[Rezi] „Bibliothek der Träume“ von Lynn Austin

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag der Francke-Buchhandlung direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback. Vorne drauf sieht man eine junge Frau die die Heldin sein könnte und unten die Berge Kentuckys.

Und so beginnt es:

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde niemand es lesen. Die Leute würden sagen, es sei zu langweilig, zu vorhersehbar. Eine Geschichte, wie sie schon tausend Mal erzählt wurde. Aber ich war mit meinem Leben ganz und gar zufrieden – bis die hinteren Seiten aus meiner Geschichte herausgerissen wurden, bevor ich die Gelegenheit hatte, glücklich bis an mein Lebensende zu leben.“

Zusammenfassung

Kurz: Junge Frau aus einer Stadt im Flachland verschlägt es in die Berge Kentuckys, wo sie auf die Welt kommt.
Etwas länger: Alice Ripley ist Pfarrerstochter und von Beruf Bibliothekarin. Sie hatte bisher ein behütetes Leben und wird aufgrund der Weltwirtschaftskrise arbeitslos. Weil sie ein Gutmensch ist beschliesst sie, eine Büchersammlung zu organisieren und die Bücher gleich selbstzu den bedürftigen Menschen in Kentucky zu bringen. Womit sie jedoch nicht rechnet ist, dass sie länger dort bleibt als geplant. Und das hat für sie gravierende Folgen auf den weiteren Verlauf ihres Lebens.

Stil:

Es wird aus der Perspektive der Protagonistin geschrieben. Vieles bekommt man nicht mit bei dem man nicht weiss, ob das jetzt wichtig wäre. In so gut wie jedem Fall stellt es sich im Nachhinein heraus, dass es gepasst hat. Die Schreibe ist flüssig, einzig die relativ häufigen Wiederholungen der Selbstüberzeugungsversuche von Alice, dass sie ja sowieso bald wieder heimgeht, fangen irgendwann an zu nerven.

Figuren:

Alice Ripley: Sie ist eine behütet aufgewachsene, total blauäugige Büchernärrin die kein eigenes Leben hat. Sie durchlebt viel lieber die Abenteuer in den Büchern. Das geht ihrem Freund irgendwann so auf die Nerven, dass er mit ihr Schluss macht. Sie versteht überhaupt nicht wieso und man will sie auf jeder zweiten Seite an den Schultern packen und schütteln. Aber mit der Zeit setzt eine Veränderung ein. Diese ist langsam genug um glaubhaft zu sein.

Mack: Die „Bibliothekarin“ mit der Alice vereinbart die Bücher nach Acorn in Kentucky zu bringen, ist trotz ihres Namens Leslie ein Mann. Und die beiden mögen sich überhaupt nicht. Bis auf eine Kleinigkeit: Mack liebt Bücher genauso sehr wie Alice.

Miss Lillie: Eine ehemalige Sklavin, Ziehmutter von Mack und die treibende Kraft hinter der nun beginnenden Geschichte von Alice‘ Leben. Sie ist mit ihren über 100 Jahren schon sehr alt, hat aber einen klaren und scharfen Verstand und was fast noch wichtiger ist, einen natürlichen und unerschütterlichen Glauben an Gott. Im Gegensatz zur Alice, die bisher lediglich fromme Pflichten erfüllt hatte.

Auch die anderen Figuren werden sehr schön beschrieben, man kauft der Autorin die Figuren ab. Sie sind stimmig und individuell. Obwohl ich einige Zeit brauchte, bis ich sie alle auseinander halten konnte.

Sprache:

Die Sprache ist angepasst. Sie ist nicht „altertümlich“ und flüssig zu lesen. Und man spürt schön die Stimmungen der einzelnen Personen heraus.

Fazit:

Es ist klar, dass in einem christlichen Buch Gott eine Rolle spielt, eigentlich sogar eine sehr zentrale. Die Autorin begeht aber nie den Fehler, mit erhobenem Zeigefinger eine Botschaft rüberbringen zu wollen. Die Aussage des Buches ist vollkommen klar, der „christliche Anteil“ daran unterstreicht sie auf natürliche Weise.

Da ich die Autorin bisher noch nicht kenne kann ich nichts zu ihr sagen. Aber dieses Buch hat mir gefallen und wer eine spannende und soweit ich es beurteilen kann gut recherchierte Geschichte aus dem Amerika der Weltwirtschaftskrise lesen möchte ist mit diesem Buch gut beraten.

4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Bibliothek-der-Träume

Die Bibliothek der Träume
Francke-Buchhandlung / 2012 / 427
Lynn Austin
ISBN: 978-3-868-27302-1

[Rezi] „Das Haus der Geschichten“ von Thomas Franke

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Gerth Medien direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Das Buch kommt in einem unspektakulären braunen Hardcover daher. Aber der Schutzumschlag ist gelungen. Man kann ihn nämlich wenden, dann kommt statt einem Raum der voll mit Büchern ist eine … ach schaut doch selber. 🙂

Und so beginnt es:

„Das Holz des Tisches war sehr alt. Dunkle Flecken und abgewetzte Stellen zeugten von einem regen Gebrauch des Möbelstücks. Die Abendsonne fiel schräg durch das Fenster aus welligem Glas und liess feinen Staub wie winzige Glühwürmchen über einem Stapel alter Pergamente tanzen. Der Lichteinfall offenbarte ein bizarres Muster konzentrischer Kreise, die verschiedenste Tassen im Laufe von mehr als zweihundertachtzig Jahren auf dem Schreibtisch hinterlassen hatten. Und die hagere, faltige Hand, die den Federhalter in das Tintenfässchen tauchte, schien nicht weniger arm an Jahren zu sein. Der schwere alte Stuhl knarzte, als der Mann sich in dem ausgebeulten Lederpolster zurechtsetzte und zu schreiben begann.“

Zusammenfassung

Kurz: Arbeitsloser Fantasyautor wird Assistenz-Antiquar und ändert sein Leben
Etwas länger: Marvin Heider ist Agnostiker und bekommt nach mehr als einem Dutzend vermittelter Jobs sowas wie seine letzte Chance. Es wird ein Liebhaber von Büchern und Geschichten gesucht. Passt genau, schliesslich ist Marvin eigentlich Schriftsteller von Fantasygeschichten. Er lernt den Inhaber kennen und mag ihn sofort. So wie Rasmus-Salomo Eichdorff ihm begegnet fängt seine atheistische Überzeugung langsam an Risse zu bekommen und er hinterfragt Dinge, die er 30 Jahre lang für selbstverständlich und vollkommen logisch gehalten hatte.

Stil:

Das Haus der Geschichten ist eine Mischung aus Geschichte und einzelnen Kurzgeschichten, die sich nahtlos in den Roman einfügen. Es ist flüssig und humorvoll geschrieben und kommt, obschon es nie einen Hehl daraus macht ein christlicher Roman zu sein, gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger aus. Ich hatte nie das Gefühl belehrt zu werden. Eine sehr sympathische Art wirklich wichtige Inhalte zu transportieren. Dem Autor scheint viel an Namen zu liegen. Bei einigen seiner Kurzgeschichtenfiguren konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Figuren:

Die drei Protagonisten sind glaubhaft und sympathisch. Man möchte gerne mit allen dreien befreundet sein. Obwohl es keinen wirklichen Antagonisten gibt, zumindest habe ich keinen ausfindig machen können, ist die Geschichte nie langweilig und die Figuren entwickeln sich nachvollziehbar.

Sprache:

Flüssig und gut zu lesen. Thomas Franke verzichtet auf Kanaanäische Floskeln genauso wie auf irgendwelchen Slang. Die Sprache transportiert den Inhalt so, dass man das Buch bei gelegentlichem Lesen problemlos in einer Woche durchhat. Das ist jedoch – obwohl ein Qualitätsmerkmal – sehr schade. Es ist eines der Bücher die man gerne gleich nochmal lesen würde, aber ohne die Erinnerung daran, was drin steht.

Fazit:

Anders als die meisten Bücher hinterlässt „Das Haus der Geschichten“ nicht nur die Erinnerung an schöne Momente und die Sehnsucht nach weiteren solchen. Man kann es nicht einfach zuklappen und denken oder sagen: „Boah, ein gutes Buch, wo ist das nächste?“. Es liess mich sehr nachdenklich zurück und ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie ich wohl so eine narratorische Apotheke aufziehen könnte.
Ach so, das Buch: 5 von 5 Sternen und absolute Kaufempfehlung. Nicht nur aber auch und vor allem für solche die glauben, an nichts zu glauben. Für so manchen Christen auch sehr empfehlenswert. Nicht als Zeigefinger, sondern als offene Hand, als Möglichkeit.

Coverbild_DasHausderGeschichten

Das Haus der Geschichten
Gerth Medien GmbH / 2010 / 284
Thomas Franke
ISBN: 978-3-86591-572-6