ohne Hilfe anderer geschrieben hat (er erwähnt selber an einer Stelle den Schriftsteller, mit dem er zusammengearbeitet hat), ist mir die Schreibe manchmal etwas zu einfach. Nicht die Sprache, die ist sehr gewählt. Herr Bowen legt für einen Strassenmusiker und Ex-Junkie Umgangsformen an den Tag, da könnte sich manch ein Schlipsträger ein paar dicke Scheiben von abschneiden.
Nein, was ich meine sind z.B. häufige Wiederholungen. Der ganze Text wirkt so, als ob nichts geplant ist, James einfach draufloserzählt was ich grade einfällt und der Ghostwriter dann mitschreibt. Und dabei wäre es natürlich natürlich, dass man sich wiederholt, es stört aber trotzdem.
Vom Inhalt kann ich sagen, dass ich solche Geschichten eigentlich schön, wenn zuweilen auch etwas kitschig finde. Nichts desto Trotz ist es schön zu sehen und zu lesen, wie Menschen ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Dass sie dabei vermeintliche oder reale Hilfe von z.B. einer Katze bekommen ist Nebensache. Wichtig ist die Veränderung, die sowohl James als auch Bob, der im übrigen schon länger eine Youtube Berühmtheit ist, durchleben.
Man erlebt viele Hochs und auch einige Tiefs, denn es geht hier um reale Personen. Man schaut nicht nur zu, liesst das Buch und legt es wieder weg.

Fazit:

Für Freund von Katzen und einem guten und nicht allzukitschigen Happy End eine Kaufempfehlung. 4 Sterne.

Bob, der Streuner
Bastei Lübbe / 2013 / 252
James Bowen
ISBN: 978-3-404-60693-1

[BdB-Rezi] Isch geh Schulhof

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Eine Mischung aus Teilen einer Autobiographie, Sachbuch, Zustandsbeschreibung deutscher Schulen in der Hauptstadt und Selbstfindung eines Lehrers, der doch keiner ist. Und irgendwie halt doch. „Isch geh Schulhof“ von Philipp Möller. Der Bastei Lübbe war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback mit einem Jungen im Graffiti Comic Style der auf einem Handy rumtippt oder -spielt. Dieses sehr schön gemachte Cover vermittelt einen guten ersten Eindruck dessen, mit welchen Menschen man es während der nächsten Tage des Lesens hauptsächlich zu tun bekommen wird.

Und so beginnt es:

„Der öffentliche Nahverkehr in Berlin ist immer eine Reise wert. Mit ein bisschen Glück kann man bei einer Fahrt mit den Verkehrsmitteln der Hauptstadt filmreife Szenen erleben.“

Zusammenfassung

Kurz: Herr (oder – Achtung Insider/Spoiler – Frau) Mülla geht freiwillsch Tigergrube. Vallah, dem krasse Typ überlebt.
Etwas länger: Philipp Möller ist Assistent der Schulleitung einer Berliner Schule. Als er dann die Möglichkeit erhält, an genau dieser Schule als Assistenzlehrer anzufangen geht er davon aus, dass es ihm als quasi Insider doch irgendwie leichter fallen müsste, diesen Job zu übernehmen. Er hat sich geirrt. Ohne sich jedoch davon beirren zu lassen zieht er das ganze während zwei unsicheren (welcher Assi Lehrer hat schon einen unbefristeten Vertrag?) Jahren durch. Er mausert sich zu einer Respektsperson für die meist sehr bildungsfernen Kids und findet heraus, dass zumindest einige lernen können und davon widerum einige sogar wollen, wenn man es nur richtig angeht. Aber irgendwann platzt selbst dem nettesten Menschen der Kragen …

Meine Meinung:

Herr Möller bringt seine Weltanschauung immer wieder zum Ausdruck (er ist Atheist), was er auch darf und können soll. Was jedoch unnötig ist, ist die Verunglimpfung jener Anschauungen, die von seiner abweichen bzw. ihrerseits einen Absolutheitsanspruch erheben. Es kam mir manchmal so vor, als ob er Glaube und Religion für die Bildungsmisere verantwortlich machen wolle. Das tut er nicht, und er erwähnt auch die tatsächlichen Gründe wie z.B. Sparwut an den falschen Stellen. Jedoch blieb mir persönlich immer ein schaler Nachgeschmack wenn er wieder mal gegen Religion gewettert hat. Soviel dazu.
Das Buch wird als witzig beworben. Ich musste häufiger den Kopf ob der anscheinend katastrophalen Bildungssituation an offenbar nicht wenigen Schulen schütteln. Lächeln jedoch nur selten, von Lachen ganz zu schweigen. Das, soviel habe ich zwischenzeitlich über den tatsächlichen Einfluss eines Autoren gelernt, ist jedoch kaum Herrn Möllers Schuld.
Der Stil ist dem Thema nicht ganz unangemessen locker, bisweilen flapsig. Ich vermute dahinter den Humor des Verzweifelnden. Jedenfalls wäre es mir sicherlich so ergangen. Eine solche Situation hält man kaum länger als ein halbes Jahr nur mit „Gutmenschsein“ aus. Dazu braucht es vielmehr Humor, ein ungeheuer dickes Fell und einen Glauben daran, dass die Menschen nicht einfach schlecht sind, von dem sich viele gläubige Menschen ein Stück abschneiden können. Obwohl sich Herrn Möllers Weltanschauung überhaupt nicht mit meiner vereinbaren lässt muss und kann ich ihm für seine Leistung Anerkennung zollen. Wenn es mehr solche Lehrer gäbe (geben könnte, denn irgendwer muss sie ja auch bezahlen), sähe es an den Schulen anders aus.

Fazit:

Wer sich einen nicht immer todernsten Überblick über die Zustände an Deutschen Schulen verschaffen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Etwas zurückhaltende Kaufempfehlung und zwischen 3 und 4 von 5 Sternen. Zu 4 hin tendierend.

Isch geh Schulhof
Bastei Lübbe / 2012 / 368
Philipp Möller
ISBN: 978-3-404-60696-2

[SFCh-Rezi] „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Uranus – Deutschsprachige Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»»Ich weiß jetzt, wie man es machen muss, damit alle Menschen reich sind«, sagte Hiroshi. «

Zusammenfassung

Kurz: Die Idee eines armen japanischen Jungen könnte die Armut in der Welt beseitigen
Etwas länger: Beim Schaukeln kommt Hiroshi DIE Idee: Er weiss jetzt – mit rund zehn Jahren – wie man es anstellt, dass alle Menschen reich sind. Ihm ist klar, dass das Problem nicht beim Geld liegt, sondern bei der Arbeit die zu tun ist. Also will er allen Menschen die Möglichkeit geben, nur noch das zu tun, was sie wollen, anstatt das, was sie müssen. Er will sie vom „Zwang der Arbeit“ befreien.
Während der nächsten Jahre trifft man immer wieder auf Hiroshi und Charlotte, in die er sich schon als kleiner Junge verliebt. Jemand hat mal den Vergleich zu „Harry met Sally“ gezogen, der allerdings nur teilweise greift.

Meine Meinung

Was ich bisher über die Bücher von Andreas Eschbach geschrieben habe trifft auf „Herr aller Dinge“ erst recht zu: Es liesst sich fast von selbst etc. 😉
Was mir noch selten am Ende eines Buches überhaupt und am Ende eines Sci-Fi Romans speziell passiert ist war das Augenwasser, das ich nur mit Mühe zurückhalten konnte. Und ich kann nicht mal genau sagen warum. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, die ich hier aber alle nicht anführen kann. Ich werde bestimmt niemandem den Lesespass verderben.
Da ich das Hörbuch gehört und nicht das Hardcover gelesen habe gibt es noch etwas zum Sprecher zu sagen: Ich mag Sascha Rotermund. Er ist zwar nicht mein Favorit, aber es gibt trotzdem Bücher, die können bestimmte Leute nicht richtig rüberbringen. Er macht seine Sache gut und es wird einem nie langweilig beim Zuhören.
Die Figuren im Buch sind so plastisch und real beschrieben, dass ich einen der (oder den) Antihelden nach zwei Sätzen schon nicht ausstehen konnte, was sich bis zum Schluss trotz weniger „Menschlichkeitsanfälle“ nicht mehr änderte. Aber auch die Nebenfiguren, die keine wirklich wichtige Rolle spielen, dennoch nicht wegzudenken sind, sind glaubhaft und wirken nicht eindimensional oder Klischeehaft. Ich dachte bei allen: „Den könnte ich kennen, der ist doch wie …“
Die Sprache ist „angemessen“, soll heissen, dass sie zu den Personen und gegebenheiten passt. Die Hackfresse von reichem Schnösel der noch nie einen Finger krumm machen musste (ausser um den Golfschläger fest zu halten) klingt anders als Hiroshi, der im engen Tokio als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwächst.
Ich mag Bücher, die mich glauben oder zumindest ahnen lassen, dass das doch eigentlich möglich sein müsste/könnte/sollte. Zumindest wünscht man es sich bei diesem Buch, dass es so wäre. Und obwohl ich Happy-Ends fast schon zwingend voraussetze, liebe ich dieses Buch. Okay, es ist raus. Das Buch hat kein Happy-End wie es im Buche steht. Aber das hatte auch das letzte Buch, das ich von Andreas Eschbach gelesen/gehört hatte, nicht. Macht aber nichts, wenn das Ende jeweils SO stimmig ist, dass man sich anschliessend sagt: „Genau so, und nicht anders muss es enden. Alles andere hätte einfach nicht gepasst.“ Und so war es.
Nur eines noch: Es wird innerhalb des Romans schlüssig erklärt, warum alle SETI-Pakete-Rechner-und-Zurückschicker ihre CPU-Zeit sinnvoller verwenden können. 😉

Fazit

Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Kaufen!

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Keine Chance, geht nicht anders.

Herr aller Dinge
Bastei Lübbe (Lübbe Audio) / 2011 / 688 Seiten (23 Std. 46 Min.)
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-785-72429-3

[SFCh-Rezi] „Der letzte seiner Art“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Erde – Erdzentrierte Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Am Samstagmorgen erwachte ich blind und halbseitig gelähmt. Ich bin schon oft blind gewesen und auch schon oft halbseitig gelähmt, aber in letzter Zeit bin ich öfter beides gleichzeitig, und das fängt allmählich an, mir Sorgen zu machen.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein frühpensionierter Cyborg-Super-Marine lebt in einer kleinen irischen Stadt zurückgezogen und friedlich, bis eines Tages jemand nach ihm sucht. Jemand, der nichts von ihm wissen dürfte …
Etwas länger: Duane Fitzgerald hat sich als junger Marine freiwillig für ein hochgeheimes militärisches Experiment gemeldet. Einen Supersoldaten wollten sie aus ihm und noch einigen anderen machen. Was ihnen auch gelang. Duanes Sinne lassen jeden Spürhund vor Neid erblassen, seine Reflexe lassen die Bewegungen einer Raubkatze wie die eines betrunkenen Nilpferds aussehen und bei einem Ringkampf mit ihm würde jeder Grizzly den Kürzeren ziehen. Die Sache hat nur einen Haken: Seine ganzen Superkräfte basieren auf geheimer und höchst experimenteller Technik und er selber wird auch nicht jünger. So hat der „Super-Stahl-Mann“ nicht nur mit den ganz gewöhnlichen Tücken des Alltags zu kämpfen, sondern auch damit, dass er keine gewöhnliche Nahrung mehr zu sich nehmen kann, jedenfalls nicht, wenn er sie bei sich behalten will.
Eines Tages fängt ein Fremder an im Ort Fragen nach ihm zu stellen und ihn zu suchen. Zuerst versucht Duane den Fremden zu meiden, was ihm dank seiner Sinne und Fähigkeiten auch gelingt. Aber dann laufen sich die beiden doch über den Weg, was für den Fremden letztlich den Tod bedeutet.

Meine Meinung

Die Bücher von Andreas Eschbach die ich bisher gelesen habe lasen sich alle fast von selbst. Sie sind so geschrieben, wie ich ein Buch auch schreiben wollte: Ohne Füllmaterial. Und es gibt keinen Deus ex machina, das Ende ist schlüssig und wenn man es genau nimmt das einzig wirklich stimmige und überhaupt mögliche Ende, falls man bei einem Sci-Fi Roman von „möglich“ als Kriterium sprechen kann, handelt es sich hierbei doch nicht um „Hard-SF“.
Man wird zu Beginn der Geschichte gleich mitten in den Alltag von Duane geworfen und gewinnt dadurch möglicherweise den Eindruck, dass dem Buch was abginge, wird doch gleich offen dargelegt, dass Duane Fitzgerald ein Cyborg ist. Da der Weg, wie der Leser in die Geschichte mit hineingenommen wird aber ein wenig offensichtlicher ist macht es auch nichts, einige Details schon vorher zu kennen. Einzig an einer Stelle war ich ein kleines bisschen „enttäuscht“, weil ich sofort gewusst habe, was diese Situation zu bedeuten hat. Von diesem kleinen Mangel abgesehen – Ja, ich finde es nunmal schade wenn ich vorher weiss, was passieren wird – ist es ein sehr leicht und flüssig zu lesendes Buch mit einer guten Geschichte und plastischen Charakteren. So weiss ich genau wie der Bruder der Frau, die Duane, seit er in Irland lebt, aus der Ferne anhimmelt, aussieht. Oder ich sehe den Gesichtsausdruck einer der Feinde von Duane im Moment, in dem er realsiert, mit wem er es hier zu tun hat.

Fazit

Falls es noch nicht rausgekommen ist hier im Klartext: Kaufen und lesen! Das Buch hat etwas mehr als 350 Seiten und liesst sich weg wie nichts.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 10/10
Handlung: 8/10 Wegen dieser einen Sache da …
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Der letzte seiner Art
Bastei Lübbe / 2005 / 352 Seiten
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-404-15305-3