[Rezi] „Asphalt – Ein Fall für Julia Wagner“ von Axel Hollmann

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Midnight direkt. Man kann dort auf der Seite sehr komfortabel den gewünschten Shop wählen. Oder man geht direkt zu Amazon

Das Buch

Es ist ein e-book. Aber nicht einfach eine Datei mit Text, nein nein nein. Zuerst ist da mal das Cover. Bevor es an die Veröffentlichung ging wurden wir, also die potentiellen Leser, gefragt, welches der zwei vom Verlag vorgeschlagenen uns denn besser gefiele. Jo, und das schönere von beiden wurde es dann auch. Finde ich nett, da ein bisschen mitreden zu können. Dann der erweiterte Inhalt, mit Fotos der Schauplätze usw. Finde ich eine gute Idee. Und das alles ans Ende des Buches zu packen finde ich grad nochmal sehr schön.

Und so beginnt es:

„Die Villa, in der Reinhard Behnke verschwunden war, befand sich im vornehmen Berlin-Grunewald, einem Viertel der Rechtsanwälte und Steuerberater. Ich hätte zu gern gewusst, was sich dort drinnen abspielte, allerdings waren die Fenster im Erdgeschoss vergittert und die samtenen Vorhänge sorgfältig zugezogen. ein einziges Fenster im Obergeschoss stand einen Spalt weit offen. Von dort fiel ein Lichtstrahl auf die steinerne Brüstung eines Balkons. Vor einer Weile hatte ich Gläserklirren und Gelächter gehört, jetzt aber war alles still.“

Zusammenfassung

Kurz: Ehemalige Kriminalkommissarin versucht sich als Fotoreporterin und gerät in Schwierigkeiten.
Etwas länger: Julia Wagner hat sich nicht den leichtesten Job ausgesucht. Nachdem sie ihre Karriere als Kommissarin bei der Kriminalpolizei geschmissen hatte, versucht sie Fotos zu schiessen und an eine lokale Sensationszeitung zu verkaufen. Das gelingt mal gut, mal schlecht. Im Zuge ihrer Recherchen trifft sie alte Bekannte wieder und gerät dabei zwischen die Fronten, oder Räder. Motorräder um genau zu sein. Sie legt sich dabei mit einer ganzen Motorradgang an und auch einige Personen aus ihrer Vergangenheit tauchen wieder auf. Nicht immer ist sie ihnen gegenüber wohlgesonnen.

Stil:

Man merkt, auch ohne selbst je einen solchen gelesen zu haben, sehr deutlich, dass Axel Hollmann schon den einen oder anderen Hardboiled Krimi gelesen hat. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Knappe Sätze, rasches Tempo, was halt dazu gehört um die Spannung nie ganz abfallen zu lassen.
Was mich gestört hat ist das Lektorat, da sind der lesenden Person beim Verlag ein paar Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Und es sind immer die gleichen.

Figuren:

Also, das ist nicht leicht. Persönlich möchte ich keinen der Figuren aus dem Roman kennen. Julia ist eine Zicke, ein launisches Persönchen der man irgendwie gar nichts recht machen kann. Aber sie ist stimmig. Sie ist selbständig, hat einen starken Gerechtigkeitssinn und ist hart im Nehmen. Und im Austeilen. Die anderen Figuren verblassen ein bisschen neben ihr. Aber das mag in einem Hardboiled Krimi so sein, ich kenne mich da zu wenig aus.

Sprache:

Mit einem Wort: Flapsig. Aber das passt. Sie ist eine unkonventionelle Person die ein Leben führt das alles nur nicht spiessig oder „normal“ ist. Und bestimmt nicht langweilig. Die Sprache ist manchmal auch etwas derb oder hart, aber man hat nie das Gefühl, dass die Wortwahl ein Mittel zur Effekthascherei ist. Sie passt und gehört dahin und muss so sein. PUNKT.

Fazit:

Wer auf Krimis steht, und Hardboiled dazu, dem rate ich es zu kaufen. Was man für den Preis bekommt, sucht man zwischen zwei Deckeln häufig vergebens. Oder halt eben zum zehnfachen Preis. Es ist gute und kurzweilige Unterhaltung und man lernt sogar noch ein bisschen was über die verschiedensten Jiu-Jitsu Techniken, Griffe, Würfe, Schläge, Tritte, Mentalität im Dojo etc. dazu. Der Autor übt es entweder selber aus oder er hat sehr ausführlich in diese Richtung recherchiert. Das ist keine Ironie, die Angaben sind korrekt, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu spezifisch. 😉
Ach so, das Buch: 4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung. Das Buch selber ist gut, mich haben aber die Fehler (vor allem in der zweiten Hälfte) und das Fachjapanisch ein bisschen aus dem Lesefluss herausgerissen.

Titelbild "Asphalt - Ein Fall für Julia Wagner" von Axel Hollmann

Asphalt – Ein Fall für Julia Wagner
Midnight by Ullstein / 2014 / 416
Axel Hollmann
ISBN: 978-3-95819-002-3

[Rezi] „Das Haus der Geschichten“ von Thomas Franke

Zu Kaufen gibt es dieses Buch bei Gerth Medien direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Das Buch kommt in einem unspektakulären braunen Hardcover daher. Aber der Schutzumschlag ist gelungen. Man kann ihn nämlich wenden, dann kommt statt einem Raum der voll mit Büchern ist eine … ach schaut doch selber. 🙂

Und so beginnt es:

„Das Holz des Tisches war sehr alt. Dunkle Flecken und abgewetzte Stellen zeugten von einem regen Gebrauch des Möbelstücks. Die Abendsonne fiel schräg durch das Fenster aus welligem Glas und liess feinen Staub wie winzige Glühwürmchen über einem Stapel alter Pergamente tanzen. Der Lichteinfall offenbarte ein bizarres Muster konzentrischer Kreise, die verschiedenste Tassen im Laufe von mehr als zweihundertachtzig Jahren auf dem Schreibtisch hinterlassen hatten. Und die hagere, faltige Hand, die den Federhalter in das Tintenfässchen tauchte, schien nicht weniger arm an Jahren zu sein. Der schwere alte Stuhl knarzte, als der Mann sich in dem ausgebeulten Lederpolster zurechtsetzte und zu schreiben begann.“

Zusammenfassung

Kurz: Arbeitsloser Fantasyautor wird Assistenz-Antiquar und ändert sein Leben
Etwas länger: Marvin Heider ist Agnostiker und bekommt nach mehr als einem Dutzend vermittelter Jobs sowas wie seine letzte Chance. Es wird ein Liebhaber von Büchern und Geschichten gesucht. Passt genau, schliesslich ist Marvin eigentlich Schriftsteller von Fantasygeschichten. Er lernt den Inhaber kennen und mag ihn sofort. So wie Rasmus-Salomo Eichdorff ihm begegnet fängt seine atheistische Überzeugung langsam an Risse zu bekommen und er hinterfragt Dinge, die er 30 Jahre lang für selbstverständlich und vollkommen logisch gehalten hatte.

Stil:

Das Haus der Geschichten ist eine Mischung aus Geschichte und einzelnen Kurzgeschichten, die sich nahtlos in den Roman einfügen. Es ist flüssig und humorvoll geschrieben und kommt, obschon es nie einen Hehl daraus macht ein christlicher Roman zu sein, gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger aus. Ich hatte nie das Gefühl belehrt zu werden. Eine sehr sympathische Art wirklich wichtige Inhalte zu transportieren. Dem Autor scheint viel an Namen zu liegen. Bei einigen seiner Kurzgeschichtenfiguren konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Figuren:

Die drei Protagonisten sind glaubhaft und sympathisch. Man möchte gerne mit allen dreien befreundet sein. Obwohl es keinen wirklichen Antagonisten gibt, zumindest habe ich keinen ausfindig machen können, ist die Geschichte nie langweilig und die Figuren entwickeln sich nachvollziehbar.

Sprache:

Flüssig und gut zu lesen. Thomas Franke verzichtet auf Kanaanäische Floskeln genauso wie auf irgendwelchen Slang. Die Sprache transportiert den Inhalt so, dass man das Buch bei gelegentlichem Lesen problemlos in einer Woche durchhat. Das ist jedoch – obwohl ein Qualitätsmerkmal – sehr schade. Es ist eines der Bücher die man gerne gleich nochmal lesen würde, aber ohne die Erinnerung daran, was drin steht.

Fazit:

Anders als die meisten Bücher hinterlässt „Das Haus der Geschichten“ nicht nur die Erinnerung an schöne Momente und die Sehnsucht nach weiteren solchen. Man kann es nicht einfach zuklappen und denken oder sagen: „Boah, ein gutes Buch, wo ist das nächste?“. Es liess mich sehr nachdenklich zurück und ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie ich wohl so eine narratorische Apotheke aufziehen könnte.
Ach so, das Buch: 5 von 5 Sternen und absolute Kaufempfehlung. Nicht nur aber auch und vor allem für solche die glauben, an nichts zu glauben. Für so manchen Christen auch sehr empfehlenswert. Nicht als Zeigefinger, sondern als offene Hand, als Möglichkeit.

Coverbild_DasHausderGeschichten

Das Haus der Geschichten
Gerth Medien GmbH / 2010 / 284
Thomas Franke
ISBN: 978-3-86591-572-6

Buchblogger 2014

Ja, warum auch nicht? 6 x während einem Jahr ein Buch nach Wahl? Das klingt doch nicht schlecht. Also, mitgemacht:

 

Beltz & Gelberg startet in Zusammenarbeit mit Blogg dein Buch ein ganz besonderes Gewinnspiel! Alle Teilnehmer haben die Möglichkeit, Karen Foxlees „Das Mitternachtskleid“ exklusiv vor Erscheinen in den Händen zu halten. Und damit nicht genug: Am Ende wird Beltz & Gelberg seinen offiziellen Buchblogger des Jahres 2014 küren, auf den dann tolle Preise warten!

Und darum geht´s: Rose Lovell braucht keine Freunde. Rose hat niemals irgendwo dazu gehört. Doch als sie mit ihrem Vater, der vor dem Leben flieht, in diesem Kaff an der Pazifikküste Australiens strandet, trifft sie auf die unvergleichliche Pearl Kelly, die alles überstrahlt. Von ihr lässt sich Rose überreden, auf dem Ball der Zuckerrohrernte mitzumachen, dem alle Mädchen entgegenfiebern. Und so lernt Rose die alte Edi Baker kennen, gemeinsam nähen sie das nachtblau schimmernde Traumkleid, mit dem Rose die Schönste sein wird. Stich für Stich hört Rose von Edis Geheimnissen und dem verborgenen Baumhaus, das einst ein Liebesnest war. Erst am Schluss dieses Romans erfährt man von dem Unglück, das passiert ist und alles verändert… 

Dann hoffen wir mal, dass da was bei rauskommt.

Ihr gönnt mir das nicht und wollt selber mitmachen? Gerne, je mehr desto besser! Denn nur wenn so etwas eine gewisse Masse erreicht kann es weiter bestehen. Also, auf und bewerbt euch bei Blogg dein Buch.

 

[BdB-Rezi] ZERO. Sie wissen, was du tust

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

„ZERO. Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg. Der Blanvalet Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Ein Hardcover. Das Titelbild ist nett, hat für mein Verständnis aber wenig mit dem Thema des Buches zu tun. Was mir hingegen sehr gefällt ist der Vorsatz. Es ist nicht aufdringlich, aber die Nullen und Einsen haben was mit dem Inhalt zu tun. Kommt gut.

Der Autor

Marc Elsberg war mir bis dato gänzlich unbekannt. Was hauptsächlich damit zusammenhängt, dass meine Lesevorlieben woanders liegen. Aber lassen wir ihn doch selber zu Wort kommen.

Und so beginnt es:

„Peekaboo777:
Alle bereit? Danach gibt es für keinen von uns mehr einen sicheren Platz auf der Welt.“

Zusammenfassung

Kurz: Sie wissen nicht nur was du tust, sondern auch was du tun wirst.
Etwas länger: Wem kann man noch trauen in einer Gesellschaft, in der jeder alles über jeden in Erfahrung bringen kann? Nachdem Cynthia auf eine Gruppe von Internetaktivisten angesetzt wurde beginnt sie sich das auch zu fragen. Es geschehen seltsame Dinge, Zufälle, ohne ersichtlichen Zusammenhang. Als Printjournalistin bei einer britischen Tageszeitung ist sie es jedoch gewohnt, unter die Oberfläche zu schauen. Was sie dort findet ist nicht nur brisant, sondern auch gefährlich. Gefährlich für sie und ihre Lieben. Gefährlich für alle. Und plötzlich erhält sie Hilfe von unerwarteter Seite.

Stil:

Kurz und knapp, wie ein guter Thriller anscheinend sein muss. Ich kenne mich mit Thrillern nicht so gut aus, aber wenn ich ein 480 Seiten Buch in knapp vier Tagen während des Arbeitsweges und der Mittagspause durchhabe, muss der Autor irgendwas richtig gemacht haben.

Figuren:

DAS hat mir besonders gefallen. Sie sind glaubhaft. Echt. Die alleinerziehende Mutter, die Tochter, der Antagonist, die „Sekundärbösewichte der 3-Buchstabenbehörden“, ZERO. Einfach toll. Und auch die Entwicklung die z.B. Cynthia und Viola durchmachen ist nachvollziehbar und glaubhaft. Auch was die Figuren ausmacht, wie sie sich verhalten ist, zumindest bei den Perspektivfiguren, sehr gut gemacht. Die, bei denen das nicht so ist, sind zwar nicht bloss Lückenfüller, aber sie verblassen im Vergleich zu Cyn, Vi, Eddie und Carl. Vielleicht konnte ich deshalb den Stabschef lange nicht vom FBI Vizedirektor unterscheiden.

Sprache:

Man hört die einzelnen und unterschiedlichen Figuren. Man erkennt den Unterschied zwischen 18-jährigem Mädchen und Journalistin eines totgesagten Mediums oder dem Typen mit seiner Persönlichkeitsstörung. Sollte ich jemals einen Thriller schreiben wollen habe ich nun ein gutes Beispiel an dem ich mich orientieren kann.

Fazit:

Ich überlege, ob ich den Schulen in die meine Kiddies gehen werden dieses Buch nicht als Pflichtlektüre empfehlen soll.

Ein echter Augenöffner. Für jeden der denkt, er hätte nichts zu verbergen und auch für alle anderen: Kaufempfehlung! Aber ich muss das ja nicht empfehlen, ich weiss ja bereits, dass ihr es wollt. 5 von 5 Sternen.

ZERO. Sie wissen, was du tust
Blanvalet / 2014 / 480
Marc Elsberg
ISBN: 978-3-7645-0492-2

[BdB-Rezi] Bob, der Streuner

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

Wieder eine Mischung aus Teilen einer Autobiographie und einem Sachbuch. Autobiographie ist klar warum (Mann während Drogenentzug trifft und hilft Streuner, dem er und der ihm hilft. „Bob, der Streuner“ von James Bowen. Der Bastei Lübbe Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback mit Bob, der gar nicht mehr wie ein Streuner ausschaut, vornedrauf. Es zeigt deutlich, wer aus Sicht des Autors die Hauptperson in diesem Buch ist.

Und so beginnt es:

„Das Glück liegt auf der Strasse, sagt ein Sprichwort. Man muss es nur aufheben. Aber die meisten Menschen gehen achtlos daran vorüber.“

Zusammenfassung

Kurz: Ex Junkie trifft verwahrlosten Kater. Zuerst päppelt er ihn auf, dann umgekehrt.
Etwas länger: James Bowen hat viele Probleme. Eines davon ist seine Vergangenheit. Er ist ein Ex Junkie und hält sich als Strassenmusiker über Wasser. Ich möchte richtig verstanden werden, ich denke tatsächlich, dass das ein beinharter Job sein muss. Jedoch ist er, wie er selbst sagt, selbst schuld an seiner Situation. Auch hier bitte ich, mich nicht misszuverstehen. Genau diese Einstellung macht mir James Bowen sympathisch. Ich finde es schade und wenig hilfreich wenn immer die gleichen Geschichten runtergerasselt werden. Nur man selbst, nein, trägt natürlich keine Schuld. James sieht seine Situation klar vor sich: Wenn sich nicht bald was ändert, ist es nur eine Frage kurzer Zeit, dass es mit ihm zu Ende geht.
Und da trifft er Bob. Bob war zu jenem Zeitpunkt ein kümmerliches Häufchen Elend mit einigen wenigen Fellstellen, grade noch als Katze erkennbar. Und der liegt vor James‘ Wohnungstür. Ja, er wohnt nicht auf der Strasse, immerhin hat er sowas wie ein Einkommen und nimmt am Methadon Programm teil.
James Bowen beschreibt aus seiner Sicht, wie sich die Freundschaft zwischen Bob und ihm entwickelt und wie der Kater einen immer stärkeren und positiven Einfluss auf sein Leben ausübt. Das beginnt bei der Notwendigkeit eines strikten Tagesablaufs (schon mal einen geschlechtsreifen und unkastrierten Kater in der Wohnung gehabt? ) und hört nicht mit Arztbesuchen auf, die James zeigen, dass er gebraucht wird und letztlich sogar Verantwortung übernehmen muss.

Meine Meinung:

Obwohl klar ist, dass James Bowen das Buch nicht ohne Hilfe anderer geschrieben hat (er erwähnt selber an einer Stelle den Schriftsteller, mit dem er zusammengearbeitet hat), ist mir die Schreibe manchmal etwas zu einfach. Nicht die Sprache, die ist sehr gewählt. Herr Bowen legt für einen Strassenmusiker und Ex-Junkie Umgangsformen an den Tag, da könnte sich manch ein Schlipsträger ein paar dicke Scheiben von abschneiden.
Nein, was ich meine sind z.B. häufige Wiederholungen. Der ganze Text wirkt so, als ob nichts geplant ist, James einfach draufloserzählt was ich grade einfällt und der Ghostwriter dann mitschreibt. Und dabei wäre es natürlich natürlich, dass man sich wiederholt, es stört aber trotzdem.
Vom Inhalt kann ich sagen, dass ich solche Geschichten eigentlich schön, wenn zuweilen auch etwas kitschig finde. Nichts desto Trotz ist es schön zu sehen und zu lesen, wie Menschen ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Dass sie dabei vermeintliche oder reale Hilfe von z.B. einer Katze bekommen ist Nebensache. Wichtig ist die Veränderung, die sowohl James als auch Bob, der im übrigen schon länger eine Youtube Berühmtheit ist, durchleben.
Man erlebt viele Hochs und auch einige Tiefs, denn es geht hier um reale Personen. Man schaut nicht nur zu, liesst das Buch und legt es wieder weg.

Fazit:

Für Freund von Katzen und einem guten und nicht allzukitschigen Happy End eine Kaufempfehlung. 4 Sterne.

Bob, der Streuner
Bastei Lübbe / 2013 / 252
James Bowen
ISBN: 978-3-404-60693-1

Buchbastelprojekt Nr. 1: Buchbox

Vor einiger Zeit habe ich mal gesehen, wie jemand eine Art Blumentopf auf Treppenstufen „ausgestellt“ hatte. Es sah tatsächlich so aus, als wäre das ganze eine Art Outdoor Galerie. Soweit ja nichts allzu ungewöhnliches. Diese „Blumentöpfe“ waren aber – sonst würde ich hier kaum darüber schreiben – Bücher. Einfach aussen die Seiten verleimt, innen ein Loch rausgeschnitten (das ist nicht so einfach wie ich gelernt habe), mit Plastikfolie ausgekleidet und die Planze mit ausreichend Erde in das Loch. Sah ein bisschen „vintage artig“ aus. Gefiel mir sehr gut.

Kurz darauf bin ich in der Bücherbrocky (da gibt es gebrauchte Bücher zwischen 2.- und 5.-, je nach Grösse und Art) fündig geworden. Bücher mit schönen Einbänden, Buchrücken etc. sollten es sein. Ein paar grosse Exemplare habe ich gefunden, auch eine potentielle iPad Mini Hülle war dabei.

Und natürlich noch dieses:

Erster Buchbox Versuch

Es ist eine gute Mischung aus schönem Einband und (für mich) nichts sagendem Inhalt.

Einen Arbeitsschritt zurück sieht es etwa so aus:

Leim auf den Seiten

Der Leim wird rund herum auf den Buchblock aufgebracht und gleichmässig verteilt. Die Idee dahinter war, dem Buchblock für das anschliessende Ausschneiden mehr Stabilität zu verleihen. Und ich habe mir auch eingeredet es wäre auf diese Weise einfacher die einzelnen Seiten auszuschneiden. … Kann ich mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen.

Damit der Buchblock keine Wellen schlägt und er natürlich auch schön zusammen bleibt, muss das ganze in die Presse. In meinem Fall unter das Brett und ein weiteres (verleimtes) Buch.

Verleimter Buchblock in der Presse

Ohne Worte.

Leimfinger

Vor langer Zeit habe ich mir mal ein Buchbinder(Papier)- und ein Kartonmesser zugelegt. Man kann das natürlich auch mit dem Japanmesser machen, aber ich denke, dass dieses hier das gewönliche Japan-Teppich-Abbrechklingen-Messer bezüglich Schärfe und Komfort deutlich in den Schatten stellt. Durch die lange schlanke Klinge kann man sehr schön unsaubere Stellen auf dem Papier beseitigen.

Buchbindermesser während einer Pause

Und hier sieht man, was dem scharfen Stück Stahl zum Opfer fiel: Potentielles Dekorationsmaterial.

Was dabei "raus" kommt

Die nächsten Schritte, zu denen es noch keine Bilder gibt sind das Glätten der Innenkanten und das Verleimen der selbigen. Dann wird das Vorsatzpapier noch draufgeklebt und vorsichtig entlang des Loches ausgeschnitten. Das soll dazu dienen, die Oberseite der geöffneten Box nicht so abgerissen wirken zu lassen.

Das Buch ist zwischenzeitlich wieder unter dem Holzbrett. Sobald es raus ist, alles verleimt wurde und die letzten Handgriffe getätigt wurden folgen die letzten Bilder. Da ich in zwei Wochen eine kleine Präsentation über mein Hobby geben muss und dies hier als etwas aussergewöhnlicheres Beispielobjekt herhalten soll muss es bis dahin fertig sein. BTW: Kennt jemand eine Seite mit Deutsch/Englischem Buchbinder Vokabular? Dann würde ich mich sehr über diese Info freuen.

Update: Die Buchbox ist fertig!

Nachdem die Seiten alle ausgeschnitten und auch von innen mit Leim verklebt waren, wurde die erste Seite nach dem Vorsatzpapier draufgeklebt. Der Grund ist ganz einfach: Es soll einen schönen Abschluss geben. Man soll nicht jeden noch so kleinen Schnitzer gleich erkennen. Das sah dann so aus:

Abgedeckte "Buchbox"

Nun muss ganz vorsichtig entlang der „Wand“ der Buchbox die draufgeklebte Seite ausgeschnitten werden, schliesslich will man ja etwas in das Ding hineinlegen. Dabei ist Vorsicht geboten, weil der gewünschte Effekt (schöne Abdeckung) sonst hinfällig wird.

Die ersten Schnitte in der Abdeckung

Fertig! So sieht die Buchbox mit geöffnetem Deckel aus.

Fertig!

[Rezi] „Kreativ mit der Matrix“ von Richard Norden

Zusammenfassung

Kurz: Ein Schreibratgeber, der sich einem „kleinen“ aber wichtigen Gebiet annimmt.
Etwas länger: Es geht wie der Titel schon sagt um Kreativität und wie man sie mit Hilfe von einfachen Techniken ankurbeln kann.

Meine Meinung

Ich muss gestehen, dass ich mir nicht das ganze e-book durchgelesen habe, nur den Teil, der mir im Moment grade für mich wichtig erscheint: Die Einleitung und Kurzgeschichten. Das mag dem einen oder anderen zwar als brotlose Kunst erscheinen, aber ich habe da soviele Ideen im Kopf die einfach nicht vorwärts zu gehen scheinen, dass ich mir gedacht habe, ich schau mir diesen kleinen Ratgeber mal an. Und ich muss sagen, die Ideen darin haben mich überzeugt.

Die Grundidee ist so simpel wie genial: Verbinde Bekanntes immer wieder neu miteinander. Allerdings geht das Buch etwas über diese Grundidee hinaus. Es erklärt nämlich, wie diese Matrix funktioniert, wie man sie handhabt, woher sie stammt, wie sie sich entwickelt hat.

Der Autor geht kurz und knapp, aber hinreichend ausführlich auf das Thema ein. So muss ein solches Buch sein. Kein Ballast, direkt zum Ziel.

Fazit

Grundsätzlich mangelt es ja nicht an Ideen. Aber manchmal kann es nicht schaden, diese frisch zu beleben. Dafür ist dieses e-book ideal.
Empfehlung: Kaufen und Lesen. Die rund € 3.- die dieses E-Book kostet sind eine lohnende Investition.

Titelbild "Kreativ mit der Matrix" von Richard Norden

Kreativ mit der Matrix
Amazon (Kindle Edidtion) / 2013 / ca. 58 Seiten
Richard Norden

[BdB-Rezi] Jesus

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

„Jesus“ von Timothy Keller. Teils nacherzählte und erklärte Biographie, teils Lehrbuch.

Der Brunnen-Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt (siehe link oben) oder auch bei Amazon

Das Buch

Ein Hardcover mit ziemlich auffälligem weissem Schutzumschlag. Die Vorderseite wird von zwei sehr markanten „Dingen“ gekrönt: Dem Namen Jesus (dem Titel des Buches) und einem Teil der Dornenkrone.

Und so beginnt es:

„Zu meiner Überraschung ist dem historischen Jesus in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten ein zunehmendes Interesse zuteilgeworden.“

Zusammenfassung

Kurz: Jesus war ein Mann der Tat, nicht nur des Wortes.
Etwas länger: Wenn man Markus, einen Zeitgenossen von Petrus und dessen Schreiber / Sekretär zu Wort kommen lässt und sich mit diesen Worten intensiver beschäftigt merkt man schnell, dass Jesus nicht nur schöne Worte zu bieten hatte, sondern tat was er predigte. Diese Taten zeigt Timothy Keller der Reihe nach auf. Auf 250 Seiten vollbringt der Autor das Kunststück stichhaltige Belege für die Echtheit der Schilderungen im Markus Evangelium vorzubringen. Auch zeigt er auf, dass es zumindest äusserst unwahrscheinlich ist, dass damals nicht passierte was geschrieben steht. Viele der Stationen im Markus Evangelium, bzw. wie sie beleuchtet wurden werfen ein wohltuend realitätsbezogenes Licht auf Jesus. Der war kein abgehobener Guru oder ein religiöser Haarspalter. Er stand im Leben und zeigt uns, wie wir das unsere leben können und sollen, nämlich als Täter des Wortes Gottes.

Meine Meinung:

Ich höre oft Sätze wie „Ja natürlich, gewiss war er ein grosser Lehrer. Das bestreite ich ja gar nicht. Aber Gottes Sohn? Oder gar Gott selbst? Das zu glauben ist doch ein bisschen zuviel verlangt.“ oder „Wahrheit ist überall gleich, warum masst sich das Christentum (nicht etwa die Bibel oder Jesus) an, die Wahrheit für sich alleine gepachtet zu haben?“ Ist das so? Wer beim Namen Jesus ähnliches denkt, für den ist dieses Buch genau das Richtige. Aber Vorsicht, er oder sie könnte – bei unvoreingenommenem Geist – eines Besseren belehrt werden. Für wen Jesus der Erlöser ist, dem kann dieses Buch eine schöne neue Sichtweise auf den Sohn Gottes vermitteln. Eine wahrhaft lebendige Sichtweise. Denn genau das ist er, und das kommt in diesem Buch wunderbar durch: Lebendig. Und wer lebendig ist, der tut auch was. Nicht bloss atmen und verdauen.
Mich hat das Buch wieder angespornt, zu tun. Nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, sondern mir Jesus als Beispiel und Vorbild zu nehmen. Er war friedfertig und langmütig. Das will ich auch sein. Er hat dort, wo es angebracht war, die Peitsche geschwungen, Tische umgeworfen und die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel getrieben. Nun, am Temperament mangelt es vielleicht nicht, nur möchte ich es richtig kanalisiert wissen. Wie das geht? Der erste Schritt ist ganz einfach: Folge Jesus. Und dann wird es spannend. Glaubst du nicht? Dann habe ich für den Moment zwei Leseempfehlungen: Dieses Buch und DAS Buch. Du weisst schon, das meistverkaufte, von dem es (Teil)Übersetzungen in mehreren tausend Sprachen gibt und in vielen Haushalten traurig vor sich hinstaubt.

Fazit:

Kaufen, was sonst?

Jesus
Brunnen-Verlag / 2012 / 250 Seiten
Timothy Keller
ISBN: 978-3-765-51224-7

Buchbindeprojekt Nr. 2: Restauration „Am Fluss unter den Weiden“

Das hier wird auch nicht leicht.

Hier in Bild 1 sieht man den defekten Rücken
Am-Fluss-unter-den-Weiden001

Bild 2 zeigt ein paar der losen Seiten
Am-Fluss-unter-den-Weiden002

Auf Bild 3 sieht man die Versuche, eine einzelne lose Seite am Buch zu befestigen. Es wurden dazu Klebebandschleifen verwendet. Es hat gehalten, aber ich hoffe ich kriege sie ohne die Seite zu beschädigen wieder runter.
Am-Fluss-unter-den-Weiden003

Klar, ich könnte einfach den Rücken ganz wegschneiden und ihn z.B. durch einen Leinenrücken ersetzen. Ich wollte halt soviel Originalmaterial bewahren wie möglich.

Bei Tulibri.de habe ich eine Anleitung gefunden, wie ich zumindest einen Kompromiss herbeiführen könnte. Ich werde mir heute mal ein Übungsbuch besorgen und diese Teilrestaurierung in Angriff nehmen. Hoffentlich klappt das. Schliesslich soll das Buch noch ein paar Mal vorgelesen werden.

Bleiben dann nur noch die losen Seiten.

Buchbindeprojekt Nr. 1: Fotoalbum

In Bild 1 sieht man die losen, aber bereits in der Mitte gefalteten Bögen
Fotoalbum-01

In Bild zwei ist der „Abstandhalter“ (ich weiss nicht wie man bei den üblichen Fotoalben dieses Teil nennt, dass die einzelnen Bögen etwas auf Abstand zueinander hält) zu sehen. Das war der mühsamste Teil der bisherigen Arbeit. Die schmalen Streifen so exakt wie möglich gerade zu falzen … trivial ist anders. Jedenfalls für einen Anfänger wie mich.
Fotoalbum-02

Auf Bild drei sind die Bögen und der „Abstandhalter“ ge- und verbunden. Ein bisschen stolz und erleichtert war ich damals schon, als ich diesen Teil der Arbeit hinter mir hatte.
Fotoalbum-03

Und hier das Ganze noch aufgefächert.
Fotoalbum-04

Bald geht es (hoffentlich) weiter.