[Rezi] „Die Maschinen“ von Ann Leckie

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Der Autor

Über Ann Leckie kann ich überhaupt nichts sagen, bisher war sie mir völlig unbekannt.

Das Buch

Ein dickes Paperback mit einer Androidin vorne drauf.

Und so beginnt es:

„Vorbemerkung des Übersetzers
Sehr geehrte Leser dieses Buches!
Sind Sie der Ansicht, dass ich Sie mit dieser Anrede korrekt angesprochen habe? Oder fühlen Sie sich ausgeschlossen, weil Sie weiblichen Geschlechts sind und finden, dass ich mich nur an die Leser, sondern auch an die Leserinnen dieses Buches hätte wenden sollen? Diese Frage wird im Zuge des Gender-Mainstreaming und der Bemühungen zur Gleichstellung seit Jahren zum Teil leidenschaftlich debattiert.“

Zusammenfassung

Kurz: Die Avatardronin eines Kampfschiffes a.D. streift durch eine verschneite Ödnis
Etwas länger: Die Protagonistin wechselt beim Erzählen immer zwischen jetzt und damals hin und her. Damals war sie noch eine/die Drone eines Kampfschiffes, heute ist sie frei und findet eine alte Vorgesetzte halbtot im Schnee liegen und rettet diese, deren biologisches Geschlecht männlich ist.

Stil:

Die konsequente Verwendung eines generischen Femininums ist zuerst nur ungewohnt und anstrengend zu lesen, dann nur noch angstrengend. Irgendwann gewöhnt man sich vermutlich daran. Ich konnte es nicht.

Figuren:

Das ist noch das interessanteste, wenn auch verwirrendste. Man ist nämlich nie wirklich sicher, ob die jeweilige Figur nun männlich oder weiblich ist. Generisches grammatikalisches Geschlecht hin oder her, wenn man nicht weiss, von wem und wovon grade die Rede ist, dann ist es einfach nur zäh und mühsam.

Sprache:

Über die Sprache lässt sich nicht viel sagen, weil ich dauernd über „Leutnantin“ und „die dort, die mit dem Bart“ oder so ähnlich gestolpert bin.

Fazit:

Es sollte wohl ein Experiment sein. Möglicherweise ist es auch gelungen. Ich kann nichts dazu sagen ausser, dass es die ersten 105 Seiten einfach nur sterbenslangweilig ist. Die Preise, die dieses Buch gewonnen hat kann ich mir nur dadurch erklären, dass es da jemand gewagt hat, gegen den Mainstream anzugehen. Dafür gibt es auch den zweiten Stern. Zu mehr kann ich mich nicht aufraffen. Immerhin habe ich dem Buch mehr als die üblichen 10 % gegeben um mich zu packen. Es hat es auch nach 20 % nicht geschafft. Sorry Frau Leckie, nicht mein Fall. Möglich aber auch, dass es in der Deutschen Übersetzung erst so schlimm wurde. Im Original mag es noch angehen, aber auf Deutsch ist dieses Buch nicht lesbar, auch wenn ich den Hut vor der Leistung des Übersetzers ziehe. Das eine hat mit dem anderen in diesem Fall nichts zu tun.
Von mir 2 von 5 Sternen und leider keine Kaufempfehlung.

Die Maschinen
Heyne / 2015 / 544
Ann Leckie
ISBN: 978-3-4533-1636-2

[Rezi] „Die Zeitverschwörung 1 – Imperator“ von Stephen Baxter

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

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Der Autor

Stephen Baxter hat, soweit ich das bisher in Erfahrung bringen konnte, viele wissenschaftlich dominierte Science-Fiction Romane geschrieben. Manchmal mit anderen Autoren zusammen, manchmal – so wie hier – auch alleine. Letztere gefallen mir besser. Die Schreibe von Herrn Baxter ist flüssig und die wissenschaftliche Informationsdichte überschaubar. Genug, dass ein bisschen was hängen bleibt, aber auch nicht so viel, dass man das Buch gelangweilt und an tröge Schulstunden erinnert zur Seite legt.

Das Buch

Da ich dieses Mal ein E-Book bekommen habe kann ich zu einer Papier-Variante nicht viel sagen. Das E-Book ist auf jeden Fall klar gegliedert und man kommt über den Index in jedes Kapitel. Es gibt keine 3D-Animationen und auch keine nervigen „Helfer“ in einer der Ecken die mir durch das Buch helfen wollen. Es ist schliesslich einfach ein Buch, halt nicht auf Papier gedruckt.

Und so beginnt es:

„Es war ein schwerer Tag, an dem Bricas Kind, Cunovics Neffe, sich ins Leben quälte, ein schwerer, langer Tag der Geburt und des Todes. Und es war der Tag, wie Cunovic später glaubte, an dem die eisigen Finger des Webers an den Fäden des Zeitteppichs zu zupfen begannen.“

Zusammenfassung

Kurz: Eine Prophezeiung begleitet viele Generationen einer Familie.
Etwas länger: Nectovelins Mutter schreit unter Geburtsschmerzen eine sechzehn-zeilige Prophetie in lateinischer Sprache. Das wäre weiter nicht verwunderlich, könnte sie Latein. Als stolze Brigantin vor der grossen Invastion der Insel ist sie dieser Sprache aber nicht mächtig. Diese Prophezeiung zieht sich durch das Leben vieler Menschen die ihrer Familie entstammen. Manche lassen sich davon bestimmen, andere versuchen das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden.

Stil:

Stephen Baxter schreibt flüssig und „geschmeidig“. Soll heissen: Man liesst den Text und ohne dass man es merkt, lernt man noch was dabei. Z.B. dass der Wall, den Hadrian errichten liess nichts mit dem Vorgartenmäuerchen zu tun hatte, das heute die engste Stelle Schottlands ziert. Oder über die Entstehung des Christentums, aus der Sicht von Römern und Eroberten Völkern.
Der Text kommt nie Oberlehrerhaft daher, aber auch nicht seicht. Man ist dabei, wie ein Imperium sich seinem Zenith nähert und ihn teilweise überschreitet. Man „erlebt“ Geschichte und spürt das auch. Legt man das Buch zur Seite nachdem man es beendet hat, muss man sich erst wieder im Hier und Jetzt zurechtfinden. Jedenfalls ein bisschen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft. Vom totalen Ekelpaket über den Sklaven der freigekauft wurde und sich nur langsam einem normalen Leben nähert bis zu den Imperatoren, alle kommen sie völlig authentisch rüber. Man kauft ihnen ihre Freude, ihr Leid und ihre Zweifel, aber auch ihre Überzeugungen ab. Das was sie antreibt, könnte auch die Triebfeder für unser eigenes Handeln sein, insofern sind sie absolut realistisch und nicht bloss eindimensional.

Sprache:

Die Dialoge sind kurz, aber nicht zu knapp. Beschrieben wird einiges, da sehr viel Geschichte thematisiert wird. Aber das fällt nicht negativ auf. Handlung gibt es genug und die und auch die Stimmung der Charaktere wird durch die Sprache sehr klar rübergebracht. Ansonsten ist die Sprache unauffällig. Wenn jemand im Buch davon spricht, dass eine der Figuren „einfaches Latein“ spräche, dann kann ich mir darunter nur wenig vorstellen. Ausser vielleicht wenn man eine „gewählte und an Vokabeln reiche und reichhaltige Sprache“ dem „Gesabbel von einem Proll“ gegenüberstellen würde. Möglich, dass sowas damit gemeint ist.

Fazit:

Von mir 5 von 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung. Und die Hoffnung, dass Band 2 – 4 in ähnlicher Weise weitergehen und nicht so enden wie die Zeit-Odyssee, die Baxter mit Arthur C. Clarke zusammen geschrieben hatte und deren Schluss auf den letzten Zeilen ermordet wurde. Aber das ist eine andere Rezi die erst noch geschrieben werden muss.

Die Zeitverschwörung 1 – Imperator
Heyne / 2015 / 576
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-7645-3129-4

[Rezi] „Redshirts“ von John Scalzi

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Heyne direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Das Cover zeigt, was der Titel verspricht: Ein Redshirt der UU.

Und so beginnt es:

„Fähnrich Tom Davis hockte auf einem großen Felsblock und blickte quer durch die weitläufige Höhle zu Captain Lucius Abernathy, Wissenschaftsoffizier Q’eeng und Chefingenieur Paul West, die auf einem zweiten, noch größeren Felsblock saßen, und dachte: Das ist echt scheiße.

Zusammenfassung

Kurz: Ein Fähnrich auf dem Flagschiff merkt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist und geht dem nach.
Etwas länger: Andrew Dahl wird auf das Flagschiff der UU, der Universalen Union, versetzt. Und zuerst deutet er das als grossen Gewinn für seine Karriere. Aber dann merkt er, dass unter bestimmten Voraussetzungen bei Aussenmissionen verdächtig häufig und auf seltsame Weise Crewmitglieder ums Leben kommen. Er geht der Sache nach.

Stil:

Wenn einem nicht bereits (wie mir) gespoilert wurde, worum es in dem Buch geht, dann verwirren die Dialoge auf den ersten paar Seiten schon sehr. Man denkt sich: „Eigentlich kann der Salzi doch schreiben, was fabriziert er denn hier für eine Sch schlechte Dialoge. Erst als Andrew Dahl, der Protagonist, dahinter zu kommen scheint was hier los ist, bessert sich das, werden die Dialoge flüssiger und das Lesen geht auch leichter von der Hand.

Dass das Buch weitergeht, nachdem es zuende ist, aber doch nicht, mag für den einen oder anderen verwirrend sein. Ich fand den Schluss äusserst gelungen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft und „echt“. Man möge die leichte ironische Anspielung verzeihen, wenn man es gelesen hat, wird man es verstehen. Einzig der Protagonist kam mir manchmal etwas zu … entspannt vor. Mir fällt kein besseres Wort dafür ein. Fast so, als ob er wüsste was als nächstes geschieht.

Sprache:

Typisch für John Scalzi ist die Sprache: Locker, leicht zu lesen. Die Dialoge sind flüssig und man fliegt eigentlich nie aus dem Fluss wegen irgendwelcher unpassender Wörter oder seltsamen Konstruktionen.

Fazit:

Eines der wenigen Sci-Fi Bücher, abgesehen von eineinigen von Andreas Eschbach, das mich nachdenklich zurückliess und mir die Wahl des nächsten Buches sehr schwer machte. Bis kurz vor Schluss dachte ich: „Jaja, nette Geschichte und gut geschrieben.“ Aber da steckt meiner Meinung nach viel mehr drin. Z.B. wird einem Autoren gezeigt, wie wehleidig die Aussage „Ach ich kann nicht schreiben, ich habe eine Schreibblockade.“ häufig rüberkommt. Und zwar einfach darum, weil es in den allermeisten Fällen eine Ausrede ist. Eine Ausrede dafür, dass das Problem meist woanders als bei der angeblich blockierten Kreativität liegt.

Weiter sind die philosophischen Momente, wenn sie auch letztlich dem „Autor“ als Schreibblockadenausrede dienen, äusserst interessant. Wenn man Philosophie auf populärwissenschaftlichem Niveau steht.

Alles in allem kann ich sagen: Wer Scalzi mag und den einen oder anderen Insider aus Star Trek kennt, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.

5 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Redshirts

Redshirts
Heyne / 2012 / 432
John Scalzi
ISBN: 978-3-45352-995-3

[BdB-Rezi] Ready Player One

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Ein Roman, und zwar einer der nostalgischen Sorte. „Ready Player One“ von Ernest Cline. Der Penhaligon Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

… ist ein Hardcover. Schon mal ein Plus. Ich liebe Hardcover. Ich weiss, was ein gebundenes Buch – zumindest wenn man es von Hand macht – für einen Aufwand bedeutet. Das Coverbild macht gleich klar worauf man sich einlässt: Eine Reise ins Meer der Nostalgie der 80-er Jahre.

Und so beginnt es:

„Jeder in meinem Alter erinnert sich daran, wo er war und was er gerade getan hat, als er zum ersten Mal von dem Wettbewerb hörte. Ich sass in meinem Versteck und schaute Zeichentrickfilme, als mir der Newsfeed dazwischenfunkte: In der vergangenen Nacht war James Halliday gestorben.“

Zusammenfassung

Kurz: Ein Teenager geht auf die Suche nach einem Easter Egg.
Etwas länger: Wade Owen Watts (wie Herr Cline wohl auf diese Initialen gekommen sein mag? 😉 ) lebt zwar, hat aber nicht wirklich ein Leben. Zumindest nicht in der Realität. Denn da gibt es nicht viel, für das es sich zu leben lohnt. Aber in der OASIS, einer virtuellen Realität, da tobt bald wieder die Suche nach einem unglaublichen Schatz. Und Wade, auch bekannt als Parzival, ist ein Jäger. Ein Jäger des unglaublichen Schatzes. Einer von vielen.

Meine Meinung:

Ich bin ja ein Kind der 80-er, und daher komme ich nicht umhin, von diesem Buch zu schwärmen. So viele Erinnerungen wurden wach, die meisten davon gut. Herr Cline zaubert die „gute alte Zeit“ zwischen zwei Buchdeckeln hervor. Beim Lesen habe ich häufig gedacht: „Ja, genau, so war es!“. Mit am besten gefiel mir die Szene, in der Parzival zu seinen drei Mitstreitern dazustösst und wie sie sich gemeinsam dem Feind entgegenstellen. Die Beschreibung dieses Ereignisses stellt so manch heroisch-gut-gemeintes in den Schatten.
Und die Ideen, die Rätsel, die vielen kleinen Anspielungen, einfach Herrlich.

Fazit:

Unbedingte Kaufempfehlung. 5 von 5 Sternen. PUNKT!

Ready Player One
Penhaligon Verlag / 2012 / 512 Seiten
Ernest Cline
ISBN: 978-3-764-53090-7

[SFCh-Rezi] „Spektrum“ von Sergej Lukianenko

Die Station:

Merkur – „Junge“ Sci-Fi

Und so beginnt es:

»Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren.
Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Privatdedektiv sucht nach einem verschollenen Mädchen und stösst dabei auf deren sieben.
Etwas länger: Martin Dugin hat sich auf das Auffinden von vermissten Personen spezialisiert. „Vermisst“ bedeutet hierbei, dass ihnen keine Geschichte einfällt, die den „Schliessern“ gefällt.

Meine Meinung

Die Idee Geschichten als Bezahlung für die Passage durch Tore, die interstellare Reisen ermöglichen ist vielleicht nicht total originell. Ähnliches mag es schon gegeben haben. Dass aber Martin Dugin, ein „Läufer“ (einer der wie mühelos Geschichten aus dem Ärmel schüttel die den Schliessern gefallen), auf der Suche nach einem Mädchen gleich deren sieben findet und zum Schluss vor eine ungeheuer schwere Entscheidung gestellt wird, weil er neben all den sieben Versionen des einen Mädchens, eine Art „Stein der Weisen“ im Quadrat, findet.
Viel Sci-Fi, keine Raumschiffe und -schlachten, interessante Aliens, manchmal provokante Anspielungen, all das und noch mehr bekommt man in diesem Buch, das ich mir wie einige andere meiner Challenge-Bücher als Hörbuch reingezogen habe.
Die Geschichte ist spannend und nicht vorhersehbar. Die Figuren sind plastisch und haben zu Beginn der Geschichte mehr als genug Potential, das während der Geschichte gut, aber nicht vollständig, ausgeschöpft wird. Und die Sprache wirkt, wie soll ich sagen, zu Beginn etwas gestelzt. Das legt sich aber mit der Zeit, und da es bei dem Buch ja auch um Geschichten geht, verträgt es einen etwas ungewöhnlichen Umgang mit der Sprache sehr gut.
Zum Buch kann ich soviel nicht sagen, aber ich mag David Nathan als Sprecher.

Fazit

Kauf- und Hörempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Spektrum
Heyne / 2007 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Das Kantaki Universum – Diamant“ von Andreas Brandhorst

Die Station:

Venus – Soft Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Sol-System
17. September 2075
Mutter Rrirk stakte in den Pilotendom, den Raum, der das Zentrum der
hyperdimensionalen Struktur ihres Schiffes bildete. Flüsternde und
raunende Stimmen begleiteten sie, kamen sowohl von den vielen
Segmenten des Schiffes, durch die Bindungskräfte existenzieller
Harmonie zusammengehalten, als auch aus dem Transraum und seinen
zahllosen Fäden, die sich zwischen allem Existierendem spannten.«

Zusammenfassung

Kurz: Das Schicksal zweier Menschen hängt zusammen und von ihm hängt das Schicksal des Universums ab.
Etwas länger: Lidia DiKastro will Xeno-Archäologie studieren und Rungard Avar Valdorian, der Magnatensohn und künftiger Führer einer der beiden grossen Wirtschaftsmächte im von Menschen besiedelten Raum verliebt sich in sie.

Meine Meinung

Zuerst könnte man tatsächlich meinen, es gehe um die Beziehung dieser beiden enorm gegensätzlichen Menschen. Denn Lidia entdeckt, dass sie über „die Gabe“ verfügt. Sie lässt sich zur Kantaki-Pilotin ausbilden und so trennen sich die Wege der zwei Liebenden. Allerdings sind ihre Schicksale derart miteinander verknüpft, wie es noch nicht mal der nichts dem Zufall überlassende Valdorian ahnt. Er denkt, er zieht sämtliche Fäden. Er ist aber auch sonst ziemlich egozentrisch.
Ganz anders Lidia. Sie ist eine Träumerin. Sie möchte das Universum sehen. All die Wunder die es birgt. Deswegen wird sie Kantaki-Pilotin, weil die Kantaki, eines der ganz alten Völker, gewissermassen „ausserhalb“ der Zeit leben.
Glücklicherweise verzichtet Andreas Brandhorst darauf, sich zu sehr in technischen Details zu verlieren. Er beschreibt die Geschichte, den Wandel den zwei Personen durchleben. Wobei sich beide nicht wirklich „ändern“, ihre charakterlichen Grundzüge treten aber während dieses ersten von drei Bändern immer deutlicher hervor. Immerhin umfasst das Buch einen Zeitraum von etwa 120 Jahren.
Die Figuren sind zu beginn ganz normal, fast ein wenig langweilig. Sie werden jedoch wie gesagt im Laufe der Geschichte immer plastischer und glaubhafter.
Was mich am Stil etwas gestört hat war, dass Herr Brandohrst stark zu Wiederholungen zu neigen scheint. Er wiederholt sich, zwar nicht oft, aber einige Themen, Begriffe, Situationen werden von ihm immer mal wieder wiederholt. 😉
Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern das Hörbuch gehört. Zu Beginn hatte ich Mühe mit Ernst Meincke, dem Sprecher, fand ihn langweilig. Aber das Buch oder die Geschichte, die Personen sind das zu Beginn auch. Mit Fortschreiten der Geschichte verschwindet auch dieser Eindruck.

Fazit

Ich bin grade dabei, „Metamorph“, den zweiten Band der Kantaki-Trilogie zu hören und werde mir auch den drittel Teil noch bei Audible besorgen. Zu Deutsch: Kaufempfehlung.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 8/10
Figuren: 9/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Das Kantaki Universum – Diamant
Heyne / 2006 / 589 Seiten – Audible / 2008 / 11h 20m
Andreas Brandhorst
ISBN: 978-3-453-87901-0

[SFCh-Rezi] „Solaris“ von Stanislaw Lem

Die Station:

Sonne – Klassische Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»Um neunzehn Uhr Bordzeit stieg ich, vorbei an den Leuten, die den Schacht umstanden, über die Metallsprossen ins Innere der Kapsel hinab. Drinnen war gerade genug Platz, um die Ellbogen wegzuspreizen. Sobald ich das Ende in die Leitung geschraubt hatte, die aus der Wand hervorstand, blähte sich der Raumanzug auf, und von nun an konnte ich nicht die kleinste Bewegung mehr ausführen. Ich stand — oder hing vielmehr — im Luftbett, mit der Metallhülle in eins verfugt.«

Zusammenfassung

Kurz: Ein Psychologe soll den Wahnsinn auf einer Station auf einem Planeten mit vermeintlich intelligentem See untersuchen,
Etwas länger: dabei trifft er seine Jugendliebe, die gar nicht seine Jugendliebe, sondern eine immer komplexer werdende Kopie, aufgebaut aus einem den Forschern bis dato unbekannten Material – und darum auch beinahe unsterblich – ist.

Meine Meinung

Es ist schwierig ehrlich über ein Buch zu schreiben, das zehn Jahre älter ist als man selber und sich dabei nicht all die lieben Menschen um einen herum zu Feinden zu machen, die dieses Buch so toll finden. Am einfachsten liesse sich das bewerkstelligen – und vermutlich auch dahingehend, dass ich mir den einen oder anderen Bekannten und/oder Freund bewharen kann – indem ich ein vielsagendes Satzzeichen für mich sprechen lasse. Nämlich das Fragezeichen. Denn genau das ist es, was mir heute morgen, als ich das Buch endlich zu Ende gelesen hatte, vor meinem geistigen Auge schwebte. Man schaut sich dieses Buch an und denkt sich: „Pha, 288 Seiten, das liesst sich ja weg wie nichts.“ Denkt man sich. Weit gefehlt. Ich sass fast zwei Wochen daran. Vereinzelt hat es mir zu hervorragendem Schlaf verholfen, und das unter gänzlichem Verzicht auf entsprechende pharamzeutische Hilfsmittel.
Dabei war noch nicht mal die für meine Ohren etwas altbacken wirkende Sprache das grösste Problem. Das kann ja im Gegenteil sogar gar reizvoll sein. Nur wenn ich manchmal über eine halbe Seite hinweg nicht weiss, wer denn jetzt spricht und ob er überhaupt noch spricht, oder schon wieder denkt, Selbstgespräche führt oder als Erzähler auftritt, dann empfinde ich das vorsichtig ausgedrückt als mühsam.
Die Figuren wirkten auf mich seltsam behäbig, unlogisch und handelten für mich oft nicht nachvollziehbar. Sie hatten „zu wenig Fleisch“ an den Knochen. Wer oder was genau ist nun diese Frau und warum hat sie gemacht was sie zum Schluss gemacht hat?
Die Sprache ist wie schon erwähnt über 50 Jahre alt, was aber kein Nachteil sein muss. Allerdings scheint mir die Kombination aus über 50 Jahre altem Polnisch und einer Übersetzung ins Deutsche irgendwann zwischen damals und jetzt in ein über 50 Jahre altes Deutsch keine gute Vorasussetzung für einen Lesegenuss im Hier und Jetzt zu sein. Zu Deutsch: Ich mag keinen deutschen Text ins Deutsche übersetzen wenn ich einen Roman lese.
Zum Schluss: Was hat bitteschön „Solaris“ mit Sci-Fi zu tun? Überall bekomme ich um die Ohren geschmissen, das Buch wäre ein Klassiker der Sci-Fi. Ich denke, die meisten die solcherlei Unsinn verzapfen haben das Buch im Besten Falle als Staubfänger im Regal stehen, mitnichten jedoch jemals lesenderweise sich zu Gemüte geführt.

Fazit

Leider keine Kaufempfehlung. Herr Lem hätte sich meiner Meinung nach lieber als Philosoph und/oder Lyriker betätigt.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 6/10
Figuren: 6/10
Handlung: 2/10
Schlusswertung: 5/10 Punkte

Solaris
List / 2006 / 288 Seiten
Stanislaw Lem
ISBN: 978-3-548-60611-8

[SFCh-Rezi] „Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust-Zyklus)“ von Frank Borsch

Die Station:

Jupiter – Space Operas

Und so beginnt es:

»Sterne glitzern, malen unbekannte Bilder in den Himmel einer fremden Welt.
Der alte Mann sitzt auf einem Felsen. Tau ist auf seinem weißen Bart gefroren, doch er friert nicht. Eine Superintelligenz kann nicht frieren.«

Zusammenfassung

Kurz: Perry Rhodan beschaut sich ein riesiges Weltraum-Artefakt und zieht die Menschheit in einen Konflikt mit technologisch weit fortgeschrittenen Aliens,
Etwas länger: aus dem er sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit durch Standfestigkeit, Direktheit, Ehrlichkeit, Mut, den Glauben an das Gute im Menschen oder allen Freunden der Menschen und noch vielem mehr, wieder herausholt.

Meine Meinung

Ich bin noch nicht bis zum Ende des Stardust-Zyklus vorgestoosen, werde das aber noch nachholen. Was sich aber für mich aus Band 2500 abgezeichnet hat ist die Art und Weise, wie die PR Autoren sich dem Thema nähern. Scheinbar immer zu einem kleinen Scherz aufgelegt. Zumindest ist das der Eindruck, den man von der Lektüre von „Projekt Saturn“ und den folgenden Heften gewinnen kann, nicht zwingend muss.
Die Sprache ist zumindest in Band 2500 ziemlich flapsig finde ich. Vielleicht kommt das aber auch nur durch den Sprecher, der wie ich finde seine Sache sehr gut macht, so rüber. Der Stil sowohl der Sprache als auch des Inhalts (man kennt in „Pistolen gebannte Sonnen„, aber nicht mehr als fünf (5) Dimensionen?) ist passend, aber nicht sehr konsistent finde ich. Wenn schon technologische Anpassungen an die heutige Zeit, dann bitte auch wissenschaftliche. Sonst erinner mich das immer an Flash Gordon und den Wunderkerzen-Antrieb.
Die Handlung ist natürlich eingebettet ins PR-Universum. Man lernt sogar – wenn nicht schon von früher bekannt – ES kennen. Überhaupt gefällt mir die Art und Weise, wie erzählt wird: Nicht zu knapp, nicht zu detailliert und langatmig. Eigentlich wie man es erwartet. Und das ist gut so, seit nunmehr über 50 Jahren. Muss also was dran sein.
Über den ganzen Startdust Zyklus kann ich noch nicht viel sagen, aber was ich bisher gehört und gesehen habe gefällt mir gut.

Fazit

Kaufen oder sich das gratis Hörbuch des Heftes 2500 bei Audible ziehen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 8/10
Handlung: 9/10
Schlusswertung: 9/10 Punkte

Perry Rhodan – 2500 – Projekt Saturn (Stardust Zyklus
Pabel-Moewig Verlag / 2009 / 700 Seiten – Audible / 2007 / 22h 39m
Sergej Lukianenko
ISBN: 978-3-453-52233-6

[SFCh-Rezi] „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach

Die Station:

Uranus – Deutschsprachige Sci-Fi.

Und so beginnt es:

»»Ich weiß jetzt, wie man es machen muss, damit alle Menschen reich sind«, sagte Hiroshi. «

Zusammenfassung

Kurz: Die Idee eines armen japanischen Jungen könnte die Armut in der Welt beseitigen
Etwas länger: Beim Schaukeln kommt Hiroshi DIE Idee: Er weiss jetzt – mit rund zehn Jahren – wie man es anstellt, dass alle Menschen reich sind. Ihm ist klar, dass das Problem nicht beim Geld liegt, sondern bei der Arbeit die zu tun ist. Also will er allen Menschen die Möglichkeit geben, nur noch das zu tun, was sie wollen, anstatt das, was sie müssen. Er will sie vom „Zwang der Arbeit“ befreien.
Während der nächsten Jahre trifft man immer wieder auf Hiroshi und Charlotte, in die er sich schon als kleiner Junge verliebt. Jemand hat mal den Vergleich zu „Harry met Sally“ gezogen, der allerdings nur teilweise greift.

Meine Meinung

Was ich bisher über die Bücher von Andreas Eschbach geschrieben habe trifft auf „Herr aller Dinge“ erst recht zu: Es liesst sich fast von selbst etc. 😉
Was mir noch selten am Ende eines Buches überhaupt und am Ende eines Sci-Fi Romans speziell passiert ist war das Augenwasser, das ich nur mit Mühe zurückhalten konnte. Und ich kann nicht mal genau sagen warum. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, die ich hier aber alle nicht anführen kann. Ich werde bestimmt niemandem den Lesespass verderben.
Da ich das Hörbuch gehört und nicht das Hardcover gelesen habe gibt es noch etwas zum Sprecher zu sagen: Ich mag Sascha Rotermund. Er ist zwar nicht mein Favorit, aber es gibt trotzdem Bücher, die können bestimmte Leute nicht richtig rüberbringen. Er macht seine Sache gut und es wird einem nie langweilig beim Zuhören.
Die Figuren im Buch sind so plastisch und real beschrieben, dass ich einen der (oder den) Antihelden nach zwei Sätzen schon nicht ausstehen konnte, was sich bis zum Schluss trotz weniger „Menschlichkeitsanfälle“ nicht mehr änderte. Aber auch die Nebenfiguren, die keine wirklich wichtige Rolle spielen, dennoch nicht wegzudenken sind, sind glaubhaft und wirken nicht eindimensional oder Klischeehaft. Ich dachte bei allen: „Den könnte ich kennen, der ist doch wie …“
Die Sprache ist „angemessen“, soll heissen, dass sie zu den Personen und gegebenheiten passt. Die Hackfresse von reichem Schnösel der noch nie einen Finger krumm machen musste (ausser um den Golfschläger fest zu halten) klingt anders als Hiroshi, der im engen Tokio als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwächst.
Ich mag Bücher, die mich glauben oder zumindest ahnen lassen, dass das doch eigentlich möglich sein müsste/könnte/sollte. Zumindest wünscht man es sich bei diesem Buch, dass es so wäre. Und obwohl ich Happy-Ends fast schon zwingend voraussetze, liebe ich dieses Buch. Okay, es ist raus. Das Buch hat kein Happy-End wie es im Buche steht. Aber das hatte auch das letzte Buch, das ich von Andreas Eschbach gelesen/gehört hatte, nicht. Macht aber nichts, wenn das Ende jeweils SO stimmig ist, dass man sich anschliessend sagt: „Genau so, und nicht anders muss es enden. Alles andere hätte einfach nicht gepasst.“ Und so war es.
Nur eines noch: Es wird innerhalb des Romans schlüssig erklärt, warum alle SETI-Pakete-Rechner-und-Zurückschicker ihre CPU-Zeit sinnvoller verwenden können. 😉

Fazit

Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Kaufen!

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 10/10
Figuren: 10/10
Handlung: 10/10
Schlusswertung: 10/10 Punkte Keine Chance, geht nicht anders.

Herr aller Dinge
Bastei Lübbe (Lübbe Audio) / 2011 / 688 Seiten (23 Std. 46 Min.)
Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-785-72429-3

[SFCh-Rezi] „Zeitschiffe“ von Stephen Baxter

Die Station:

Neptun – Mehrweltengeschichten.

Und so beginnt es:

»Am Freitagmorgen nach meiner Rückkehr aus der Zukunft erwachte ich lange nach Sonnenaufgang aus einem tiefen und traumlosen Schlaf.«

Zusammenfassung

Kurz: Fortsetzung der „Zeitmaschine“ von H.G. Wells.
Etwas länger: Der Zeitreisende auf seiner zweiten, dritten, … n-ten Reise durch die Zeit(en). Das Buch fängt da an, wo jenes von Wells aufhört. Der Zeitreisende macht sich wieder auf in die Zukunft um Weena vor ihrem Schicksal zu retten. Das misslingt ihm aber, weil er unterwegs merkt, dass er sich in einer anderen Zukunft befindet. Wie vom Blitz getroffen stoppt er die Reise vorzeitig und trifft wie beim ersten Mal auf Morlocks. Allerdings sind die anders.
Auf seinen Reisen trifft er auch auf frühere Ichs, kämpft gegen die zwangsläufigen Bösewichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Meine Meinung

Die Sprache wirkt manchmal etwas gekünstelt altbacken (es handelt sich zwar um die „Fortsetzung“ der Zeitmaschine, aber übertreiben braucht mans nicht), die Figuren – vor allem der Zeitreisende – scheinen etwas arg borniert zu sein (waren die Leute im auslaufenden 19. Jahrhundert so?) und die Handlung … Naja, es ist halt eine Zeitreise- und Mehrweltgeschichte. Das sind einfach zwei streitbare Themengebiete. Trotz all dem Spekulativen finde ich die Art und Weise, wie Stephen Baxter, bzw. der unbekannte Autor, dieses Dillema gelöst hat sehr schön.

Fazit

Wer denkt, er habe schon alles zum Thema Zeitreisen gelesen sollte sich „Zeitschiffe“ zu Gemüte führen. Durch den Einbezug von multiplen Historien lässt sich das grosse bisherige Paradoxon („Was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Grossvater töte?“) nicht nur lösen, es ist einfach nicht mehr existent. Aber spätestens wenns ans richtig Eingemachte geht merkt man, dass Zeitreisen halt eben doch nicht ohne „Probleme“ bewerkstelligt werden können.
Mein Fazit: Empfehlung zum Kauf und zum Lesen.

Gesamteindruck

Sprache / Stil: 9/10
Figuren: 7/10
Handlung: 8/10
Schlusswertung: 8/10 Punkte

Titelbild "Zeitschiffe" von Stephen Baxter

Zeitschiffe
Heyne / 2004 / 731 Seiten
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-453-21091-2