[Rezi] „Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils – Was sagt die Schrift?“ von Martin Schweikert

Diesmal wurde mir das Buch vom Christlichen Mediendienst kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag direkt oder auch bei Amazon

Der Autor

Den Autor dieses Buches kenne ich als besonnenen, analytisch denkenden Menschen mit geisteswissenschaftlicher Prägung. Seine immerwährende Betonung, bei der Auslegung der Bibel zuallererst ausschliesslich den Text wie er dasteht zu verwenden und sich weder auf Meinungen noch auf Erfahrung zu stützen setzt er unter anderem in diesem Buch in guter, wenn auch manchmal schwierig nachzuvollziehender Weise, um.

Das Buch

Es war ein E-Book im epub-Format. So konnte ich es auf dem Reader meines Vertrauens lesen und war nicht künstlich beschränkt oder gegängelt.

Und so beginnt es:

Paulus sagt voraus:
Denn ich weiß dieses, daß nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wachet und gedenket, daß ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen. — Apostelgeschichte 20,29-31
Er spricht hier von Angriffen, die von außen nach innen erfolgen (die „verderblichen Wölfe“, die „hereinkommen“ werden), aber auch von Angriffen von innen (die Männer, die „aus euch selbst“ aufstehen werden).
Es ist also zuverlässig mit der Gefahr zu rechnen, dass in den Gemeinden durch Gemeindeglieder falsche Lehren verbreitet werden (sie werden „verkehrte Dinge reden“). Das Charakteristische ist, dass diese Menschen andere „hinter sich her“ abziehen werden – da sie ihre falschen Lehren aus dem Wort Gottes nicht belegen können, sind die Menschen die ihnen folgen, darauf angewiesen, dass sie ihnen sagen, was richtig und was falsch ist – sie legen Dinge fest, die aus dem Wort Gottes nicht zu belegen sind.
Die verderblichsten aller falschen Lehren sind die, die das Heil betreffen. Darum ist auch die Aufforderung, wachsam zu sein, sehr ernst zu nehmen – es steht zu viel auf dem Spiel.
Der Begriff „Heil“ umfasst im Neuen Testament mehr als „Erlösung vor dem ewigen Tod“; die Diskussion in dieser Untersuchung bleibt aber auf diesen Aspekt beschränkt. „Heil“ hat denselben Sinn wie in Ausdrücken wie „Heilssicherheit“ und „Heilsgewissheit“. Gegenstand der Untersuchung ist jedoch nur die Heilssicherheit. Heilsgewissheit ist etwas Subjektives – Wer das Heil hat, kann sich dessen subjektiv bewusst sein oder auch nicht; andererseits kann jemand, der das Heil nicht hat, subjektiv empfinden er hätte es. Bei der Heilssicherheit geht es dagegen objektiv darum, ob das Heil sicher ist (unverlierbar) oder nicht (verlierbar).

Zusammenfassung

Kurz: Eine sachliche, und erschöpfend gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
Etwas länger:Der Autor geht in gründlicher Art auf die bekannteren und auch diverse nicht so bekannte Aussagen, die eine Verlierbarkeit des Heils vermuten lassen könnten, ein und analysiert sie im Licht des Kontextes der Stellen, die als Beleg für die Verlierbarkeit angeführt werden. Der wichtigste Auslegungsgrundsatz der Bibel, dass sie sich nämlich nicht selbst widerspricht, wird gegen jeden dieser Angriffe ins Feld geführt.

Da dies ein reines Sachbuch ist werde ich mich im weiteren auf Kritik- und Positiv-Punkte und ein kurzes Fazit beschränken. Erläuterungen über Sprache, Stil und „Figuren“ sind hier unpassend.

Kritik

Der Autor hat vertiefte Kenntnisse alter Sprachen und deren Grammatik- und Regelsystemen. Das merkt man. Als einer, der es damit nicht so hat mag es bisweilen schwer fallen, seine Begründungen nachvollziehen zu können. Wenn man sich jedoch die Arbeit macht und den Erläuterungen nachgeht findet man heraus, dass sich der Autor nicht einfach etwas zusammengereimt hat. Die Kritik an dieser Stelle bezieht sich also lediglich auf den Umstand, dass sich das Buch weniger an den sprachlichen Laien und somit die vermutlich breitere Masse von Christen richtet als vielmehr an wenige Altphilologen, die dann ihrerseits anhand des Buches ohne Zwweifel weniger sprachgewandten Personen in einer der schwierigst möglichen Krisen weiterhelfen können.
Was mich beim Lesen auch etwas gestört hat waren die Wiederholungen. Um jedoch nicht dauernd auf irgendwelche anderen Kapitel (was teilweise auch gemacht wird, grade bei der Bezugnahme auf grössere Themengebiete) verweisen zu müssen, bleibt vermutlich kaum eine andere Möglichkeit.

Positiv

Der Autor hat den Aufwand, auf jeden noch so kleinen Hinweis auf eine mögliche Verlierbarkeit des Heils einzugehen, an keiner Stelle gescheut. Und das war ja letztlich der Grund für dieses Buch.

Fazit

Wenn sich jemand fragt, ob das Heil, das Ewige Leben, verlierbar sein könnte, dann lege ich ihm oder ihr dieses Buch ans Herz. Ohne den Autor gefragt zu haben kann ich mir, bei ausreichend vorhandener Zeit, sehr gut vorstellen, dass er gerne Fragen zu diesem Thema beantworten wird. Es scheint durch die Zeilen hindurch, dass ihm dieses Thema ein Herzensanliegen ist. Dass er es auf einem derart hohen sprachlichen Niveau abhandelt ist einzig dem Umstand geschuldet, dass es genug Menschen gibt, die sonst viel zu leicht über das Buch herfallen würden. So ist dem jedoch ein Riegel vorgeschoben und die Vertreter der Verlierbarkeit des Heils müssen schon unglaublich tief in die Trickkiste greifen um Land zu sehen.
Ich schwanke zwischen 4 und 5 Sternen, neige wegen den sprachlichen „Hürden“ jedoch zu vier. Dennoch eine absolute Kaufempfehlung, weil die Frage in so klarer und abschliessender Weise behandelt wird.

Cover Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils

Verlierbarkeit oder Unverlierbarkeit des Heils – Was sagt die Schrift?
Christlicher Mediendiest / 2015 (1. Auflage) / 316
Martin Schweikert
ISBN: 978-3-9398-3378-9

[Rezi] „Die Maschinen“ von Ann Leckie

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

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Der Autor

Über Ann Leckie kann ich überhaupt nichts sagen, bisher war sie mir völlig unbekannt.

Das Buch

Ein dickes Paperback mit einer Androidin vorne drauf.

Und so beginnt es:

„Vorbemerkung des Übersetzers
Sehr geehrte Leser dieses Buches!
Sind Sie der Ansicht, dass ich Sie mit dieser Anrede korrekt angesprochen habe? Oder fühlen Sie sich ausgeschlossen, weil Sie weiblichen Geschlechts sind und finden, dass ich mich nur an die Leser, sondern auch an die Leserinnen dieses Buches hätte wenden sollen? Diese Frage wird im Zuge des Gender-Mainstreaming und der Bemühungen zur Gleichstellung seit Jahren zum Teil leidenschaftlich debattiert.“

Zusammenfassung

Kurz: Die Avatardronin eines Kampfschiffes a.D. streift durch eine verschneite Ödnis
Etwas länger: Die Protagonistin wechselt beim Erzählen immer zwischen jetzt und damals hin und her. Damals war sie noch eine/die Drone eines Kampfschiffes, heute ist sie frei und findet eine alte Vorgesetzte halbtot im Schnee liegen und rettet diese, deren biologisches Geschlecht männlich ist.

Stil:

Die konsequente Verwendung eines generischen Femininums ist zuerst nur ungewohnt und anstrengend zu lesen, dann nur noch angstrengend. Irgendwann gewöhnt man sich vermutlich daran. Ich konnte es nicht.

Figuren:

Das ist noch das interessanteste, wenn auch verwirrendste. Man ist nämlich nie wirklich sicher, ob die jeweilige Figur nun männlich oder weiblich ist. Generisches grammatikalisches Geschlecht hin oder her, wenn man nicht weiss, von wem und wovon grade die Rede ist, dann ist es einfach nur zäh und mühsam.

Sprache:

Über die Sprache lässt sich nicht viel sagen, weil ich dauernd über „Leutnantin“ und „die dort, die mit dem Bart“ oder so ähnlich gestolpert bin.

Fazit:

Es sollte wohl ein Experiment sein. Möglicherweise ist es auch gelungen. Ich kann nichts dazu sagen ausser, dass es die ersten 105 Seiten einfach nur sterbenslangweilig ist. Die Preise, die dieses Buch gewonnen hat kann ich mir nur dadurch erklären, dass es da jemand gewagt hat, gegen den Mainstream anzugehen. Dafür gibt es auch den zweiten Stern. Zu mehr kann ich mich nicht aufraffen. Immerhin habe ich dem Buch mehr als die üblichen 10 % gegeben um mich zu packen. Es hat es auch nach 20 % nicht geschafft. Sorry Frau Leckie, nicht mein Fall. Möglich aber auch, dass es in der Deutschen Übersetzung erst so schlimm wurde. Im Original mag es noch angehen, aber auf Deutsch ist dieses Buch nicht lesbar, auch wenn ich den Hut vor der Leistung des Übersetzers ziehe. Das eine hat mit dem anderen in diesem Fall nichts zu tun.
Von mir 2 von 5 Sternen und leider keine Kaufempfehlung.

Die Maschinen
Heyne / 2015 / 544
Ann Leckie
ISBN: 978-3-4533-1636-2

[Rezi] „Was jeder vom Judentum wissen muss“ von Christina Kayales

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Gütersloher Verlagshaus, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

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Der Autor

Zur Autorin oder den Autoren kann ich nicht viel sagen, ausser dass sie allesamt vom Fach zu sein scheinen. Pastoren und Pastorinnen, Akademiker. Man darf davon ausgehen, dass sie eine Ahnung von der Themakik haben.

Das Buch

Es ist ein einfaches Paperback mit einer Menora auf dem Cover. Es ist schlicht gehalten und hat eine angenehme Grösse, man kann es sehr gut mit einer Hand halten und bequem lesen.

Und so beginnt es:

„Wenn dein Kind dich fragt“ – Diese Worte aus 5 Mose 6,20 zur Tradition des Fragens und Lernens passen zu meiner Freude und Dankbarkeit über dieses Buch. Die Neuauflage von: „Was jeder vom Judentum wissen muss“ ist ein sehr ermutigendes Zeichen. Das vorliegende Buch belegt, dass es Interesse am Judentum gibt und eine Auseinandersetzung mit dem Judentum gerade für Christinnen und Christen in Deutschland zu einem nicht mehr wegzudenkenden Anliegen geworden ist.

Zusammenfassung

Kurz: Geschichte, Glauben, Leben der Juden in einer kurzen Übersicht.
Etwas länger:In jeweils abgeschlossenen Teilen werden einem die Bereiche Geschichte, Glaube, Leben der Juden näher gebracht. Man erhält Informationen über die Feste und sowohl deren Ursprung als auch heutige Bedeutung. Eine Einführung in die Geschichte des Volkes Israel und der Juden erhellt vieles, was einem sonst unklar erscheinen mag.

Da dies ein reines Sachbuch ist werde ich mich im weiteren auf Kritik- und Positiv-Punkte und ein kurzes Fazit beschränken. Erläuterungen über Sprache, Stil und „Figuren“ sind hier unpassend.

Kritik

An manchen Stellen schiessen die Autoren etwas über das Ziel hinaus. Aus Abweichungen in der Berichterstattung in der Passionsgeschichte schliessen sie auf die Absichten der Verfasser. Mag sein, dass diese Schlüsse gerechtfertigt sind, jedoch werden sie nicht hinreichend begründet.
Der letzte Teil dreht sich um die Passionsgeschichte Jesu und ist natürlich sehr moderat abgefasst, es geht schliesslich um den Dialog zwischen Christen und Juden. Man hätte ihn jedoch straffen können. Beinahe hatte ich den Eindruck, man wolle den Schreibern der Evangelien eine Art frühchristlichen Antisemitismus anhängen, obschon doch gerade Paulus in den Briefen immer wieder betont, dass er Jude ist. Und nicht „nur“ Jude, sondern Pharisäer der strengeren Schule.
Die Argumentation, man könne Juden der Gegewart nicht für den „Mord an Jesus“ zur Verantwortung ziehen unterschreibe ich sofort. Jedoch kann man auch nicht pauschal DIE Christen für die Kreuzzüge oder DIE Deutschen für die Naziverbrechen verantwortlich machen. Zumindest dann nicht, wenn Einsicht und Reue und der Wunsch nach „Wiedergutmachung“ vorhanden sind und gelebt werden. Dann muss man in der Lage sein, aufeinander zu zu gehen und sich die Hand zur Versöhnung zu reichen.

Positiv

Die vielen Informationen über die vielfälftigen Hintergründe sind sehr interessant und zum Teil habe ich wirklich Erstaunliches gelernt, das ich so noch nie gesehen hatte (Stichwort „Essen entheiligen“).
Die ganzen Feste im Zusammenhang zu sehen war interessant und aufschlussreich. Was es z.B. mit dem Lulav (woher soviel ich weiss das Wort Lulatsch herkommt) auf sich hat erinnerte mich an den vierfachen Acker aus dem Gleichnis.
Man merkt dem Buch, sowohl in negativer als auch in positiver Weise an, dass es von Akademikern geschrieben wurde. Zumindest aber von Personen, die eine akademische Bildung genossen haben. Das Verzeichnis der weiterführenden Literatur ist hinreichend ausführlich. Man kann sich zu jedem Teil des Buches (Herkunft, Geschichte, Religion, Beziehung zu Nichtjuden und zu Christen) bequem mit einem ganzen Regalmeter an Büchern eindecken.
Vielleicht noch eine kurze Szene aus dem Buch, bei deren Lektüre mir die Tränen kamen. Noch jetzt fällt es mir schwer, daran zu denken ohne eine Regung zu zeigen. Da beschreibt ein amerikanischer Theologe den Besuch eines KZ. Es begleiten ihn ein paar Überlebende. Ihm graut beim Anblick der Gebäude und ihm fällt es mit einem Mal schwer, an einen liebenden Gott zu glauben. Und da hört er wie um ihn herum Überlebende dieser Masaker gemeinsam in einen Chor einstimmen. Sie beten das erste und das letzte Gebet eines Juden, das Schma Jisrael.

Fazit

Als Startpunkt um sich mit dem Judentum auseinander zu setzen ist es wunderbar geeignet. Selbst sogar der Titel passt. Es deckt die Grundlagen ab.
An einigen Stellen (Dialog mit dem Christentum und Jesus der Jude) hätte es ausführlicher auf die für mein Verständnis nicht immer schlüssige Argumentation eingehen dürfen.
Wegen der Kritikpunkte „nur“ 4 von 5 Sternen. und eine Kaufempfehlung.

Cover Was jeder vom Judentum wissen muss

Was jeder vom Judentum wissen muss
Gütersloher Verlagshaus / 2005 (11. Auflage) / 208
ISBN: 978-3-5790-6407-9

[Rezi] „Die Zeitverschwörung 1 – Imperator“ von Stephen Baxter

Diesmal wurde mir das Buch von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann, genauer dem Heyne Verlag, kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

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Der Autor

Stephen Baxter hat, soweit ich das bisher in Erfahrung bringen konnte, viele wissenschaftlich dominierte Science-Fiction Romane geschrieben. Manchmal mit anderen Autoren zusammen, manchmal – so wie hier – auch alleine. Letztere gefallen mir besser. Die Schreibe von Herrn Baxter ist flüssig und die wissenschaftliche Informationsdichte überschaubar. Genug, dass ein bisschen was hängen bleibt, aber auch nicht so viel, dass man das Buch gelangweilt und an tröge Schulstunden erinnert zur Seite legt.

Das Buch

Da ich dieses Mal ein E-Book bekommen habe kann ich zu einer Papier-Variante nicht viel sagen. Das E-Book ist auf jeden Fall klar gegliedert und man kommt über den Index in jedes Kapitel. Es gibt keine 3D-Animationen und auch keine nervigen „Helfer“ in einer der Ecken die mir durch das Buch helfen wollen. Es ist schliesslich einfach ein Buch, halt nicht auf Papier gedruckt.

Und so beginnt es:

„Es war ein schwerer Tag, an dem Bricas Kind, Cunovics Neffe, sich ins Leben quälte, ein schwerer, langer Tag der Geburt und des Todes. Und es war der Tag, wie Cunovic später glaubte, an dem die eisigen Finger des Webers an den Fäden des Zeitteppichs zu zupfen begannen.“

Zusammenfassung

Kurz: Eine Prophezeiung begleitet viele Generationen einer Familie.
Etwas länger: Nectovelins Mutter schreit unter Geburtsschmerzen eine sechzehn-zeilige Prophetie in lateinischer Sprache. Das wäre weiter nicht verwunderlich, könnte sie Latein. Als stolze Brigantin vor der grossen Invastion der Insel ist sie dieser Sprache aber nicht mächtig. Diese Prophezeiung zieht sich durch das Leben vieler Menschen die ihrer Familie entstammen. Manche lassen sich davon bestimmen, andere versuchen das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden.

Stil:

Stephen Baxter schreibt flüssig und „geschmeidig“. Soll heissen: Man liesst den Text und ohne dass man es merkt, lernt man noch was dabei. Z.B. dass der Wall, den Hadrian errichten liess nichts mit dem Vorgartenmäuerchen zu tun hatte, das heute die engste Stelle Schottlands ziert. Oder über die Entstehung des Christentums, aus der Sicht von Römern und Eroberten Völkern.
Der Text kommt nie Oberlehrerhaft daher, aber auch nicht seicht. Man ist dabei, wie ein Imperium sich seinem Zenith nähert und ihn teilweise überschreitet. Man „erlebt“ Geschichte und spürt das auch. Legt man das Buch zur Seite nachdem man es beendet hat, muss man sich erst wieder im Hier und Jetzt zurechtfinden. Jedenfalls ein bisschen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft. Vom totalen Ekelpaket über den Sklaven der freigekauft wurde und sich nur langsam einem normalen Leben nähert bis zu den Imperatoren, alle kommen sie völlig authentisch rüber. Man kauft ihnen ihre Freude, ihr Leid und ihre Zweifel, aber auch ihre Überzeugungen ab. Das was sie antreibt, könnte auch die Triebfeder für unser eigenes Handeln sein, insofern sind sie absolut realistisch und nicht bloss eindimensional.

Sprache:

Die Dialoge sind kurz, aber nicht zu knapp. Beschrieben wird einiges, da sehr viel Geschichte thematisiert wird. Aber das fällt nicht negativ auf. Handlung gibt es genug und die und auch die Stimmung der Charaktere wird durch die Sprache sehr klar rübergebracht. Ansonsten ist die Sprache unauffällig. Wenn jemand im Buch davon spricht, dass eine der Figuren „einfaches Latein“ spräche, dann kann ich mir darunter nur wenig vorstellen. Ausser vielleicht wenn man eine „gewählte und an Vokabeln reiche und reichhaltige Sprache“ dem „Gesabbel von einem Proll“ gegenüberstellen würde. Möglich, dass sowas damit gemeint ist.

Fazit:

Von mir 5 von 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung. Und die Hoffnung, dass Band 2 – 4 in ähnlicher Weise weitergehen und nicht so enden wie die Zeit-Odyssee, die Baxter mit Arthur C. Clarke zusammen geschrieben hatte und deren Schluss auf den letzten Zeilen ermordet wurde. Aber das ist eine andere Rezi die erst noch geschrieben werden muss.

Die Zeitverschwörung 1 – Imperator
Heyne / 2015 / 576
Stephen Baxter
ISBN: 978-3-7645-3129-4

[Rezi] „Bibliothek der Träume“ von Lynn Austin

Zu Kaufen gibt es dieses Buch beim Verlag der Francke-Buchhandlung direkt oder auch bei Amazon

Das Buch

Es ist ein Paperback. Vorne drauf sieht man eine junge Frau die die Heldin sein könnte und unten die Berge Kentuckys.

Und so beginnt es:

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde niemand es lesen. Die Leute würden sagen, es sei zu langweilig, zu vorhersehbar. Eine Geschichte, wie sie schon tausend Mal erzählt wurde. Aber ich war mit meinem Leben ganz und gar zufrieden – bis die hinteren Seiten aus meiner Geschichte herausgerissen wurden, bevor ich die Gelegenheit hatte, glücklich bis an mein Lebensende zu leben.“

Zusammenfassung

Kurz: Junge Frau aus einer Stadt im Flachland verschlägt es in die Berge Kentuckys, wo sie auf die Welt kommt.
Etwas länger: Alice Ripley ist Pfarrerstochter und von Beruf Bibliothekarin. Sie hatte bisher ein behütetes Leben und wird aufgrund der Weltwirtschaftskrise arbeitslos. Weil sie ein Gutmensch ist beschliesst sie, eine Büchersammlung zu organisieren und die Bücher gleich selbstzu den bedürftigen Menschen in Kentucky zu bringen. Womit sie jedoch nicht rechnet ist, dass sie länger dort bleibt als geplant. Und das hat für sie gravierende Folgen auf den weiteren Verlauf ihres Lebens.

Stil:

Es wird aus der Perspektive der Protagonistin geschrieben. Vieles bekommt man nicht mit bei dem man nicht weiss, ob das jetzt wichtig wäre. In so gut wie jedem Fall stellt es sich im Nachhinein heraus, dass es gepasst hat. Die Schreibe ist flüssig, einzig die relativ häufigen Wiederholungen der Selbstüberzeugungsversuche von Alice, dass sie ja sowieso bald wieder heimgeht, fangen irgendwann an zu nerven.

Figuren:

Alice Ripley: Sie ist eine behütet aufgewachsene, total blauäugige Büchernärrin die kein eigenes Leben hat. Sie durchlebt viel lieber die Abenteuer in den Büchern. Das geht ihrem Freund irgendwann so auf die Nerven, dass er mit ihr Schluss macht. Sie versteht überhaupt nicht wieso und man will sie auf jeder zweiten Seite an den Schultern packen und schütteln. Aber mit der Zeit setzt eine Veränderung ein. Diese ist langsam genug um glaubhaft zu sein.

Mack: Die „Bibliothekarin“ mit der Alice vereinbart die Bücher nach Acorn in Kentucky zu bringen, ist trotz ihres Namens Leslie ein Mann. Und die beiden mögen sich überhaupt nicht. Bis auf eine Kleinigkeit: Mack liebt Bücher genauso sehr wie Alice.

Miss Lillie: Eine ehemalige Sklavin, Ziehmutter von Mack und die treibende Kraft hinter der nun beginnenden Geschichte von Alice‘ Leben. Sie ist mit ihren über 100 Jahren schon sehr alt, hat aber einen klaren und scharfen Verstand und was fast noch wichtiger ist, einen natürlichen und unerschütterlichen Glauben an Gott. Im Gegensatz zur Alice, die bisher lediglich fromme Pflichten erfüllt hatte.

Auch die anderen Figuren werden sehr schön beschrieben, man kauft der Autorin die Figuren ab. Sie sind stimmig und individuell. Obwohl ich einige Zeit brauchte, bis ich sie alle auseinander halten konnte.

Sprache:

Die Sprache ist angepasst. Sie ist nicht „altertümlich“ und flüssig zu lesen. Und man spürt schön die Stimmungen der einzelnen Personen heraus.

Fazit:

Es ist klar, dass in einem christlichen Buch Gott eine Rolle spielt, eigentlich sogar eine sehr zentrale. Die Autorin begeht aber nie den Fehler, mit erhobenem Zeigefinger eine Botschaft rüberbringen zu wollen. Die Aussage des Buches ist vollkommen klar, der „christliche Anteil“ daran unterstreicht sie auf natürliche Weise.

Da ich die Autorin bisher noch nicht kenne kann ich nichts zu ihr sagen. Aber dieses Buch hat mir gefallen und wer eine spannende und soweit ich es beurteilen kann gut recherchierte Geschichte aus dem Amerika der Weltwirtschaftskrise lesen möchte ist mit diesem Buch gut beraten.

4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Bibliothek-der-Träume

Die Bibliothek der Träume
Francke-Buchhandlung / 2012 / 427
Lynn Austin
ISBN: 978-3-868-27302-1

[BdB-Rezi] Wild Cards – Der Sieg der Verlierer

Wieder einmal eine Rezi die ich euch, meinen lieben Lesern, aufgrund der guten Idee hinter der Seite Blogg dein Buch präsentieren kann.

„Wild Cards – Der Sieg der Verlierer“ unter anderem von George R. R. Martin. Der Penhaligon Verlag war diesmal so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Meinen Dank an dieser Stelle.

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Der Autor

Was soll ich zu George R. R. Martin denn noch sagen, das nicht längst gesagt wurde … Das ich bisher z.B. kein einziges Buch von ihm gelesen habe? Jo, das könnte ich. Ich könnte auch erklären warum. Das war so: Im Jahre 2007 hörte ich das erste Mal von einer Romanreihe mit dem Namen „Das Lied von Eis und Feuer“, einigen vielleicht besser bekannt (ich hoffe ja nicht 😉 ) als TV-Serie „Game of Thrones“. Ich weiss noch genau wann ich beschloss, mir diese Bücher nicht anzutun, aber ich weiss nicht mehr, was diese Abneigung denn tatsächlich ausgelöst hat. Es war auf jeden Fall ein Kommentar einer Dame, die diese Bücher verschlang: „Mir hat das Cover so gut gefallen.“
Echt. Und das, obwohl ich auch schon Bücher nur deswegen ausgeliehen hatte. Aber kaufen? Wegen dem Cover? Nö. Aber jetzt dachte ich mir, ich will doch noch mal was von ihm lesen. Und war leider schon nach den ersten Kapiteln etwas irritiert: Das Buch ist gar nicht von Martin geschrieben, lediglich zusammengestellt und editiert. Er mag im ganzen Zykuls auch die eine oder andere Geschichte beigetragen haben und mir ist auch der Sinn dahinter, einen grossen Namen für sowas zu verwenden, durchaus klar. Heute. Aber damals war Martin so viel ich weiss noch nicht so bekannt.
Hier vielleicht noch die Namen der Autoren des Buches:

  • S.L. Farrell
  • Victor Milán
  • John Jos. Miller
  • Kevin Andrew Murphy
  • Walton Simons
  • Melinda M. Snodgrass
  • Caroline Spector
  • Ian Tregillis
  • Carrie Vaughn

Nun aber zum Buch.

Das Buch

Das Cover wird von Drummer Boy geziert der eine Karte mit Drummer Boy hochhält. Ein Paperback mit Prägedruck, Es sieht ordentlich aus, ist aber für meinen Geschmack mit fast 600 Seiten zu dick für ein Buch.

Und so beginnt es:

„Ich lasse die Abschnitte über Asche und Würmer aus. Die Seiten sind dünn. Sie fühlen sich fast wie Federn an, wenn ich sie umblättere und nach Stellen suche, bei denen mir nicht die Galle hochkommt. Ich weiss, dass mein Vater stirbt. Ich muss nicht erst darüber lesen.“

Zusammenfassung

Kurz: Noel ist mal dies, mal das und findet am Schluss zu sich selbst.
Etwas länger: Es gibt nicht „den“ Protagonisten. Noel ist einer davon. Er ist ein Gestaltwandler und muss ein ziemlich gutes Gedächtnis haben, er ist nämlich zwangsläufig ein Lügner. Wie viele andere Charaktere in dem Buch wächst er aber über sich hinaus bzw. springt über seinen Schatten und verändert das Geschehen letztlich zum Besseren.

Stil:

Ich liebe viele Handlungsstränge, die sich einander nach und nach annähern und letztlich auflösen. Die unterschiedlichen Autoren geben ihren jeweiligen Figuren ganz eigene Stimmen. Beides Dinge, die ich mir von so einem Buch wünsche. Und es funktioniert sehr gut. Die Handlungsstränge, Figuren, Situationen, alles ist stimmig beschrieben, mit wenigen Worten kommen die Bilder auf, die einem die Geschichte lebendig werden lassen.

Figuren:

Ich habe noch selten glaubhaftere Beschreibungen von Nebendarstellern gesehen. In wenigen Sätzen schaffen es die Autoren, die widerlichsten und hassenswürdigsten Ekelpakete auf die Seiten zu zaubern. Und man glaubt es ihnen. Man würde am liebsten ins Buch steigen und diesen Widerlingen jeden geschriebenen Buchstaben einzeln wegradieren. Und anschliessend den Radiergummi verbrennen.
Aber natürlich gibt es auch positive Charaktere und solche, bei denen man sich zu Beginn nicht sicher ist, ob sie nun nett sind oder nicht. Bei manchen von denen wird es im weiteren Verlauf der Geschichte auch nicht unbedingt klarer. Auf jeden Fall sind die Figuren plastisch, echt, dreidimensional. Fast könnte man denken, sie auf dem Nachhauseweg von der Arbeit im Bus oder der Bahn anzutreffen. Wenn es halt keine Joker wären.

Sprache:

Jede Figur und jede Sitation hat ihren eigenen Stil der genau passt. Die Autoren haben allesam gute Arbeit geleistet. Obwohl sich die einzelnen Schreiber abwechseln, erkennt man alle paar Seiten die Figuren wieder. Fast so wie ein guter Sprecher eines Hörbuches.

Fazit:

Was zu Beginn etwas verwirrend daherkommt entpuppt sich als fantasievoller Lesespass. Für kurze Zeit ist man in einer parallelen Welt und will wissen wie es mit „Little Fat Boy“, Noel, Niobe, Bubbles und all den anderen weitergeht. Von mir 5 von 5 Sternen und eine klare Kaufempfehlung.

Wildcards – Der Sieg der Verlierer
Penhaligon / 2015 / 576
George R. R. Martin
ISBN: 978-3-7645-3129-4

[Rezi] „Redshirts“ von John Scalzi

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Das Buch

Das Cover zeigt, was der Titel verspricht: Ein Redshirt der UU.

Und so beginnt es:

„Fähnrich Tom Davis hockte auf einem großen Felsblock und blickte quer durch die weitläufige Höhle zu Captain Lucius Abernathy, Wissenschaftsoffizier Q’eeng und Chefingenieur Paul West, die auf einem zweiten, noch größeren Felsblock saßen, und dachte: Das ist echt scheiße.

Zusammenfassung

Kurz: Ein Fähnrich auf dem Flagschiff merkt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist und geht dem nach.
Etwas länger: Andrew Dahl wird auf das Flagschiff der UU, der Universalen Union, versetzt. Und zuerst deutet er das als grossen Gewinn für seine Karriere. Aber dann merkt er, dass unter bestimmten Voraussetzungen bei Aussenmissionen verdächtig häufig und auf seltsame Weise Crewmitglieder ums Leben kommen. Er geht der Sache nach.

Stil:

Wenn einem nicht bereits (wie mir) gespoilert wurde, worum es in dem Buch geht, dann verwirren die Dialoge auf den ersten paar Seiten schon sehr. Man denkt sich: „Eigentlich kann der Salzi doch schreiben, was fabriziert er denn hier für eine Sch schlechte Dialoge. Erst als Andrew Dahl, der Protagonist, dahinter zu kommen scheint was hier los ist, bessert sich das, werden die Dialoge flüssiger und das Lesen geht auch leichter von der Hand.

Dass das Buch weitergeht, nachdem es zuende ist, aber doch nicht, mag für den einen oder anderen verwirrend sein. Ich fand den Schluss äusserst gelungen.

Figuren:

Die Figuren sind allesamt glaubhaft und „echt“. Man möge die leichte ironische Anspielung verzeihen, wenn man es gelesen hat, wird man es verstehen. Einzig der Protagonist kam mir manchmal etwas zu … entspannt vor. Mir fällt kein besseres Wort dafür ein. Fast so, als ob er wüsste was als nächstes geschieht.

Sprache:

Typisch für John Scalzi ist die Sprache: Locker, leicht zu lesen. Die Dialoge sind flüssig und man fliegt eigentlich nie aus dem Fluss wegen irgendwelcher unpassender Wörter oder seltsamen Konstruktionen.

Fazit:

Eines der wenigen Sci-Fi Bücher, abgesehen von eineinigen von Andreas Eschbach, das mich nachdenklich zurückliess und mir die Wahl des nächsten Buches sehr schwer machte. Bis kurz vor Schluss dachte ich: „Jaja, nette Geschichte und gut geschrieben.“ Aber da steckt meiner Meinung nach viel mehr drin. Z.B. wird einem Autoren gezeigt, wie wehleidig die Aussage „Ach ich kann nicht schreiben, ich habe eine Schreibblockade.“ häufig rüberkommt. Und zwar einfach darum, weil es in den allermeisten Fällen eine Ausrede ist. Eine Ausrede dafür, dass das Problem meist woanders als bei der angeblich blockierten Kreativität liegt.

Weiter sind die philosophischen Momente, wenn sie auch letztlich dem „Autor“ als Schreibblockadenausrede dienen, äusserst interessant. Wenn man Philosophie auf populärwissenschaftlichem Niveau steht.

Alles in allem kann ich sagen: Wer Scalzi mag und den einen oder anderen Insider aus Star Trek kennt, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.

5 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung.

Coverbild_Redshirts

Redshirts
Heyne / 2012 / 432
John Scalzi
ISBN: 978-3-45352-995-3

Teilrezi: Der Name des Windes

Selten passiert es mir, dass mir ein Buch aus einer Trilogie nach knapp der Hälfte so gefällt, dass … aber ich muss etwas ausholen.

Kvothe, der Protagonist, spielt ein Lied über eine tragische Liebesgeschichte. Ein Paar dass einander verliert, wiederfindet und wieder verliert. Die Beschreibung, wie er das Lied trotz aller Widrigkeiten vorträgt und wie er selber und einige der Zuhörer darauf reagieren haben mir selbst beinahe die Tränen in die Augen getrieben. Und ich habe das Lied (das es vermutlich leider gar nicht gibt) noch nicht mal gehört. Ich habe nicht gesehen, wie er mit blutender Hand (die 7. Saite war gerissen und hatte ihm eine blutige Strieme verpasst) und sechs statt sieben Saiten gespielt hat. Und ich habe auch nicht die Erleichterung gesehen, als sich plötzlich doch eine Frauenstimme erhob und den weiblichen Part des Liedes sang. Nichts von alledem.
Und dennoch musste ich beinahe weinen.

„Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss.

Notizbücher

Tochter 1 ist fleissig am Malen und schreibt auch einige Worte schon, hauptsächlich Namen von Personen.
Um immer etwas zu haben, mit dem sie ihre kreativen Schübe kanalisieren kann, habe ich ihr im Eifer des Gefechts versprochen, auch ein Buch zu machen. Nachdem sie das Fotoalbum gesehen hatte, wollte sie auch sowas haben.

Folgendes ist dabei rausgekommen:

Der Buchblock des grossen Notizbuches für Tochter 1 mit Buchdeckel/-rücken aus ca. 1 mm starkem Karton.

Notizbuch T1 - Block und Buchrücken/-deckel

Das Papier, mit dem alles eingebunden werden soll ist zugeschnitten und bereit eingeleimt zu werden.

Notizbuch T1 - Einband zum Leimen vorbereitet

Über Nacht zuerst der Einband und eine Nacht später dann das Buch mit dem Einband gepresst, damit es auch schön hält.

Notizbuch T1 - Fertig, liegend mit Lesezeichen.

Es wird bereits rege benutzt. 🙂

Notizbuch T1 - Offen, mit ersten Zeichnungen

Das ganze nun eine Stufe kleiner für Tochter 2 und diesmal mit Buchdeckel und -rücken separat, wie beim Fotoalbum. Das gleiche Einbandpapier.

Notizbuch T2 - Fertig, stehend

Nochmal aus anderer Perspektive

Notizbuch T2 - Fertig, liegend

Buchbindeprojekt Nr. 1: Fotoalbum – Was lange währt …

Bild 1 zeigt die Einzelteile. Den Buchblock kennen wir ja schon aus dem Post von vor einiger Zeit *hüstel* Im Hintergrund meine Werkzeuge, die zur Zeit noch fast komplett in diese schmucke Ledertasche passen.

Buchdeckel und Einband

 

Hier sieht man den Einband mit dem Rücken und den Deckeln verleimt. Leider habe ich mich ein kleines Bisschen verschätzt was die Grösse des Stoffes angeht. An drei von vier Ecken kann man kleine Lücken erkennen. Ich wollte die Ecken dann mit Leder einfassen, aber das war auch nach dem Schärfen nicht dünn genug. Meine Frau hatte jedoch den rettenden Einfall.

Buchdeckel und Einband - Geleimt

 

Buchbinderleinen, von dem ich, ohne es zu wissen, eine ganze Rolle habe. Also schnell einen Streifen abgeschnitten, in vier ca. 11 cm lange Streifen geschnitten, mit Leim bestrichen, auf die Ecken geklebt und beschwert, damit sie auch kleben bleiben.

Buchdeckel und Einband - Geleimt, mit Ecken

 

Jo, und irgendwo habe ich gesehen, dass man die einzelnen Lagen dann noch mit Gaze verbinden soll. Aussen einem Buchzeichen das damit besser befestigt werden soll erkenne ich aber keinen wirklichen Vorteil.

Buchblock mit Gaze

 

So sieht es dann aus, wenn der Buchblock mit der jeweils ersten oder letzten Seite an den Deckeln angeleimt ist, nach dem Pressen.

Buchblock und Einband zusammengeklebt

 

Das fertige Album. Ein Hochzeitsgeschenk für Freunde. Ein bisschen spät zwar, aber dennoch ein Erfolg. Zumindest was die Freude der Beschenkten angeht. Mussten ja auch fast fünf Jahre darauf warten … 😉

Buchblock und Einband zusammengeklebt - Geschlossen

 

Und von oben. Man erkennt beim Buchrücken eine leichte Unregelmässigkeit. Beim Pressen nach dem Verleimen von Buchblock und Einband/Deckel hatte ich es versäumt, den Rücken auszusparen. Irgendwie hat es mir den ein wenig verschoben.

Buchblock und Einband zusammengeklebt - Aufgestellt

 

Warum ich so lange gebraucht habe bis es endlich fertig wurde ist mir inzwischen zum Teil klar geworden: Ich hatte Schiss es zu versauen. Nähen und falzen waren vergleichsweise unspektakulär. Aber vor dem Einband hatte und habe ich immernoch Respekt. DAS sauber hinzukriegen erscheint mir nach wie vor als der schwierigste Teil.

In der Zwischenzeit habe ich jedoch noch zwei weitere Bücher fertiggestellt und kann sagen, dass mit der Übung auch die Erfahrung kommt. Noch etwas Theorie nachholen und dann sollte es gut sein. Es kann also auch deutlich schneller gehen. Fünf Jahre für ein halbes Fotoalbum oder drei Tage für zwei Notitzbücher und die zweite Hälfte des Fotoalbmus. Könnte ich mich daran gewöhnen. 😉