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[Rezi] „Das Haus der Geschichten“ von Thomas Franke

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Das Buch

Das Buch kommt in einem unspektakulären braunen Hardcover daher. Aber der Schutzumschlag ist gelungen. Man kann ihn nämlich wenden, dann kommt statt einem Raum der voll mit Büchern ist eine … ach schaut doch selber. 🙂

Und so beginnt es:

„Das Holz des Tisches war sehr alt. Dunkle Flecken und abgewetzte Stellen zeugten von einem regen Gebrauch des Möbelstücks. Die Abendsonne fiel schräg durch das Fenster aus welligem Glas und liess feinen Staub wie winzige Glühwürmchen über einem Stapel alter Pergamente tanzen. Der Lichteinfall offenbarte ein bizarres Muster konzentrischer Kreise, die verschiedenste Tassen im Laufe von mehr als zweihundertachtzig Jahren auf dem Schreibtisch hinterlassen hatten. Und die hagere, faltige Hand, die den Federhalter in das Tintenfässchen tauchte, schien nicht weniger arm an Jahren zu sein. Der schwere alte Stuhl knarzte, als der Mann sich in dem ausgebeulten Lederpolster zurechtsetzte und zu schreiben begann.“

Zusammenfassung

Kurz: Arbeitsloser Fantasyautor wird Assistenz-Antiquar und ändert sein Leben
Etwas länger: Marvin Heider ist Agnostiker und bekommt nach mehr als einem Dutzend vermittelter Jobs sowas wie seine letzte Chance. Es wird ein Liebhaber von Büchern und Geschichten gesucht. Passt genau, schliesslich ist Marvin eigentlich Schriftsteller von Fantasygeschichten. Er lernt den Inhaber kennen und mag ihn sofort. So wie Rasmus-Salomo Eichdorff ihm begegnet fängt seine atheistische Überzeugung langsam an Risse zu bekommen und er hinterfragt Dinge, die er 30 Jahre lang für selbstverständlich und vollkommen logisch gehalten hatte.

Stil:

Das Haus der Geschichten ist eine Mischung aus Geschichte und einzelnen Kurzgeschichten, die sich nahtlos in den Roman einfügen. Es ist flüssig und humorvoll geschrieben und kommt, obschon es nie einen Hehl daraus macht ein christlicher Roman zu sein, gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger aus. Ich hatte nie das Gefühl belehrt zu werden. Eine sehr sympathische Art wirklich wichtige Inhalte zu transportieren. Dem Autor scheint viel an Namen zu liegen. Bei einigen seiner Kurzgeschichtenfiguren konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Figuren:

Die drei Protagonisten sind glaubhaft und sympathisch. Man möchte gerne mit allen dreien befreundet sein. Obwohl es keinen wirklichen Antagonisten gibt, zumindest habe ich keinen ausfindig machen können, ist die Geschichte nie langweilig und die Figuren entwickeln sich nachvollziehbar.

Sprache:

Flüssig und gut zu lesen. Thomas Franke verzichtet auf Kanaanäische Floskeln genauso wie auf irgendwelchen Slang. Die Sprache transportiert den Inhalt so, dass man das Buch bei gelegentlichem Lesen problemlos in einer Woche durchhat. Das ist jedoch – obwohl ein Qualitätsmerkmal – sehr schade. Es ist eines der Bücher die man gerne gleich nochmal lesen würde, aber ohne die Erinnerung daran, was drin steht.

Fazit:

Anders als die meisten Bücher hinterlässt „Das Haus der Geschichten“ nicht nur die Erinnerung an schöne Momente und die Sehnsucht nach weiteren solchen. Man kann es nicht einfach zuklappen und denken oder sagen: „Boah, ein gutes Buch, wo ist das nächste?“. Es liess mich sehr nachdenklich zurück und ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie ich wohl so eine narratorische Apotheke aufziehen könnte.
Ach so, das Buch: 5 von 5 Sternen und absolute Kaufempfehlung. Nicht nur aber auch und vor allem für solche die glauben, an nichts zu glauben. Für so manchen Christen auch sehr empfehlenswert. Nicht als Zeigefinger, sondern als offene Hand, als Möglichkeit.

Coverbild_DasHausderGeschichten

Das Haus der Geschichten
Gerth Medien GmbH / 2010 / 284
Thomas Franke
ISBN: 978-3-86591-572-6

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